sabine christofzik

Ebrach — Es könnte ja sein, dass eine kleine Prinzessin inmitten ihrer mit rosa Krönchen verzierten Möbel mal einen Wutanfall bekommt. "Da kann ein Kind ruhig reinbeißen", sagt Toni Schindler. "Alles speichelecht und ohne Schadstoffe." Das gilt nicht nur für die mit speziellen Farben, Naturwachs und pflanzlichen Ölen behandelten Oberflächen der Silenta-Kinderzimmer-Einrichtungen, sondern auch für das Kiefernholz, aus dem sie gefertigt sind.
"Jeder unserer Schnittholz-Lieferanten - Sägewerke aus der näheren Umgebung - kann uns genau sagen, in welchem Wald sie das Stammholz erworben haben. Alles stammt aus der Region und aus zertifizierter, nachhaltiger Waldwirtschaft. Nichts muss von weit her herangeschafft werden."


Ohne Transporttourismus

Für die Bio-Kindermöbel kommt das Rohmaterial ganz aus der Nähe, dem Naturpark Steigerwald. Die fertigen Produkte dagegen machen umso weitere Reisen. In ganz Deutschland und darüber hinaus werden sie vertrieben: im eigenen Online-Shop, über den Fachhandel und über Versandhäuser. Außerdem gibt es in Ebrach einen Werksverkauf.
"Mit Versendern haben wir schon immer zusammengearbeitet", sagt Heidrun Schindler-Schaller. "Wenn die Kunden-Bestellung dort eingeht, kommt der Auftrag online zu uns. Wir verschicken von Ebrach aus die Bestellung direkt zum Kunden des Versenders."
Direkt an der Ortsdurchfahrt steht das Gebäude, in dem unten die Büroräume und im ersten Stock die Ausstellung untergebracht sind. Die Fertigungshallen befinden sich weiter zurückgesetzt auf dem Firmengelände, kaum sichtbar von der B 22 aus.
Es stand schon ein kleines Sägewerk da, als der Fürther Unternehmer Wilhelm Schaller 1926 begann, hier Bilderleisten zu produzieren. Von Fürth nach Ebrach transportierte noch der Schwiegervater von Toni Schindler mit dem Reitpferd Geld, um die Wochenlöhne auszuzahlen. Verschickt wurde damals die gesamte Produktion noch mit der Eisenbahn.
Ab 1950 hat sich die Firma auf die Herstellung von Gardinenleisten und Gardinenstangen spezialisiert; viele Neuheiten wurden entwickelt und patentiert. Gardinentechnik wird auch heute gefertigt. Doch 1980 haben Heidrun Schindler-Schaller und Toni Schindler in fünfter Unternehmergeneration "Silenta" ganz neu ausgerichtet: Ab da wurden auch Kinder- und Jugendmöbel in Bio-Qualität aus heimischem Kiefernholz gefertigt.


Hart und robust

Die Kiefer, die im rauen Steigerwald-Klima nur langsam wächst, hat deshalb engere Jahresringe und ist härter und stabiler als importiertes Pinienholz aus wärmeren Regionen. "Wir arbeiten ausschließlich mit diesem sehr hochwertigen Massivholz. Nichts in unserem Programm besteht aus Spanplatte, Hartfaserplatte oder Tropenholz. Auch nicht aus qualitativ schlechterem, mit Furnier oder Folie überklebtem Holz", versichert Toni Schindler.
Der gelernte Schreiner, der als Orgelbauer gearbeitet und ein Ingenieur-Studium abgeschlossen hat, ist es, der die Möbel entwirft. Etagenbetten mit Ritterburg-Zinnen, Hochbetten mit breiten Sicherheitstreppen und Geländer oder integrierter Kasperltheater-Bühne: "Was ich als Kind nicht haben konnte, mache ich jetzt für andere Kinder."
"Wer bei uns arbeitet, muss Gefühl und Liebe für den Werkstoff Holz mitbringen", sagt Schindler. "Wir haben sehr viele langjährige Mitarbeiter. Die Frauen, die in Teilzeit in der Produktion beschäftigt sind, organisieren in Absprache miteinander ihre Arbeitszeiten flexibel."
Was es bei Silenta in Ebrach nicht gibt, ist ein Lager, in dem fertig verpackte Möbel in großer Stückzahl auf die Auslieferung warten.
Heidrun Schindler-Schaller: "Jedes Möbelstück wird vor der Auslieferung aus den fertig lagernden Einzelteilen individuell zusammensortiert. Dabei wird geprüft, ob die Teile in Farbe und Holzstruktur zusammenpassen. Schon bei der Entwicklung einer neuen Verpackung achten wir darauf, dass die einzelnen Kartons von einer Person zu tragen sind und in einem Pkw transportiert werden können."


Zwölf Prozent Holzfeuchte

Auch das für die Fertigung auf Bestellung passend geschnittene Holz wird nicht in der Manufaktur gelagert, sondern bei den Sägewerken. Dort sorgen Sonne und Wind für eine natürliche Trocknung.
"Erst, wenn wir es abrufen, kommt es in Ebrach in unsere Trockenkammern. Dort wird es künstlich mit Dampf auf etwa zwölf Prozent Holzfeuchte getrocknet, bevor es verarbeitet wird", erläutert Toni Schindler.
Der Dampf für die Trockenkammern wird nicht unter Einsatz von Strom und Heizöl, sondern durch die Verbrennung von eigenen Sägespänen, Hobelspänen und Kiefernholzabfällen erzeugt.