Jugendamtsleiter Stefan Schramm gab in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Landkreises Kronach durch den Jahresbericht für das Jahr 2017 einen Einblick in die umfangreichen Aufgaben des Jugendamtes im Landratsamt Kronach.
Dabei machte er deutlich, dass das Jugendamt eine zweigliedrige Behörde sei. Der Jugendhilfeausschuss trifft die grundsätzlichen Entscheidungen zu den vielfachen örtlichen Jugendhilfeangeboten und die Verwaltung im Landratsamt setze die Beschlüsse um und erledigte laufende Aufgaben. Landrat Klaus Löffler, der die Sitzung leitete, zollte Stefan Schramm und seinen Mitarbeitern im Amt große Anerkennung und Dank für die "hervorragende Bewältigung der mannigfachen Aufgaben" der Kinder- und Jugendhilfe, die von Gesundheitsförderung und Prävention über Beratung und Betreuung bis hin zu finanziellen Unterstützungen in ganz verschiedenen Notlagen reichten.
Gerade für den Bereich Beratung und Prävention wurden in der Sitzung zwei wichtige Entscheidungen für die Fortsetzung zweier wichtiger Projekte getroffen. So wurde die Verlängerung des Projektes "Elterntalk" bis zum 31. Dezember 2020 beschlossen. Im Kreishaushalt werden dafür jährlich 8000 Euro eingestellt. Vor der Beschlussfassung gab die Regionalbeauftragte für dieses Projekt im Landkreis Kronach, Svenja Pilipp, einen umfassenden Bericht über ihre Aktivitäten. Ihre Kernaufgabe bestehe in der Schulung und Koordinierung der Moderatoren für den Elterntalk. Der Elterntalk fördere die Kommunikation zwischen Eltern und ihren Kindern.
Das Kinder- und Jugendprogramm der bayerischen Staatsregierung empfiehlt Elterntalk zur Stärkung der Familienselbsthilfe, denn, so der Kommentar vom Jugendamtsleiter: "Kindererziehung ist kein Kinderspiel!" Es waren im vergangenen Jahr sechs Moderatorinnen tätig, die 77 Talks mit 292 deutschen, sechs türkischen, elf syrischen und acht russischen Eltern geführt haben. Dabei geht es um Themen wie Medien, Konsum, Suchtvorbeugung und gesundes Aufwachsen in der Familie und richtet sich an alle Eltern mit Kindern bis 14 Jahren.
In privaten Gesprächsrunden treffen sich circa jeweils vier bis acht Eltern, begleitet von einem geschulten Moderator. Der Landkreis Kronach ist einer von 43 Landkreisen, der das Projekt einführte. Es werden weitere Moderatorinnen oder Moderatoren gesucht. 2018 soll der Schwerpunkt auf den neuen Kartensets "Erziehung" liegen. Das Thema Erziehung wurde bereits im Frühjahr fachlich durch den Referenten Christian Kraus (Diplom-Psychologe und Leiter der örtlichen Erziehungsberatungsstelle) vertieft. Die Fortführung für das Suchtpräventionsprojekt "Halt" (Hart am Limit) wurde ebenfalls vom Ausschuss auf weitere zwei Jahre für 2019 und 2020 bewilligt. Es wird vom Landkreis Kronach mit 3500 Euro pro Jahr gefördert. Einer Co-Finanzierung durch dritte Stellen wurde zugestimmt und das Jugendamt ermächtigt, Förderanträge zu stellen. Das "Halt"-Alkoholpräventionsprojekt wurde 2009 ins Leben gerufen. Aus der Statistik wird ein leichter Rückgang der mit einer Alkoholintoxikation stationär eingewiesenen Jugendlichen aus dem Landkreis erkennbar.


Familie unter besonderem Schutz

Diese positive Entwicklung wolle man aufrechterhalten und dies sei Grund genug, das Projekt fortzusetzen, sagte Landrat Löffler. Kreisrat Oliver Skall (SPD) begrüßte die finanzielle Beteiligung der Krankenkassen, man sollte versuchen, diese zu erweitern. Einig war sich das Gremium, Kinder richtig zu schützen, sei eine schwierige Gratwanderung, wie Stefan Schramm es formulierte. Die Familie steht unter dem besonderen Schutz des Staates und die Pflege und Erziehung der Kinder liegt primär in der Verantwortung der Eltern. Andererseits dürfen Kinder in ihrem Elternhaus aber nicht gefährdet werden. Das Jugendamt ist verpflichtet, allen Hinweisen nachzugehen.
2017 war dies in 57 Fällen notwendig, ging aus dem Bericht hervor. Dabei muss beim Kinderschutz zwischen Elternrecht und Kindeswohl abgewogen werden. In vier Fällen mussten Kinder und Jugendliche unmittelbar aus ihren Familien in Obhut genommen werden, dazu kommen noch 24 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die im Landkreis in Obhut genommen wurden. Eine Inobhutnahme oder die Herausnahme eines Kindes ist geboten, wenn Leib, Leben oder Gesundheit eines Minderjährigen gefährdet sind und die Eltern oder der sorgeberechtigte Elternteil nicht in der Lage sind, die Betreuung und Versorgung sicherzustellen beziehungsweise die Gefahr abzuwenden oder wenn ein Kind oder ein Jugendlicher um Obhut bittet.
Die kommunale Jugendpflegerin Eva Wicklein berichtete ausführlich über die Aktivitäten der Kommunalen Jugendarbeit: "Selbstbewusstsein, Selbstständigkeit und soziales Miteinander fördern und zum Mitgestalten in der Gesellschaft anregen", nannte Wicklein als Kernziele der Jugendarbeit. eh