"Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen": Aus der Bergpredigt war die Kernaussage beim ersten iranisch-deutschen Gottesdienst in der Christuskirche. In vielen Stunden (alle zwei Wochen) interkultureller Glaubenskurse waren schon Kontakte zwischen geflüchteten Christen aus dem Iran, die im Asylbewerberheim in Weismain leben, und der evangelischen Kirche in Weismain entstanden. Nun kam es zum ersten gemeinsamen christlichen Gottesdienst.

Pfarrerin Claudia Jobst freute sich, dass über 20 gläubige Iraner mit den Weismainer Christen Gottesdienst feierten - in deutscher und persischer Sprache.

Warum flüchten Menschen aus dem Iran und verlassen ihre Heimat? Wie ergeht es Christen im Iran? Gab es schon immer Christentum im Iran? Wie geht es der Bevölkerung dort? Viele Fragen wurden beantwortet.

Der Iran hat eine bis in die Antike zurückreichende Geschichte. König Kyros, der im 7. Jahrhundert das ehemalige Persien regierte, gilt als religiös toleranter Regent. Vahid Bahami, der schon sehr gut Deutsch spricht, erklärte den Gottesdienstbesuchern auch die fremde Schrift, die für Europäer eher wie ein Art Gemälde wirkt.

Christen stellen im Iran heute nur noch eine kleine Minderheit. Es gibt keine Meinungsfreiheit, Frauen müssen Kopftücher tragen, es gibt weitreichende Verbote. "Viele von uns führten trotzdem ein gutes Leben", so die Schilderung. Wenn aber bekannt werde, dass man Christ ist, werde die Aggression einem gegenüber so groß, "dass wir mit Gefängnis und sogar der Todesstrafe rechnen mussten". Deshalb hieß es für sie, das Land zu verlassen. "Wir haben viel zurücklassen müssen - Familien, Freunde und Arbeit." Aber jeder brauche eine Heimat, in der er sich sicher und geborgen fühlen könne. "Gott ist für uns da. Meine Lebenskraft bringt er zurück.

Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen", zitierte Masha Moradbakhsh den 23. Psalm. Die gemeinsam mit Pfarrerin Claudia Jobst ausgearbeitete Ansprache stellte dies ebenfalls dar. Menschen, die nicht auf der Flucht sind, können sich die Bedeutung nicht vorstellen. Auch die Heilige Familie habe fliehen müssen. "Lernen wir daraus und geben Menschen, der Hilfe bedürfen, eine neue Heimat." Gott werde allen Heimat. Kirche bedeute auch teilen und Lebensräume für alle einrichten.

Freudige Gesichter treten einem entgegen, wenn man nach dem Gottesdienst Fragen stellt. Größte Hoffnung der Menschen aus dem Iran ist natürlich ein Arbeitsplatz, dafür wird fleißig die deutsche Sprache gelernt. Und da einige beim FC Baiersdorf Fußball spielen, ist der Sport auch etwas Verbindendes für die jungen Leute. Roland Dietz