Die Gewölbekeller von Prügel unweit der ehemaligen Gastwirtschaft in der Ortsstraße "Am Gutshof" bereiten der Gemeinde weiterhin Sorgen. "Der Spalt in der Platte am Eingangsbereich ist wieder größer geworden", berichtete Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) am Dienstagabend im Bauausschuss.
Das Tempolimit von 30 Stundenkilometern und die Tonnagebeschränkung, die vor zwei Jahren für ein paar Wochen gegolten hatten, müssen wieder eingeführt werden. Das hat das Bergamt Nordbayern mit Sitz in Bayreuth angeordnet. Diesmal gilt die Beschränkung sogar für Fahrzeuge ab einem Gewicht von 3,5 Tonnen, vor zwei Jahren waren es zwölf Tonnen gewesen. "Ab dem Erlass der verkehrsrechtlichen Anordnung, sprich sobald die Schilder stehen, gelten die beiden Einschränkungen", erläuterte Gerd Hofmann von der Bauverwaltung. Um kein Risiko einzugehen und einem nicht auszuschließenden Einsturz der Ortsdurchfahrt vorzubeugen, hatte man 2016 die Verkehrsbeschränkungen erlassen. Als dann von einer Fachfirma ein Stahlträger in die maroden Gewölbekeller eingezogen worden war, um die Decke zu stabilisieren, hatte man gedacht, die Angelegenheit sei erledigt.


Kein "Prügeler Kellerkabarett"

Aus dem Gewölbekeller wollte man sogar einen Hort der Kultur machen, der Besucher aus nah und fern anlockt. Doch bekanntlich soll man den Tag nicht vor dem Abend loben. Das "Prügeler Kellerkabarett" am 29. August und 1. September kann nicht in dem maroden Keller stattfinden. Die Volkshochschule Lichtenfels, die Akteure der Zeitreise sowie die Garten- und Naturfreunde Prügel laden deshalb in einen anderen Prügeler Keller zu einer abenteuerlichen Höhlentour, einer spektakulären Lösegeldübergabe und lustigen bis gruseligen Begegnungen in der Unterwelt ein. "Das Bergamt hat ein Betretungsverbot erlassen", begründete der Bürgermeister die Absage. "Es besteht die Gefahr einer massiven Steinfallgefährdung, und auch die Standsicherheit ist massiv bedroht", heißt es in einem Schreiben der Behörde an die Gemeinde.
Die Tonnagebeschränkung gilt nicht nur für Lkw und landwirtschaftliche Fahrzeuge, sondern auch für den Schulbus. "Die Kinder müssen wieder außerhalb des Dorfes in den Schulbus einsteigen", teilte der Bürgermeister mit. Zudem trug das Bergamt der Gemeinde auf, bis zum 15. November ein Sicherungskonzept für die Stollenanlage vorzulegen. Nach Ansicht des Amtes bestünden die tragenden Überdeckungen des Kellers aus mürben Sandsteinschichten. Bedingt durch den Mangel an flächenmäßig ausreichend tragfähigen Deckschichten seien weder der alte Steinpfeiler noch die neue Stahlstütze geeignet, die Decke zu tragen.
Hümmer brachte eine Verfüllung mit Spritzbeton ins Gespräch. "Das ist der sichere Tod für den Keller", widersprach ihm Ludwig Winkler von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO). Winkler erinnerte daran, dass Bernhard Häcke, Archäologe und Geologe vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, vor zwei Jahren vor einer Verfüllung des Kellers gewarnt habe. Einen mit Zement verfüllten Gewölbekeller hatte der Experte mit einem Bad verglichen. "Nach dem Duschen sollte man lüften, andernfalls droht Schimmelbildung. Bei einem unterirdischen Hohlraum führt mangelnde Luftzirkulation dazu, dass die Luftfeuchtigkeit in den Gesteinskörper eindringt und sich festsetzt." Mit fatalen Folgen: "Es kommt zu einer Kettenreaktion. Die Bindemittel im Burgsandstein lösen sich auf und es kommt zum Einsturz." Aus diesem Grund hatte man sich damals gegen eine Verfüllung und für eine Stabilisierung mittels Stahlträger entschieden. Die Tonnagebeschränkung wird nach Einschätzung Winklers zu einer Belastung des Nachbarortes Baiersdorf führen, weil der Schwerlastverkehr nach dorthin ausweichen werde.