Herzogenaurach — Das Fronleichnamsfest wird seit dem Mittelalter mit Prozessionen begangen. In Herzogenaurach begleiten auch heute noch die Handwerker mit ihren Zunftstäben den Zug durch die Stadt. Die Fronleichnamsprozession des Jahres 1905 in Herzogenaurach hat der unermüdliche Heimatforscher Luitpold Maier (1887-1967) der Nachwelt überliefert.
Damals beteiligten sich auch noch die Gläubigen von Niederndorf an der Fronleichnamsprozession in Herzogenaurach, da der größte Herzogenauracher Ortsteil erst 1923 ein eigenes Gotteshaus erhielt. Aufgrund der detaillierten Beschreibung von Maier ist die damalige Organisation des Prozessionszuges deutlich zu erkennen.
So bewegte sich die Prozession ab 8 Uhr von der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena zu vier auf dem Weg aufgestellten Altären, wo die Anfänge der Evangelien gesungen wurden. Die Prozession wurde von einer roten Kirchenfahne angeführt, die aus dem 17. Jahrhundert stammte. Dann folgten die verschiedenen Stäbe und Fahnen der ehemals in der Stadt beheimateten Zünfte und Handwerker. Erst dann folgte ein Kruzifixträger, gefolgt von Vertretern von Schulen und Vereinen.
Mitgeführt wurden auch die verschiedenen Wallfahrtsbilder der Pfarrei: die Tafeln aus Haundorf, Hammerbach, Niederndorf sowie die der Dettelbacher und der Gößweinsteiner Wallfahrt.


Stadtbewohner am Schluss

Die Mitte des Prozessionszuges bildete die Musikkapelle, gefolgt vom Allerheiligsten unter dem Himmel, der von vier Magistratsräten getragen wurde. Am Schluss lief der größte Teil der Stadtbewohner, die in keinem der Vereine eingebunden war.
Die Prozession bewegte sich durch den Steinweg und die Hintere Gasse, wo beim Haus der Kaufmannswitwe Margarethe Adler das erste Evangelium gesungen wurde. Dann ging es durch die Reytherstraße bis zur Hauptstraße, wo beim Schreinermeister Valentin Biermann das zweite Evangelium gesungen wurde. Von da zog die Prozession die Hauptstraße hinauf bis zur Brauerei Witwe Zimmerer, wo der Anfang des dritten Evangeliums erklang. Danach nahm die Prozession ihren Weg durch die Hintere Gasse, wo beim Haus des Schuhmachers Peter Hildel das letzte Evangelium folgte. An allen Stationen wurden Böllerschüsse mit einer Salutkanone abgefeuert. Die Prozession zog dann über den Steinweg wieder zur Kirche.
Früher spielten sich Fronleichnamsprozessionen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Stadt ab. Die erste war an Fronleichnam selbst, die Prozession, die über den Stadtkern hinausging, fand dagegen am darauf folgenden Donnerstag statt.
Hierbei wurde das erste Evangelium an der Bitters- oder Schwarzbeckenmarter hinter der Ziegelhütte gesungen, das zweite bei der alten Dreifaltigkeitskapelle, nicht weit von den drei Steinkreuzen, wo sich zu Maiers Zeiten die fränkische Schuhfabrik erhob. Heute befindet sich an dieser Stelle in der Würzburger Straße ein Seniorenheim. Das dritte Evangelium wurde nach Maier bei der Kapelle in der Vorstadt gesungen.
Den Ort für das vierte Evangelium konnte aber auch er nicht mehr feststellen. Der Brauch, vier Altäre für die Fronleichnamsprozession aufzustellen, wird seit Beginn der 1970er Jahre nicht mehr gepflegt. Der Prozessionsweg selbst hat sich jedoch kaum verändert und wird noch heute begangen.