Sie hat nadelartige Blätter, die - mit den Fingern zerrieben - einen einzigartigen würzigen Duft verbreiten: Die typischste Pflanze für die Vegetation des Frankenwalds ist der Bärwurz. Die krautige Pflanze mit ihren weißen oder gelblich-weißen Kronblättern ist in solch großer Zahl nur auf vielen Rainen und Säumen unserer Heimat verbreitet. Den langfristigen Erhalt beziehungsweise die Förderung des deutschlandweit einmaligen Gebiets mit Bärwurzwiesen und Feuchtgebieten hat sich das neue Naturschutzprojekt des Biotopverbunds "BayernNetzNatur" (BNN) auf die Fahnen geschrieben. Hierzu zählt auch ein entsprechender Erwerb von Grundstücken.
Vor der LPV-Mitgliederversammlung im Steinbacher Freizeit- und Tourismuszentrum konnten sich am Montagnachmittag interessierte Mitglieder aus den Landkreis-Kommunen bei einer Exkursion selbst ein Bild vom erhaltenswerten Lebensraum für Tiere und Pflanzen machen. Die Wanderung führte durch einen seit 1991 als geschützten Landschaftsbestandteil ausgewiesen Wiesengrund im "Dammbach"-Tal, oberhalb von Haßlach bei Teuschnitz. Hier befindet sich eine Ökofläche im Eigentum des Landkreises Kronach (Wiesenbereiche) beziehungsweise des LPV Frankenwald (ehemalige Fichtenforste).
Geleitet wurde die Exkursion von der Verantwortlichen des Projekts "Bärwurzwiesen und Feuchtflächen im nördlichen Frankenwald", Christine Neubauer. Ziel des vom 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2020 angelegten Projekts ist der Schutz wertvoller Grünlandbereiche mit ihrer Artenvielfalt in der gewachsenen Geländeflur.
Man rechnet mit Gesamtkosten von 431 000 Euro, aufgeteilt in Grunderwerb/Pachtkosten über 200 000 Euro, Erfolgskontrolle und Öffentlichkeitsarbeit über jeweils 30 000 Euro, Personalkosten über 150 000 Euro sowie Sachkosten über 21 000 Euro. Die Förderung durch Umweltministerium bzw. Naturschutzfonds liegt bei 85 Prozent und damit 366 350 Euro. Die restlichen 64 650 Euro tragen zur Hälfte der Landkreis und die fünf teilnehmenden Gemeinden Tettau, Ludwigsstadt, Steinbach am Wald, Teuschnitz und Tschirn, jeweils 6465 Euro.
Die aus naturschutzfachlicher Sicht festgelegten Zielflächen betragen 32,34 Hektar. Diese Größenordnung stieß Erwin Schwarz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), sauer auf: "Am Anfang war die Rede von zehn bis zwölf Hektar, jetzt sind es 32 Hektar." Die Umwandlung wertvollen Ackerlands in Grünland könne er nicht nachvollziehen, da es im Landkreis genügend brachliegende Wiesentäler gebe. "Von Waldankauf war niemals die Rede", ärgerte er sich. Durch derartige Maßnahmen beschränke man sich selber, indem man zum Schluss keine Ausgleichsflächen mehr für den Straßenbau habe. LPV-Vorsitzender, Landrat Klaus Löffler zeigte Verständnis. Vollerwerbslandwirte seien bisweilen auf Zupachtung von Flächen angewiesen. "Das ist schon ein Eingriff in den Markt", räumte er ein und sicherte zu, solche hohen Änderungen zukünftig zu vermeiden bzw. vorher abzustimmen.
Tettaus Bürgermeister Peter Ebertsch betonte, dass es sich bei der in seiner Gemeinde zur Umsetzung kommenden Fläche um wertlosen Wald handele und man froh über die Neunutzung sei. "Das ist doch Sache des Eigentümers", meinte Steinbachs 2. Bürgermeisterin Monika Barnickel. Laut Christine Neubauer gibt es keine favorisierten Flächen. Dies bleibe jedem Eigentümer selbst überlassen.
Heike Schülein