Seit über zehn Jahren wird ein Nationalpark Steigerwald diskutiert. Seine Einrichtung wird von der Bevölkerung in der Steigerwaldregion mit deutlicher Mehrheit unterstützt, meint man auf Seiten des Bundes Naturschutz (BN). Trotzdem weigere sich der Staatsforst, die Wälder bei Ebrach entsprechend zu schützen, auch nicht durch ein deutlich kleineres flächiges Schutzgebiet. Somit drohe vielen dicken Buchen Zug um Zug die Fällung. "Wir haben als Bund Naturschutz jetzt die Regierung von Oberfranken angeschrieben und ein nutzungsfreies Naturschutzgebiet bei Ebrach beantragt", so Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BN in Bayern, in einer Pressemitteilung des Umweltschutzverbandes.


Ein Gradmesser

Das Naturschutzgebiet soll laut BN in Zielsetzung und Abgrenzung dem vormaligen Geschützten Landschaftsbestandteil "Hoher Buchener Wald" entsprechen, das nur aus formalen Gründen aufgehoben worden und dessen Schutzwürdigkeit aber vielfach anerkannt sei. "Mit unserem Vorschlag wäre eine Weltnaturerbe-Bewerbung möglich, was auch vom regionalen Dialogprozess Steigerwald unterstützt wird", wird Richard Mergner, BN-Landesbeauftragter, zitiert. "Wir werten den Umgang mit unserem Vorschlag als Gradmesser für die Glaubwürdigkeit der neuen Staatsregierung unter Ministerpräsident Markus Söder, ob es im Waldnaturschutz Fortschritte gibt oder ob auch im Staatswald weiterhin der Holznutzung klarer Vorrang eingeräumt wird", so Weiger.
Der Bund Naturschutz beantragt bei der Regierung von Oberfranken als Höhere Naturschutzbehörde die Ausweisung der wertvollen Buchenwaldflächen bei Ebrach als nutzungsfreies Naturschutzgebiet nach § 23 BNatSchG mit den Zielsetzungen des ehemaligen geschützten Landschaftsbestandteils "Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst". Die Grenzen des Naturschutzgebiets sollen sich am aufgehobenen geschützten Landschaftsbestandteil orientieren. Das Hauptziel für das Naturschutzgebiet sei es, die für den Steigerwald typischen Buchenwälder und Laubwälder mit allen Altersphasen ohne Holznutzung zu erhalten und in einen naturnahen und unversehrten Zustand zu entwickeln. Damit sollen langfristig die standorttypischen Tier-, Pilz- und Pflanzenarten in überlebensfähigen Populationen erhalten werden, insbesondere diejenigen, die an Alt- und Totholz gebunden sind.


Schutzwürdigkeit bestätigt

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes zum "Hohen Buchenen Wald im Ebracher Forst" bedeutet laut Bund Naturschutz lediglich, dass der "Geschützte Landschaftsbestandteil nach § 29 BNatSchG" nach Ansicht des Gerichtes aus formalen Gründen nicht die geeignete Schutzkategorie darstellt. Die Schutzwürdigkeit der Waldgebiete um Ebrach hingegen sei in den Verfahren ausdrücklich von der Gerichtsbarkeit bestätigt worden. Bei der Kartierung von Starkbuchen durch den BN und den WWF seien im vergangenen Jahr mehr als 7600 Starkbäume mit einem Brusthöhendurchmesser über 60 cm auf der Fläche nachgewiesen worden. Dieses aktuelle Ergebnis belege zusätzlich die nationale und internationale Bedeutung des ehemaligen geschützten Landschaftsbestandteils und des Nordsteigerwaldes, die bereits von mehreren Gutachten bestätigt worden seien.
Auf der Grundlage dieser nutzungsfreien Schutzgebietskulisse "Ebracher Klosterwald" will der BN nun eine Bewerbung als Weltnaturerbe anstreben. Diese sei als Erweiterung der bestehenden Weltnaturerbestätte "Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas" möglich.


Nutzungsverzicht nötig

Um diese Ziele zu verwirklichen, ist laut Bund Naturschutz ein flächiger Nutzungsverzicht notwendig, den weder die praktizierte forstliche Nutzung, weder die bestehenden kleinst- und kleinflächigen, oft auch nicht dauerhaft nutzungsfreien Waldbereiche noch die bestehenden Natura-2000-Gebiete garantieren würden, "sondern sogar verhindern!"
Im ehemaligen geschützten Landschaftsbestandteil wurden nach BN-Angaben im Frühjahr 2018 bereits großflächig in älteren Buchen-Traubeneichen-Beständen zahlreiche dicke Buchen neu zur Fällung markiert, was die Bayerischen Staatsforsten als vorsichtigen und schrittweisen Wiedereinstieg in eine nachhaltigen Nutzung angekündigt hätten. Die praktizierte Holznutzung im Steigerwald werde von den Einheimischen und selbst von Nationalparkkritikern kritisiert. Deshalb beantragt der Bund Naturschutz sofortige einstweilige Sicherstellung nach § 22 BNatSchG, da zu befürchten sei, dass durch Holzeinschlag der beabsichtigte Schutzzweck gefährdet sei. "Es besteht also ein akuter Handlungsbedarf und eine fachliche Notwendigkeit, ein nutzungsfreies Naturschutzgebiet auszuweisen, um die durch den Einschlag gefährdete natürliche Waldentwicklung im Hohen Buchenen Wald zu sichern", fasst die Pressemitteilung des BN zusammen. red