"Manchmal wäre ein bisschen mehr Freizeit schon ganz cool", gesteht Elias Baggette. "Aber Basketball macht mir nun mal Spaß, und es ist für mich ja keine Strafe, so viel zu trainieren." Der 17-Jährige ist einer jener talentierten Nachwuchs-Basketballer im Programm des Erstligisten Brose Bamberg, die im Gegensatz zu seinen Altersgenossen kein "normales" Teenagerleben führen: Sechs Tage in der Woche, inklusive Spiele am Wochenende für den ProB-Ligisten Baunach Young Pikes und das Team Brose Bamberg/Tröster Breitengüßbach in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL), steht der gebürtige Berliner in der Basketballhalle. Lediglich ein Tag verbleibt für Freizeitaktivitäten und das "Chillen" mit Freunden. Und selbst dieser ist mitunter kein kompletter Relax-Tag. "Wenn ich am Montag trainingsfrei habe, weil ich am Samstag und Sonntag im Einsatz war, habe ich wegen der Schule weniger Zeit für andere Dinge", sagt Baggette. Aber das gehe schon in Ordnung, schließlich habe er sich diesen Weg ausgesucht.

In U16-Auswahl berufen

Im Alter von sechs Jahren entdeckt Baggette seine Liebe zum orange-farbigen Leder und lernt bei der Interkulturellen Sportakademie Schöneberg das Basketball-Einmaleins. Später wechselt er in die ehemalige Kaderschmiede des TuS Lichterfelde, mit der die Sportakademie kooperiert. Schon früh kristallisiert sich heraus, über welches Potenzial Baggette verfügt. Als Leistungsträger seiner Mannschaft wird er von Ex-Nationalspieler Patrick Femerling, dem Cheftrainer für die U16-Nationalmannschaft, in das Auswahl-Team des Deutschen Basketball-Bundes berufen.

Die Entwicklung, die der Point Guard hinlegt, wecken Begehrlichkeiten der Topklubs. Im Juli 2018 folgt der nächste logische Schritt: Baggette wird in das Nachwuchsprogramm des neunmaligen nationalen Titelträgers Brose Bamberg aufgenommen - nachdem er zuvor in der Jugend-Basketball-Bundesliga (JBBL) eine überragende Saison gespielt hat. Durchschnittlich 25,2 Punkte, 5,6 Assists und 5,2 Rebounds sind Ausweis seiner Allround-Qualitäten. Sein heutiger ProB-Trainer in Baunach, Mario Dugandzic, wird später sagen, dass Baggette ein "gutes Gefühl für das Spiel und die richtige Einstellung" mitbringt.

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Ziel: Euroleague, vielleicht NBA

Am Anfang war es der Spaß, der mich angetrieben hat", erinnert sich Baggette. "Später habe ich dann gemerkt, dass man mit Basketball weit kommen und daraus einen Beruf machen kann. Also habe ich intensiver trainiert - aber immer mit Spaß und Freude." Sein Ziel sei die Euroleague, vielleicht die NBA, gibt der Teenager zu Protokoll. Die Frage, ob er ein Vorbild hat, verneint Baggette: "Es gibt zahlreiche Spieler, von denen ich mir etwas abgucken kann." Und weiter: "Ich mag die kleinen, schnellen Spieler." Zu denen gehört Facundo Campazzo, der wieselflinke und unberechenbare Aufbauspieler von Vize-Weltmeister Argentinien. Campazzo, sagt Baggette, finde er gut.

An seine Premiere im Seniorenbereich kann sich der Gymnasiast ("Sport und Englisch liegen mir, Physik und Mathe sind nicht unbedingt mein Ding") noch gut erinnern. "Am Anfang bin ich nicht so zurechtgekommen. Alles war physischer und intensiver", bekennt der "Viel-Spieler", der Mitte Dezember am Nominierungs-Lehrgang der U18-Nationalmannschaft in Heidelberg teilnimmt. Aber dann sei es mit der Physis immer besser geworden.

ProA-Premiere gegen Hamburg

Seine ProA-Premiere feierte Baggette in der vergangenen Saison gegen den späteren Erstliga-Aufsteiger Hamburg Towers. Auf dem Scoutingbogen werden an diesem 22. September 2018 hernach zwei Punkte, zwei Assists und eine Spielzeit von 18 Minuten notiert sein: Gleichwohl kommt das Bamberger Farm-Team mit 66:109 mächtig unter die Räder. Und da die Trendwende ausbleibt, endet die Spielzeit 2018/2019 für die Baunacher mit dem Abstieg in die ProB.

Für Baggette nicht unbedingt ein Nachteil, denn eine Klasse tiefer steht der 17-Jährige derzeit in jeder Partie auf dem Parkett, kommt im Schnitt auf 25 Minuten Einsatzzeit und erzielt 8,3 Punkte. In der NBBL hat er dagegen erst drei Begegnungen absolviert; auch die Teilnahme am Teamtraining fällt deutlich reduzierter aus: Das Verhältnis von NBBL- und ProB-Training lautet 1:4.

Obwohl das Leben von Baggette straff durchorganisiert ist, die Sportart den Takt vorgibt und er weit entfernt von seinen Eltern wohnt ("Zu Beginn war das schon ungewohnt, nicht mehr zuhause zu sein; aber ich bin im Internat sehr gut aufgenommen worden"), verschwendet das Aufbau-Talent keinen Gedanken daran, wie es wäre, ohne Basketball auszukommen. "Basketball", sagt der 17-Jährige, "macht mir nun mal einfach viel zu viel Spaß".