Bernhard Panzer Mark Deavin hat bei den Grünen einiges vor. Kürzlich wurde er zum Sprecher des Ortsverbandes gewählt und leitet jetzt gemeinsam mit Doppelspitze-Partnerin Uschi Schmidt die Geschicke der Herzogenauracher Grünen. Doch damit nicht genug: Der 50-Jährige kandidiert im März 2020 auch für den Stadtrat und ist mit Platz sechs auf der grünen Liste durchaus aussichtsreich positioniert. Möglich, dass die Bürger den beliebten Dozenten ins Stadtparlament wählen. Ob Deavin dort aber auch Platz nehmen darf, ist noch nicht sicher. Denn da gibt es eine kleine, aber vielleicht entscheidende Hürde.

Denn Mark Deavin ist Brite. Was im Augenblick kein Problem für seine Kandidatur darstellt, denn auch Ausländer aus den Staaten der Europäischen Union dürfen in einen deutschen Stadtrat gewählt werden. Im Augenblick gehört Großbritannien ja noch zur EU.

Brexit steht bevor

Jetzt zeichnet sich aber ab, dass der Austritt von "United Kingdom" wohl tatsächlich kurz bevorsteht und Boris Johnson sich damit nun endgültig durchsetzen kann. Das allerdings wäre für Mark Deavin dann wirklich ein Problem. Dann dürfte er sein Mandat nicht antreten, bestätigt Gerd Lorenz, der im Herzogenauracher Rathaus für den 15. März als Leiter der Kommunalwahl bestimmt worden ist. Es sei denn, der Brexit ist diesbezüglich mit einer Sonderregelung verbunden. "Das erfahren wir dann vom Innenministerium."

Antrag auf Einbürgerung

Mark Deavin möchte es nicht auf diese Unsicherheiten ankommen lassen. Auch wenn mit der Brexit-Regelung noch vieles unklar sei. Möglicherweise dauert es ja auch noch ein Jahr, sagt er. Aber der verheiratete Familienvater strebt einen anderen Weg an: Er hat die Einbürgerung beantragt. Vor sechs Wochen sei er beim Ausländeramt am Landratsamt in Erlangen vorstellig geworden.

Keine Zweifel

Dass er die deutsche Staatsbürgerschaft bekommt, daran zweifelt Parteikollegin Uschi Schmidt kein bisschen. Mark ist mit einer Deutschen verheiratet, beherrscht die deutsche Sprache, hat hier seinen Wohnsitz und einen regelmäßigen Verdienst. Und auch den Test sollte der promovierte Historiker problemlos bestehen.

Dafür allerdings braucht man einen Termin. Und der hat mehrwöchige Anmeldefristen, berichtet Deavin.

Tatsächlich drängt die Zeit. Sollte der Brexit vor der Wahl greifen, dürfte der Engländer nicht kandidieren, informiert Lorenz. Es sei denn, er ist bis dahin eingebürgert. Das wiederum muss aber bis zum 40. Tag vor der Wahl geschehen sein, also bis zum 4. Februar.

Nachträgliches Geschenk

Tritt der Brexit erst nach der Wahl ein, bleibt mehr Zeit. Allerdings müsste Deavin, falls er denn in den Stadtrat gewählt worden ist, sein Mandat dann zurückgeben. Aber auch das würde durch die Einbürgerung verhindert, die dann eben bis zum Beginn der neuen Wahlperiode am 1. Mai erfolgt sein müsste.

"Es ist sehr kompliziert", stellt Mark Deavin fest. Aber er ist guter Dinge. "Es sollte schon klappen", sagt er. Für ihn wäre die Einbürgerung das ideale nachträgliche Geschenk zu seinem 50. Geburtstag, den er im August feiern konnte.