Der Historische Verein Landkreis Haßberge hat in seinem Depot in Knetzgau mehr als 13 000 Funde in 184 Stunden gesichtet und verpackt. Der Verein bedankte sich jetzt in Zeil bei einem Treffen bei den ehrenamtlichen Projekt-Mitarbeitern. Verbunden war die Zusammenkunft, wie der Verein mitteilte, mit einem Erfahrungsaustausch. Der Vorsitzende Wolfgang Jäger und der Leitende Archäologe Harald Heller würdigten die Helfer, denn ohne Freiwillige wäre die wichtige Arbeit für die historische Identität kaum finanzierbar.
Die Gemeinde Knetzgau verwahrt in ihrem Depot über 13 000 archäologische Artefakte, die ihr vor über 25 Jahren der damalige Kreisheimatpfleger Paul Hinz übergeben hat. Darunter sind Steinabschläge aus der Eiszeit genauso vertreten wie Keramik der ersten Ackerbauern. Ein Großteil der Funde stammt aus vorchristlichen Epochen, der Hauptteil aus Mittelalter und Neuzeit.
Was auf den ersten Blick "nur" eine Scherbe ist, kann für den Fachmann eine wichtige Information zur Besiedlungsgeschichte vor Ort liefern. Aus diesem Grund ist es bei solch großen Beständen wichtig, dass man zur Forschung gezielt nach einzelnen Funden suchen kann. Dies war bislang kaum möglich, denn bisher wurden noch keine Bewertung und "amtsgerechte" Inventarisierung durch einen ausgebildeten Archäologen vorgenommen.


Auf breiter Basis

In einem Gemeinschaftsprojekt geschieht dies derzeit durch die Kulturstiftung Unterfranken, die Gemeinde Knetzgau, das Landesamt für Denkmalpflege und den Historischen Verein des Landkreises. Bereits 2014 nahm der Verein den gesamten Bestand auf, wobei auch eine Datenbank, also eine Art Inventurliste, angelegt wurde. In den letzten Monaten bereiteten die ehrenamtlichen Mitarbeiter nun das Material für den nächsten Schritt vor, indem sie die Funde nach amtlichen Vorgaben reinigten und verpackten.
Die Ehrenamtlichen leisteten hierfür bisher 184 Stunden und fuhren 832 Kilometer auf ihrem "Arbeitsweg". Der Archäologe Harald Heller, der das gesamte Projekt leitet, ist gegenwärtig dabei, alles fotografisch zu dokumentieren und nimmt dabei eine erste "Ansprache" vor, also Deutung der Funde. Bis diese Arbeit abgeschlossen ist, können noch einige Monate ins Land ziehen. Ziel ist es, dass in einem dritten Abschnitt die genaueren Fundumstände (Ort, Lage...) rekonstruiert werden, da diese Kenntnisse einen enormen Zugewinn für die ganze Heimatgeschichte bedeuten können. red