bernhard Panzer Es war eine überaus knappe Angelegenheit, und es war ein überraschendes Abstimmungsverhältnis. Ein umstrittener Bauantrag im Herzogenauracher Ortsteil Hammerbach erhielt mit fünf gegen vier Stimmen das grüne Licht im Bauausschuss des Stadtrates. Mit dem SPD-Bürgermeister stimmten die drei Mitglieder der CSU und der Grüne. Die vier Gegenstimmen kamen allesamt aus der Fraktion der SPD.

Der Antrag lag schon einmal auf dem Tisch, und er war damals abgelehnt worden. Jetzt gab es zwar Nachbesserungen, aber trotzdem blieb noch eine ganze Reihe an Befreiungen erforderlich. Und das geplante Gebäude fällt optisch "aus dem Rahmen", wie es Susanne Strater vom Planungsamt der Stadt erläuterte.

Dennoch schlug Bürgermeister German Hacker vor, dem Antrag zuzustimmen, auch wenn es immer noch umstritten sei und man nicht wisse, wie sich das Landratsamt bei der Genehmigung verhält. Aber "für mich ist es verträglich", beschrieb das Stadtoberhaupt seine eigene Haltung. "Ich persönlich kann zustimmen."

Das Problem an der Geschichte liegt darin, dass sich das geplante Einfamilienhaus deutlich von den Vorgaben des Bebauungsplans abhebt. Der aber stammt aus den 70er Jahren. Damals wurden vorwiegend Häuser mit flacher geneigten Dächern gebaut, die eher in die Breite statt Höhe gingen. Auch viele der für diese Zeit typischen Bungalows finden sich in der langen Lenzenbergstraße.

"Heute baut man anders", sagte Hacker. Die Standardhäuser sähen heutzutage, also gut vier Jahrzehnte später, eher so aus wie es der Bauherr vorsieht. Also mit einem Dachgeschoss als Vollgeschoss, mit einem spitzeren Dach (Dachneigung 42 statt der vorgesehenen 30 Grad) und mit einem deutlich höheren Kniestock (62 statt 25 Zentimeter). "Wir sollten die Brille des Jahres 2019 aufsetzen", sagte der Bürgermeister.

Genügend Abstand

Das rund 1400 Quadratmeter große Grundstück ist die letzte Baulücke in dem dortigen Gebiet und soll nach vielen Jahren nun bebaut werden. Erschwert wird das Vorhaben allerdings dadurch, dass die Nachbarn in der Straße alles andere als begeistert sind. An die Verwaltung und auch den Bauausschuss sind die Bedenken in Briefen versandt worden. "Wir durften es auch nicht anders machen" oder "Uns wurden die Änderungen abgelehnt" finden sich dort beispielsweise an Argumenten, wie in der Sitzung vorgetragen wurde.

"Für die, die nicht durften, tut es mir leid", sagte der Bürgermeister. Nichtsdestotrotz habe man jetzt ganz andere Zeiten. Der geplante Baukörper sei verträglich und entspreche eben den heutigen Gegebenheiten.

Freilich gelten laut Hacker die jetzigen Befreiungen dann auch für alle anderen, sollte mal ein Haus abgerissen und neu gebaut oder verändert werden. Hacker sieht sogar eine gewisse Wertsteigerung darin, da ja dann gestalterisch mehr möglich sei.

Für das Bauvorhaben spricht außerdem die Tatsache, dass das Grundstück sehr groß sei und die Abstandsflächen "sowas von eingehalten werden", wie es Susanne Strater formulierte. Im Klartext bedeute das, dass der erforderliche Abstand um das Fünf- bis Sechsfache überschritten wird. Das seien Größenordnungen, wie man sie in ganz Herzogenaurach nicht mehr so vorfinde, meinte die Expertin aus dem Planungsamt. Hacker bekräftigte das: 17 Meter Abstand seien eine Menge.

Prokop: "Eine echte Härte"

In der Diskussion gab es kritische Stimmen, vor allem von der SPD. Peter Prokop wollte durch das steile Dach und eine erheblich andere Höhe als im Umfeld eine "echte Härte" erkennen. Und auch für Siegbert Sendner sind es "zu viele Abweichungen". "Ich hab da ja schon mal dagegen gestimmt." Er schlug vor, dass man da nochmal nachverhandeln sollte, damit der Bau "nachbarfreundlicher" wird.

Gespräche habe es ja gegeben, sagte Bürgermeister Hacker. Unter anderem sei auch eine zusätzlich geplante gewerbliche Nutzung zurückgenommen worden. Auch sonst seien Abstriche gemacht worden.

Für CSU-Stadtrat Konrad Körner handelt es sich um einen "typischen Problemfall der Nachverdichtung". Aber man habe auch anderswo schon mehrere Befreiungen erteilt und da habe es deutlich mehr Konflikte gegeben. Körner bezeichnete den Bebauungsplan "aus heutiger Sicht jenseits von gut und böse".

Die drei CSU-Räte Kurt Zollhöfer, Konrad Körner und Christian Polster schlossen sich dem SPD-Bürgermeister an und stimmten für das Vorhaben. Ablehnend hingegen äußerten sich die Vertreter aus Hackers Fraktion, Renate Schroff, Peter Prokop, Siegbert Sendner und Erich Petratschek.

Als Zünglein an der Waage fungierte Georgios Halkias von den Grünen. Er wollte ursprünglich ebenfalls dagegen stimmen, denn der Bauherr hätte ja mehr in die Breite und nicht in die Höhe bauen können. Umgestimmt habe ihn aber ein Zwischenruf des Werbers, der in der Sitzung zugegen war. Hunderttausend Euro mehr würde das nämlich kosten. Das solle man einer jungen Familie nicht zumuten, meinte Halkias.