Nicht vielen Menschen ist es vergönnt, dass ein Beichtbub und sein Beichtmädchen fast auf den Tag genau ihren 90. Geburtstag feiern. Der seltene Fall trat in Michelau ein. Am Donnerstag beging Sophie Stammberger im Michelauer Altenheim ihr 90. Wiegenfest, und am Tag darauf beendete ihr Beichtbub Rudi Ender sein 90. Lebensjahr.

Elf Jahre alt bei Kriegsbeginn

Aufgewachsen in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wurden Sophie Stammberger und Johann Ender hineingeworfen in die Zeit der Machtergreifung Hitlers und die Wirren des zweiten Weltkriegs. Mit Kriegsbeginn waren sie gerade einmal elf Jahre alt, und viele der damaligen Erfahrungen haben ihre Lebenseinstellung geprägt. Beide wuchsen in einer Korbmacherfamilie auf, wobei der Vater von Sophie Stammberger zusätzlich eine Landwirtschaft betrieb. Gemeinsam besuchten sie die Volksschule. Danach trennten sich ihre Wege.

Sophie Stammberger begann eine dreijährige Lehre in der Raiffeisen-Volksbank in Lichtenfels. Dort arbeitete sie insgesamt zehn Jahre bis zu ihrer Eheschließung mit Wilhelm Stammberger. Der übernahm von seinen Eltern das Baugeschäft. Von da an arbeitete Sophie Stammberger als Schreibkraft und Buchhalterin im Büro ihres Mannes. Die Eheleute hatten drei Kinder, Kurt und Bernd und ein Mädchen Martina. Allerdings verstarb die Tochter frühzeitig. Umso mehr freut sich Sophie Stammberger über ihre beiden Söhne und deren Familien, aus denen zwei Enkel und zwei Urenkel hervorgegangen sind.

Nach dem Tod ihres Mannes lebte Sophie Stammberger zunächst allein, bis sie vor drei Jahren ins Altenheim übersiedelte, zunächst für ein Jahr nach Burgkunstadt und die letzten beiden Jahre ins Katharina-von-Bora- Seniorenwohnhaus in Michelau. "Man muss halt zufrieden sein, mit dem wie es ist", lautet ihre Lebensweisheit.

Auf seine Fitness angesprochen outet sich der 90-jährige Rudi Ender selbstbewusst: "Ich bin fitter als ein Turnschuh", und wenn man den ehemaligen Handballer live erlebt, zweifelt man keine Sekunde am Wahrheitsgehalt dieser Aussage. Er hat sein eigenes Fitnessprogramm. Täglich 5000 Schritte gehen, das ist gut für Herz und Kreislauf. Seitdem er eine Uhr mit Schrittzähler hat, läuft er die Strecke von seiner Haustür zum Gartentor und zurück. Und um auf die entsprechende Gesamtstrecke zu kommen wiederholt er das Ganze 50 Mal und mehr.

Auch so überlässt er nichts dem Zufall. Schließlich war er von 1962 bis 1988 der Geschäftsführer der Urania im Michelauer Industriegebiet, die zur Firma Hahn KG gehörte.

Chronologisch exakt hat er die wichtigen Stationen seines Lebens aufgelistet. Die kaufmännische Lehre bei Foertsch & Sohn in Lichtenfels (1.4.43 - 31.3.47), seine Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter bei der Firma Treskow Held in Michelau (1.5.48 - 31.10.58). In dieser Zeit (1954) kaufte er ein Grundstück im Nordwesten von Michelau und begann sofort mit dem Bau eines Eigenheims. Denn vor der Hochzeit mit seiner Frau Renate sollte das Haus bezugsfertig sein.

In den Jahren von 1956 bis 1962 wurden seine drei Söhne Ralf, Jörg und Uwe geboren, auf die er mächtig stolz ist, ebenso wie auf seine fünf Enkel und seine drei Urenkel.

1958 begann seine Karriere bei der Firma Hahn und die dauerte bis zu seinem Vorruhestand und seinem Leben als Rentner (November 1990). Allerdings verstarb 1998 seine Frau Renate. Seit 20 Jahren führt er seinen Haushalt alleine. Er begeistert mit seinen Kochkünsten und hält Haus und Garten in Ordnung. "Lebensaufgabe erfüllt", lautet sein Fazit an seinem 90. Geburtstag. Schön, wenn man das nach einem erfüllten Leben von sich sagen kann. kag