Mit einer Spurensuche an der früheren deutsch-deutschen Grenze, in deren Mittelpunkt die Alte Mühle bei Lehesten und die Familie Neumeister als deren ehemalige Bewohner stehen, nehmen die Viertklässler der Staatlichen Grundschule "Karl Oertel" Lehesten am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten für das Schuljahr 2018/2019 teil. Kürzlich wurden die Ergebnisse ihrer Nachforschungen über die Teilung Deutschlands, die Zwangsaussiedlung der Mühlenbesitzer und die Sprengung der einstigen Mühlen an der Loquitz einem größeren Publikum vorgestellt. An der Präsentation in Lehesten nahmen auch Reinhard Neumeister mit Familie, Herbert Otto aus Ludwigsstadt und weitere Zeitzeugen teil.

Wie Schulleiterin Seifert erklärte, war dieses Gesamtprojekt der Schüler nur möglich, weil Neumeister 1997 seinen Grund und Boden für 900 DM "wie es liegt und steht" zurückkaufen konnte. Das war auch die Summe, die er nach der Zwangsaussiedlung 1952 für die zehn Hektar Land und 18 Hektar Wald in Mark der DDR erhalten hatte.

Die Tiere blieben zurück

Von den Schülern waren Reinhard Neumeister und weitere Zeitzeugen aus Lehesten zum Thema Zwangsaussiedlung interviewt worden. Er erlebte am 6. Juni 1952 morgens gegen sieben Uhr die "Aktion Ungeziefer" als 19-Jähriger mit. Nichts außer Kleidung und Möbel durfte die Familie damals behalten, von Fremden alles auf Lkws verladen. Kühe, Kleinvieh, Pferd und ihren Hund Rolf musste die Familie hinterlassen. In Eichicht verfrachtete man die Familie in Viehwaggons. Über Saalfeld und Zella-Mehlis gelangten die Neumeisters nach Schmalkalden, wo die Familie heute noch wohnt.

"Die Schüler haben das sehr gut gemacht", sagte Herbert Otto aus Ludwigsstadt zu dem Geschichtsprojekt. Seine Eltern besaßen damals die Klimpermühle, ein ganzes Stück unter der Alten Mühle. "Meine Mutter ist mit mir als 13-Jähriger in den Westen gegangen", sagte der 80-Jährige, der Ähnliches erlebt hat wie Reinhard Neumeister. red