Der "Coburger Hörnlesbeck" wird am Sonntag 80 Jahre alt. Der alte Hausname der früheren Familienbäckerei in der Spitalgasse ist für viele eingefleischte Coburger heute noch das gebräuchliche Synonym für Peter Reingruber, langjähriges Mitglied des Coburger Stadtrates und Ehrenobermeister der Bäckerinnung. "Du bist nicht nur ein politisches Urgestein, sondern du hast auch die entsprechende Spürnase für politisch relevante Dinge, die du dann aufgreifst und dich bis zum guten Ende dafür einsetzt", lobt ihn sein früherer Stadtratskollege Prof. Hans Jochen Medau in seinem Glückwunschschreiben zum 80. Geburtstag. "Du hast nicht nur erfolgreich agiert, du hast dich jahrelang mit Haut und Haaren dafür eingesetzt, und, wie ich meine, auch zu deiner persönlichen Freude."
Freilich gehört zum Leben Reingrubers auch ein schmerzhafter Einschnitt. 2009 trennte er sich von seiner Partei, der CSU. Zu diesem Zeitpunkt war der "Hörnlesbeck" 21 Jahre stellvertretender Kreisvorsitzender der Partei sowie 14 Jahre CSU-Fraktionsvorsitzender. Er war sogar inzwischen Ehrenvorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion geworden. Er bekennt sich aber weiterhin zu seinen christlich-sozialen Wurzeln und Grundeinstellungen. Mit einigen Weggefährten von früher ist er Mitglied bei den Christlich-Sozialen Bürgern, CSB.
Auf eine Auszeichnung aus CSU-Zeiten ist er stolz: den "Coburger Mohrenorden". Das Bundesverdienstkreuz, den Goldenen Ehrenring (1986) und die Silberne Stadtmedaille (2002) der Stadt Coburg hat er auch. Aber er ist der bislang einzige Inhaber des "Coburger Mohrenordens", und der hat ein ordentliches Gewicht. Es handelt sich nämlich um einen original Kanaldeckel aus Gusseisen mit dem Coburger Stadtwappen, das den Stadtpatron Mauritius zeigt. Der Mohrenorden geht zurück auf einen markanten Ausspruch Reingrubers: "Kommunalpolitik findet dort statt, wo der Kanaldeckel klappert!" So wichtig war es für ihn in seiner Zeit als Ratsherr, dass die Politik neben großen und wichtigen Entscheidungen die kleinen Sorgen und Nöte der Bürger nicht aus dem Blick verliert.
1966 begann der damals 30 Jahre alte Bäckermeister Reingruber sein Engagement im Stadtrat - bis ins Jahr 2008. Besonders legendär war seine Freundschaft mit dem Vorsitzenden der SPD-Stadtratsfraktion Siegfried Freytag. "Die nannten uns das doppelte Lottchen", sagt Reingruber lachend im Gespräch mit dem Tageblatt.
Der "Hörnlesbeck" ist ein waschechter Coburger. Am 24. Januar 1934 erblickte er in Coburg als Sohn der Eheleute Max und Gertrud Reingruber das Licht der Welt. Der Name Reingruber weist auf Wurzeln in Oberösterreich hin. Verfolgt man die väterliche Linie zurück, stößt man auf die Vorfahren, die nach der Gegenreformation ihr evangelisch-lutherisches Bekenntnis nicht preisgeben wollten und sich als Salzburger Exulanten in Franken niedergelassen hatten. Reingruber besuchte in Coburg die Rückertschule und dann das heutige Gymnasium Ernestinum, damals Realschule genannt. Den Beruf des Bäckers erlernte er bei der Bäckerei Sauer am Salzmarkt. Dann folgten Reingrubers Lehr- und Wanderjahre, die ihn nach München führten. Er besuchte die Landesfachschule in Lochham bei München.
In München lernte er seine Ehefrau Helga kennen. 1957 heirateten Peter und Helga, und schon 1958 kam Tochter Brigitte auf die Welt. "Brigitte wäre um ein Haar die Millionenbürgerin von München geworden", erinnert sich Reingruber heute. 1959 zog die junge Familie nach Coburg. Für den Umzug hatte der junge Ehemann und Vater einen halben Güterwaggon bestellt. In Coburg wurde der ganze Hausrat mit einem Pferdefuhrwerk zur neuen Wohnung gebracht. Später sollte Peter Reingruber die Bäckerei seines Großvaters Hans Buhl samt des Hausnamens "Hörnlesbeck" übernehmen. In Coburg wurden Sohn Klaus (1960) und Tochter Doris (1964) geboren. "Wenn ich auf die 80 Jahre zurückblicke, bin ich schon stolz darauf", zieht der Hörnlesbeck eine zufriedene Zwischenbilanz.
Zum Geburtstag gratulieren am Sonntag außer den drei Kindern sechs Enkel und neun Urenkel. Wer Peter Reingruber am Sonntag beglückwünschen möchte, ist um 11 Uhr in das Feuerwehrhaus Löbelstein eingeladen. Dort warten Weißwürste und Weißbier auf die Gäste. Der Nachmittag bleibt der privaten Feier im Familienkreis vorbehalten.