Beichte, bereue, so erlangst du Vergebung: Für katholische Christen gehört die Beichte zu den jährlichen Pflichten; für viele zu den ungeliebten. Statistiken, wie viele Gemeindeglieder dieser Pflicht nachkommen, werden nicht geführt. Viele Witze handeln davon, dass manches Beichtkind wegen seines fortgeschrittenen Alters gar nichts mehr zu beichten habe. Diese Witze vermutlich schon die Schreiner überlebt, die die ersten Beichtstühle geschaffen haben.
Es gilt das Klischee, dass die Katholiken vom Priester Absolution und Gewissenserleichterung erlangen können, während sich die Evangelen immer schuldig fühlen und ganz auf Gottes Gnade angewiesen fühlen müssen. Deshalb ist der weiße und reichverzierte Stuhl, der in der Landesausstellung zu sehen ist, für viele Besucher eine Überraschung: Es handelt sich um einen evangelischen Beichtstuhl.
Der Reformator Martin Luther selbst habe die Beichte als solche für gut geheißen, ist im Katalog zur Landesausstellung nachzulesen. Was er ablehnte, sei der (katholische) Zwang zur Beichte gewesen und ihre Verbindung zum Ablasshandel. Sündenbekenntnis und Vergebung an sich befürwortete der Reformator sehr wohl. Deshalb finden sich auch Beichtszenen auf den frühen Konfessionsbildern. "So gehörten Beichtstühle in den unterschiedlichsten Formen zur Ausstattung der evangelischen Kirchen", heißt es im Katalog zur Landesausstellung. "Wo sie heute noch erhalten sind, werden sie häufig nicht mehr als solche erkannt."
Da die Form der Beichtstühle von den jeweiligen Kirchenordnungen abhing, sind unterschiedliche Formen zu finden. Sie reichen laut Katalog "von einfachen Stühlen oder Sesseln für den Pfarrer bis zu mehr oder weniger geschlossenen, mehrsitzigen oder schrankförmigen Beichtstühlen". Für die Landesausstellung wurde das Team um Ausstellungsleiter Peter Wolf in St. Helena zu Großengsee fündig. Dort steht ein barocker Einzelsichtbeichtstuhl aus dem Jahr 1708. Das Schriftband zitiert den zweiten Korintherbrief: "So bitten wir nun an Christus Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott." Der Pfarrer saß auf dem Stuhl unter dem Baldachin mit der Taube, die den Heiligen Geist symbolisiert. Um den Sockel des Beichtstuhls herum befindet sich eine halbrunde Antrittsplatte, die laut Katalog "mehreren Beichtenden das Hinknien für die Absolution ermöglichte".