Haben Sie sich schon einmal gefragt, woher der orangene Strichcode auf einem Briefumschlag kommt, den Sie per Post erhalten haben? Die Teilnehmer einer Führung durch das Bamberger Briefzentrum kennen nun die Antwort.
Der Standort in Bamberg-Ost ist eine Niederlassung des Briefzentrums Würzburg, welches für die Brief- und Paketzustellung der Deutschen Post in den Postleitzahl-Bereichen 96 und 97 zuständig ist.
Schichtleiterin Monika Heinlein und Cheftechniker Karl-Heinz Schäffler zeigten den Teilnehmern das Gebäude.


Maschinen "helfen" mit

Für die Belieferung von insgesamt 836 000 Haushalten würden 3200 Kräfte beschäftigt, von denen 2100 allein für die Zustellung der Post verantwortlich seien, erklärt die Schichtleiterin. Um die logistischen Herausforderungen zu bewältigen, helfen Maschinen den Mitarbeitern bei der Bearbeitung der Briefe.
"Bei uns in Bamberg werden am Tag maximal 1,2 Millionen Briefsendungen in drei Schichten bearbeitet", erläutert Monika Heinlein weiter. Während Infopost-, Briefabgangs- und Briefeingangsschicht werde von 2 bis 20 Uhr gearbeitet. Nur zwei Stunden am Tag würden die Maschinen still stehen. Während sie die Besucher durch das 20 Jahre alte Briefzentrum führen, erklären Heinlein und Schäffler den Arbeitsablauf im Gebäude.
Zunächst werden die im Briefzentrum ankommenden Briefe nach Formaten getrennt. Hierbei wird zwischen Standard-, Kompakt-, Groß- und Maxibriefen unterschieden. Die gefüllten Kuverts werden gedreht, geordnet und abgestempelt. Danach erfasst eine Maschine die Adresse - auch die handschriftliche - auf dem Brief und wandelt diese in einen orangenen Strichcode um, der auf den Umschlag gedruckt wird. "Was passiert, wenn die Maschine die Schrift nicht lesen kann?", wollen die Teilnehmer der Führung wissen. "Wenn die Maschine eine Adresse nicht erfassen kann, wird automatisch ein Foto in ein Büro nach Nürnberg geschickt. Dort versucht eine Mitarbeiterin die Anschrift zu entschlüsseln", erklärt die Schichtleiterin.


Erst Strichcodes, dann Kisten

Eine von mehreren Computern gesteuerte Maschine verteilt die bedruckten Briefe dann anhand der Strichcodes in gelbe Kisten. Diese bekommen im nächsten Schritt eine kleine bedruckte Karte zugeordnet, den sogenannten Infoträger. Je nach Auszeichnung werden die Kisten dann automatisch auf einem Rollband zu unterschiedlichen Stationen geleitet, an denen Mitarbeiter sie auf einzelne Wägen stapeln. Auf diesen Wägen befinden sich schließlich jeweils alle Briefe, die in den selben Postleitzahl-Bereich geliefert werden sollen. "Danach führen wir noch mal eine finale Überprüfung der Wägen durch. Es wäre nämlich ungünstig, wenn sich zum Beispiel ein Brief, der nach Hamburg soll, auf einem Wagen nach Berlin befindet", sagt Heinlein.
Im letzten Schritt wird die fertig bearbeitete Post auf Fahrzeuge verladen, mit denen die Briefe dann innerhalb Bambergs verteilt oder zu Briefzentren in anderen Städten gebracht werden.
"Die Menge an Briefsendungen, die gleich am nächsten Tag ankommen, finde ich sehr faszinierend", meint Werner Panzer, der zum ersten Mal im Briefzentrum ist. Schichtleiterin Heinlein erklärt der Gruppe, dass in 95 Prozent der Fälle ein Brief nach nur einem Tag beim Empfänger sei, während extremen Stoßzeiten würden aber auch manchmal Verspätungen vorkommen können. In der Weihnachtzeit beispielsweise würden besonders viele Briefe verschickt werden, sodass die Zustellung teilweise nicht innerhalb eines Tages ablaufen könne.
Die Besucher des Briefzentrums zeigten sich beeindruckt, von den zahlreichen Maschinen und den verschiedenen Arbeitsschritten, die ausgeführt werden. "Bei dieser unglaublichen Menge an Briefen kann man es sich gar nicht vorstellen, dass das früher alles per Hand gemacht wurde", meint Teilnehmer Yannick Panzer. "Die Führung war sehr beeindruckend und interessant. "Ich hab mich schon immer gefragt, wie ein Brief innerhalb von einem Tag von Hamburg nach München kommt und jetzt weiß ich Bescheid", sagt FT-Leser Hans Schug.