Am 7./8. Juni vertritt die Bambergerin Claudia Geist zusammen mit zwei Auszubildenden aus Roding und Münchberg den Freistaat Bayern beim Bundeswettbewerb "Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege 2018". Die 42-Jährige hat beim landesweiten Vorentscheid voll überzeugt. Sie ist Schülerin der "Bamberger Akademien für Gesundheits- und Pflegeberufe" und absolviert den praktischen Teil ihrer Ausbildung im "Seniorenzentrum Martin Luther" der Diakonie Bamberg-Forchheim in Streitberg. Nicht nur die Finalistin, auch Jessica Grijalva von der Akademie hofft, dass der Wettbewerb dazu beiträgt, gesellschaftliche Vorurteile gegen Pflegeberufe abzubauen. Was erwartet Claudia Geist beim Endausscheid in Berlin? Im Interview blickt sie voraus.

Sie haben den Vorentscheid des Wettbewerbes "Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege" für sich entschieden. Wie kam es dazu?
Claudia Geist: Hier an der Schule wurden erst einmal die Besten jeder Klasse gebeten, bei einem Test mitzumachen. Die fünf Schüler mit den besten Testergebnissen durften dann nach Scheinfeld zum Vorentscheid fahren. Dort mussten wir dann noch mal 50 Fragen rund um die Pflege mit jeweils drei Antwortmöglichkeiten lösen. Das war nicht leicht, weil entweder eine, zwei, alle oder keine Antwort richtig sein konnten und die Fragen thematisch breit gefächert waren. Von Diabetes über Anatomie und Wunden bis zum Einführungsjahr des Infektionsschutzgesetzes wurde alles gefragt. Deshalb konnte man sich im Voraus auch gar nicht richtig darauf vorbereiten. Ich hätte nicht damit gerechnet weiterzukommen. Ein bisschen Glück und gesunder Menschenverstand haben mir da bestimmt auch geholfen.

Als nächstes steht jetzt am 7. und 8. Juni die Finalrunde in Berlin an. Wissen Sie schon, was Sie dort erwartet?
Ich weiß nicht wirklich, was auf mich zukommt, außer dass es dort mehr um die Praxis gehen wird. Man muss eine Pflegeplanung schreiben, sozusagen als theoretische Vorarbeit zur Pflege. Dann wird es auch um Behandlungspflege gehen. Das heißt, man wird wahrscheinlich Pflegetechniken anwenden und auch ein Beratungsgespräch führen müssen. Im Vergleich zum Vorentscheid wird es also dann wirklich sehr praxisorientiert. Ich freue mich einfach auf Berlin, auch wenn ich noch nichts Genaueres weiß.

Sie machen eine Teilzeitausbildung zur Altenpflegerin. Wie sind Sie auf dieses Modell gekommen und was gefällt Ihnen daran?
Ich bin Mutter und habe nach einer beruflichen Alternative gesucht. Vorher habe ich ein Ökotrophologie-Studium abgeschlossen und als Betreuungskraft gearbeitet. Ich war mir sicher, dass ich noch eine Ausbildung machen will. Wir haben jede Woche, außer natürlich in den Ferien, zwei beziehungsweise drei Tage Schule und die restliche Zeit sind wir im Betrieb. Insgesamt sind das dann durchschnittlich etwa 25 bis 30 Wochenstunden. Deswegen lässt sich das Teilzeitmodell in der Altenpflege einfach gut mit dem Muttersein und der Familie vereinbaren.
Was macht den Beruf der Altenpflegerin attraktiv für Sie?
Ich habe mir die Fragen gestellt: Was stelle ich mit meinem Leben an? Und was kann mich befriedigen bis ich alt bin? Die Antwort darauf war für mich: etwas Sinnvolles zu machen, hinter dem ich stehe. Wegen der fachlichen und medizinischen Aspekte habe ich zuerst auch überlegt, eine Ausbildung als Krankenpflegerin zu machen. Weil ich als Betreuungskraft schon Erfahrung im Bereich Alltagsbegleitung hatte, wusste ich, wie wichtig mir der direkte Kontakt zu den Patienten ist. Mir gefällt der intensive Austausch mit den Menschen. Man lernt sie und auch ihre persönlichen Macken kennen. Diese Art von Beziehung kann man in der Altenpflege besser aufbauen als in der Krankenpflege, wo die Patienten häufiger wechseln.
Die Fragen stellte Emma Rölling