Eine erfreulich große Resonanz erfuhr das Nachmittagsprogramm des Landkreises, das die Kreisheimatpflege - wie berichtet - zum Denkmaltag im Europäischen Kulturerbejahr 2018 in Steinbach am Wald durchführte. Das bundesweite Tagesmotto "Entdecken, was uns verbindet" wurde vor Ort bekräftigt durch die berühmte Zeile aus Victor von Scheffels Rennsteig-Gedicht (1863): "Was Menschen trennt, das muss sie auch verbinden".

Entsprechend bezeichnete Landrat Klaus Löffler den Rennsteig als Inbegriff für alles, "was uns Trennungen überwinden lässt". Und er betonte: "Wir dürfen wirklich dankbar sein dafür, dass wir die Vielfalt der kulturellen Prägungen in unserer fränkisch-thüringischen Heimatregion als große Bereicherung erfahren, und dass wir in dieser Vielfalt immer wieder gerne das entdecken, was uns verbindet."

Die von Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig fachkundig geführte Exkursion, die an der Wehrkirche St. Johannes Baptista begonnen hatte, führte auch zu zwei markanten Stätten auf dem Rennsteig: dem steinernen Obelisken an der Wasserscheide und den Brückensteinen an der Eisenbahnbrücke. Anschaulich erläuterte Siegfried Scheidig die dort offenkundig werdenden, trennenden Elemente zwischen Nord und Süd: Gebirgskamm, Wasser- und Wetterscheide, aber auch historische Gau-, Bistums-, Herrschafts-, Konfessions-, Kultur- und Dialektgrenze. Diesen geografischen und geschichtlichen Vorgaben stellte Scheidig verbindende und das Zusammenwachsen fördernde Elemente politischer, kulturreformerischer, verkehrstechnischer und nicht zuletzt zwischenmenschlicher Art gegenüber. Beispielsweise schilderte er die technische Entwicklung der Eisenbahn, die den Gebirgskamm überwand. In diesen hinein sei - nur von Menschenhand und ohne Maschineneinsatz - ein tiefer Einschnitt für die Bahnlinie geschaffen worden. Auch mit Hilfe von historischen Fotos veranschaulichte Scheidig die Siedlungsentwicklung in diesem Bereich des Rennsteigs.

Die katholische St.-Heinrich-Kirche wurde von Kreisheimatpfleger Robert Wachter als ein verbindendes Element zwischen dem Ortsteil Bahnhof und dem alten Ortskern von Steinbach vorgestellt. Die Gestaltung des 1966 geweihten Gotteshauses lasse deutliche Einflüsse des im Vorjahr abgeschlossenen Zweiten Vatikanischen Konzils erkennen.

Es spreche für die Fortschrittlichkeit der Steinbacher, dass sie sich seinerzeit den modernsten der vorgelegten Planentwürfe herausgesucht hätten, bemerkte Wachter. Das beauftragte Team mit dem Bamberger Architekten Hans-Karl Völker und dem in Forchheim geborenen Künstler Henry Walz sei in den 1960er Jahren sehr gefragt gewesen. Ausführlich erklärte Robert Wachter, inwieweit die Heinrichskirche durch ihre "völlig andere Formensprache eines neuen Expressionismus" von der bis dahin gängigen Sakralarchitektur abwich.

Besonders verwies Wachter auf die "Pieta am Stacheldraht" und damit auf ein Sakralkunstwerk, das die mittlerweile überwundene Teilung Deutschlands auf ungewöhnliche Weise thematisiert.

Pfarrerin Claudia Grüning-Göll stellte die Steinbacher Christuskirche vor und nannte es eine Besonderheit, dass Gotteshaus, Sakristei und Pfarrhaus in einem Guss entstanden. Die von Architekt Reinhard Claaßen in klassischem Baustil entworfene Kirche sei 1953 geweiht worden. Wie die Pfarrerin weiter informierte, werde im Zuge der aktuellen Renovierung auch ein barrierefreier Zugang zur Kirche geschaffen. Ein besonderes Augenmerk richtete Grüning-Göll auf das zentrale Kunstwerk an der Altarwand, das der namhafte Künstler Reinhart Fuchs 1976 geschaffen hatte: ein quadratisch und farbig gestaltetes Kreuz mit angedeuteten Wundmalen, das kombiniert ist mit einer Darstellung der Emmaus-Jünger mit dem auferstandenen Christus beim Abendmahl. bg