Wildenberg — Der Frankenwald hat von jeher den Ruf genossen, Prachtstücke von Waldbäumen beherbergt zu haben. Ein solcher war neben der "Eibe vom Breitengrund" (ältester Baum des Frankenwaldes nordöstlich von Wallenfels) und dem legendären "Großvater" am Osthang der Thiemitz die "Riesenbuche von Wildenberg".

Die Wildenberger Buche war Eigentum der Schafhutgenossenschaft Wildenberg und der Stolz des Dorfes. Sie stand auf einer Hochfläche von 498 Metern südwestlich von Weißenbrunn und galt als die älteste Vertreterin ihrer Art in Bayern. Es gab Sachkundige, die das Alter auf weit über tausend Jahre schätzten. Man erzählt sich, dass sie der einzige Überrest eines Urwaldes sei, der sich vor Jahrhunderten über diese Gegend ausgebreitet habe.

Die Höhe des Baumes wurde bei 25 Metern gemessen; wollte man den Wurzelstock der Buche umschreiten, so brauchte man 18 Schritte. 40 Zentimeter über dem Boden hatte er noch einen Umfang von neun Metern. Der Stamm selbst wies einen mittleren Durchmesser von zwei Metern auf. Die Ausdehnung der Äste war derart, dass man in fruchtbaren Jahrgängen bis zu 30 Zentner Bucheckern erntete. Daraus schloss man auch, dass der Baum völlig gesund sein müsse. Dem war aber nicht so. Im September 1898 brach ohne besondere Ursache ein starker Ast ab und ließ erkennen, dass der Baum altersschwach geworden war. Wind, Wetter und Sturmesbrausen brachten ihn dennoch nicht zu Fall, aber die Geldgier der Menschen. Die sahen in ihr ein gewinnbringendes Objekt - zu einer Zeit, da das Land unter der Inflation litt, da für einen Baum im Frankenwald Millionen und Milliarden von "Papiermark" geboten wurden. Im Herbst 1923 wurde die Axt geschwungen. 50 Fuder Holz wurden abgefahren. Aber die Millionen- oder Milliardengewinne haben Verkäufer und Käufer keinen großen Nutzen gebracht. Denn die Millionenscheine zerstoben wie Blätter im Wind. Ein Heimatfreund schrieb ein ironisches Gedicht mit dem Titel "Abschied vom deutschen Wald", das den Jammer beleuchtete und ein wenig an die heutige Zeit erinnert.

Es steht ein Baum im Frankenwald, der hat viel grüne Äst', die Säge knirscht, der Axthieb hallt. Hoihoo! Gebt ihm den Rest! Wir brauchen keine Wälder mehr, die einstmals Deutschlands Stolz, kein Eichbaum ist so hoch und hehr, wir machen ihn zu Holz.

Das Holz, das machen wir zu Geld, zu zahlen prompt in bar, die ält'ste Buche wird gefällt, die über tausend Jahr. Die schon in grauer Heidenzeit in Sturm und Wettern stand. Heut wird auch sie dem Tod geweiht, dem Haus- und Küchenbrand.

Fahr wohl, du Waldespoesie, dein Sinn ist ganz verkehrt; dein Wesen kalkulieren sie nur nach dem Nutzungswert. Bald wird man keinen Baum mehr seh'n, nimm Schicksal deinen Lauf! Und sollte doch noch einer steh'n, dann häng' ich mich dran auf!