Bevor Matthias Emmer vom Vorstand des Diakonischen Werks über den Kindergarten der Begegnung sprechen möchte, stellt er klar: "Inklusion ist ein anzustrebender Idealzustand - dort wo sie passt." Nicht für alle Menschen mit Förderbedarf sei sie aber die optimale Form der Unterstützung. "Wir brauchen darüber hinaus auch die Förderzentren wie zum Beispiel die Werkstätten der Wefa, die Mauritiusschule oder die Schule am Hofgarten."
Nicht überall funktioniere das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung oder sozial-emotionalen Verhaltensauffälligkeiten problemlos beziehungsweise um jeden Preis - weder in der Bildung noch am Arbeitsmarkt. Und um Inklusion so umsetzen zu können, dass sie für alle gewinnbringend wird, brauche es gute Konzepte, Zeit und auch Geld.
Der einstige Kindergarten der Begegnung, den die Diakonie in ihrem Zentrum (DSZ) in der Leopoldstraße bis zum Verkauf der Immobilie betrieb, sei eine Chance gewesen, Inklusion bereits im Vorschulalter zu praktizieren. Die Gruppe bestand aus zehn Kindern ohne Förderbedarf und aus fünf, die zur Heilpädagogischen Tagesstätte für Vorschulkinder gehörten. Die Finanzierung dieser fünf Plätze hatte der Bezirk Oberfranken übernommen.


Erklärungsbedarf

"Hier wurde immer wieder kritisch nachgefragt. Der Bezirk hat uns wiederholt darauf hingewiesen, dass wir doch eigentlich eine integrative Kindergartengruppe betreiben. Dafür wäre dann, wie für die regulären Gruppen, die Kommune der Kostenträger", erläutert Matthias Emmer. Nach dem Verkauf der DSZ-Immobilie in der Leopoldstraße und dem Umzug nach Eicha in den dort leer stehenden Kindergarten musste eine neue Betriebserlaubnis abgeschlossen werden. Der Bezirk sei mit dem bisherigen Konstrukt des Kindergartens nicht mehr einverstanden gewesen. Für den Transport nach Eicha musste ein Fahrdienst eingerichtet werden, denn es sind Stadtkinder, die betreut werden. Irgendwann sollte die Einrichtung deshalb wieder nach Coburg zurückkehren. "Wir haben Gespräche mit der Stadt geführt", sagt Emmer. Aber neue Plätze zu schaffen, sei nicht ohne Weiteres möglich.
Parallel entschloss sich der Verwaltungsrat des Diakonischen Werks, die Kindertagesstätte Augustenstift zurückzuholen. "Die Kinder der Heilpädagogischen Tagesstätte können wir dort aber nicht mit unterbringen. Sie zusammen mit so vielen anderen Kindern zu betreuen, ist schlicht nicht machbar, sie wären überfordert. Dazu brauchen wir kleine Gruppen."


Status quo ändern

Nun bleiben die Kinder mit Förderbedarf erst einmal in Eicha und werden dort betreut. Doch Emmer will nicht aufgeben. "Ich bedaure es, dass wir den Kindergarten der Begegnung erst einmal nicht fortführen können. Wir brauchen ein neues Konzept."
Aber wie bisher zu arbeiten, sei unmöglich. "Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Heilpädagogische Tagesstätte und eine reguläre Gruppe nebeneinander existieren, die Kinder auch zusammen spielen und ein Wechsel von einer in die andere Gruppe unbürokratisch möglich ist." Ideen, wo in Coburg so eine Einrichtung installiert werden könnte, gebe es schon. ren