Christoph hägele

Wer bei Bamberg an Kunst denkt, der denkt an das Porzellan der Sammlung Ludwig oder an die Cranachs im Historischen Museum. Mit zeitgenössischer Kunst in Verbindung bringen dürften Bamberg hingegen nur die wenigsten, allen Verdiensten nicht nur des Kesselhauses zum Trotz. "Ich höre das immer wieder, dass ein zeitgenössisches Museum in Bamberg einfach fehlt", sagt Matthias Löffelmann.
Wenn es nach dem Bamberger Kunsthistoriker geht, gehören derlei Klagen schon bald der Vergangenheit an. Seit drei Jahren bemüht sich Löffelmann gemeinsam mit dem Bamberger Kunstprofessor Wolfgang Brassat darum, die renommierte Münchner Kunstsammlung Goetz nach Bamberg zu lotsen.
Eine Bamberger Dependance der Kunstsammlung Goetz: Was anfangs wie eine kühne Vision klang, nähert sich schrittweise der Realität. Das Interesse der Kunstsammlerin Ingvild Goetz gilt als verbürgt. Und auch OB Andreas Starke (SPD) kann den Plänen der beiden Kunsthistoriker inzwischen einiges abgewinnen: "Die Kunstsammlung wäre ein Gewinn für die Stadt."


Teil einer "Charmeoffensive"

Am Freitag besuchten Starke, Brassat und Löffelmann mit neun Stadträten, Bürgermeister Wolfgang Metzner (SPD) sowie ortsansässigen Künstlern wie Christiane Toewe und Gerhard Schlötzer das vor den Toren Münchens gelegene Privatmuseum von Ingvild Goetz.
Die Aufwartung der Bamberger war Teil einer in den Worten Starkes "Charmeoffensive", um Goetz von der Ernsthaftigkeit des Bamberger Interesses zu überzeugen. Über die Intensität, mit der sich die 77-Jährige ihrerseits den Bambergern verpflichtet fühlt, gehen die Ansichten auseinander. Starke sprach am Freitag von einer "aufgeschlossenen Haltung". Für Löffelmann und Brassat dagegen steht fest: "Frau Goetz will unbedingt nach Bamberg."


Im Konkreten unverbindlich

Die Kunstsammlerin selbst erklärte sich am Freitag nicht, sie befand sich im Sommerurlaub. Ihre Direktorin gab sich im Grundsätzlichen zugewandt, im Konkreten aber unverbindlich: "Natürlich wäre eine Dependance in Bamberg vorstellbar", sagte Katharina Vossenkuhl.
Im Herbst will Hauptkurator Karsten Löckemann dem Bamberger Stadtrat die Vorstellungen der Sammlung Goetz näher erläutern. Dann könnte auch darüber gesprochen werden, welche Exponate konkret Ingvild Goetz in Bamberg ausgestellt sehen möchte.
Der 77-Jährigen dürfte daran gelegen sein, größere Teile ihrer Sammlung als bisher der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Stadt Bamberg könnte ihrerseits ihr kulturelles Portfolio erweitern und damit auch für Gäste interessant werden, die bislang wenig Anlass für einen Besuch der Domstadt sahen. "Die gesamte Bamberger Kunst-Szene würde davon profitieren", glaubt Christine Toewe.
Dass der Name "Goetz" und die mit ihm verbundenen Künstler wie Cindy Sherman, Wolfgang Tillmans oder Andreas Gursky große Strahlkraft besitzen, war in der Bamberger Reisegruppe Konsens. Nur Gerhard Seitz (CSU) sprach aus, was seine Ratskollegen entweder anders sahen - oder für sich behielten: "Wären Klassiker der Moderne nicht besser?"
Mit ihrer Sammlung nach Bamberg kommen wird Ingvild Goetz nur zur ihren eigenen Bedingungen. Überlegungen, die Dependance in der Reithalle des Lagarde-Geländes zu eröffnen, hat die 77-Jährige bereits eine Absage erteilt. "Sie kann sich für ihre Dependance nur die Innenstadt vorstellen", sagt Starke.


"Kultur ist Luxus"

Am Schloss Geyerswörth dagegen hat Goetz bei ihrem Besuch im April Gefallen gefunden. Hier könnte sie sich ihre Dependance vorstellen.
Vor dem Ja der Sammlerin stünde die Zusicherung einer umfassenden Sanierung. Als günstig erweist sich für die Stadt, dass sie das Schloss ohnehin sanieren wird. Bislang war geplant, dort Teile der Verwaltung unterzubringen. "Vielleicht müssen wir neu überlegen", sagte Starke. Sowohl im Rat als auch in der Stadtgesellschaft rechnet der OB mit viel Für, aber auch einigem Wider in der Debatte um ein neues Museum.
Einen ablehnenden Argumentationsstrang entfaltete Stadtrat Andreas Triffo (BBB) noch in den Räumen der Sammlung Goetz. "Kultur ist Luxus. Erst einmal muss die Stadt ihrer Hausaufgaben bei der Sanierung von Schulen machen."
Den derzeit noch nicht seriös bezifferbaren finanziellen Aufwand muss die Stadt in Relation setzen mit der Erwartung einer künstlerischen und touristischen Aufwertung. Die Debatte ist eröffnet, der Austausch der Argumente kann beginnen.