siegfried sesselmann

Hingen umliegende Dörfer jahrzehntelang hinterher, so kam bereits 1833 ein seminaristisch ausgebildeter Lehrer namens Georg Pöhl nach Triebenreuth. Der Lehrer Johann Filbig lehrte die Kinder von 1837 bis 1865 die Grundkenntnisse für ihr Leben. 1865 trat Johann Tittel seine Stelle in Triebenreuth an. 1871 wurde im Garten des Bauern Adam Haueis ein Schulhaus gebaut. Zum Schulsprengel gehörten damals neben Triebenreuth Schwärzleinsdorf, die Gemeinde Wildenstein mit Neumühle und Waffenhammer.


Eine Idylle

Im Jahre 1884 beschreibt der Lehrer Jakob Lauer, er habe "20 Knaben und 25 Mädchen". Auch 1913 wird eine Idylle mit 27 Schülern beschrieben, die anderenorts nicht anzutreffen war. Hatte zur gleichen Zeit der Lehrer in Traindorf 89 Schüler und ein anderer Lehrer in Weidmes 82, so schien hier die Bildung der Kinder gut für die Zukunft gesichert zu sein.
Doch dann sollte sich diese Idylle ändern. Überall in Bayern drängte 1966 der damalige Ministerpräsident Alfons Goppel darauf, die notwendige Landschulreform durchzusetzen. Die Landschulen wurden zu größeren Schulverbänden zusammengefasst. Der Gemeinderat von Triebenreuth gab 1967 seine Zustimmung zum "Schulversuch" - so nannte man die Auflösungen damals - allerdings nur unter der Bedingung, dass alle Kosten, die dadurch auf die Gemeinde zukommen, vom Staat übernommen werden. Die Entscheidung der Regierung kam am 24. Juli, direkt vor den Sommerferien. Schon das war für die Triebenreuther ein Zeichen, dass man "überfahren" werden sollte. Zum Schulversuch gehörten neben Triebenreuth die Gemeinden Untersteinach, Guttenberg und Weidmes.
Der Triebenreuther Bürgermeister Johann Döring führte immer wieder die finanzielle Belastung in die Diskussion. Die Schulmöbel waren erst vor zwei Jahren gekauft worden, der Winterdienst müsse immer gewährleistet sein. Ferner wies der Bürgermeister darauf hin, dass Untersteinach in etwa zwei Jahren einen neuen Trakt an das Schulhaus anbauen wolle. Diese Kosten von rund zwei Millionen Mark würden dann anteilsmäßig auf die vier beteiligten Gemeinden umgelegt.
Das Schuljahr 1967/68 begann, wie zu erwarten war, mit dem Widerstand der Eltern. Nur drei von 25 Schüler stiegen in den fahrplanmäßigen, viel zu kleinen Schulbus ein, der die Schüler der Klassen 1 bis 5 nach Guttenberg fahren sollte und die Hauptschüler weiter nach Untersteinach. Drei weitere Schüler aus Schwärzleinsdorf stiegen in den Bus. Die Schüler standen in Triebenreuth mit Protestschildern vor dem Schulhaus, doch ihr beliebter Lehrer Alois Harbauer, der später an der Realschule Kulmbach unterrichtete, durfte nicht mehr kommen.
Mittlerweile waren auch der zuständige Schulrat Karl Hundt, der Regierungsschulrat Ludwig Kremer, Dekan Alois Kappauf aus Stadtsteinach, Landrat Hans Köstner und Verwaltungsjuristen aktiv. "Die Eltern hätten keine schwerwiegende Argumente" und der Schulversuch "sei im Interesse der ordnungsgemäßen und bestmöglichen Unterrichtung der schulpflichtigen Kinder". Eine einklassige Schule widerspreche den Bestimmungen.


Sonderseite in der BR

Am 8. September füllte der "Schulstreik" eine komplette Seite in der Bayerischen Rundschau: Bilder des zu kleinen 9-Sitzer VW-Busses, Kinder alleine im Klassenzimmer in Triebenreuth, Mütter mit Transparenten und Protestschildern vor der Schule. Am Tag danach versuchte Schulrat Karl Hundt,bei regnerischem Wetter in einer rund zweistündigen Diskussion vor dem Schulhaus, die Eltern zu überzeugen - er musste ergebnislos in sein Amt nach Stadtsteinach zurückfahren.
Nach einem weiteren Gespräch drohte Karl Hundt mit allen rechtlichen Konsequenzen, und so konnte die Zeitung am Dienstag darauf melden, "Triebenreuther Schulstreik ist beendet."


Weitere Auflösungen

Doch diese Schullösung hielt nur kurze Zeit. Auch die Schulen in Ludwigschorgast und Kupferberg wurden in Schulversuchen aufgelöst. Ab 1971 mussten alle Hauptschüler von Guttenberg, Kupferberg, Ludwigschorgast und Weidmes nach Untersteinach. Die Schüler aus Triebenreuth und Schwärzleinsdorf fuhren alle nach Stadtsteinach, denn die früher selbstständige Gemeinde Triebenreuth wurde aufgelöst und am 1. April 1971 nach Stadtsteinach eingemeindet.