Das "Kremer-Monument", die in der Umgangssprache etwas übertriebene Umschreibung einer Gedenksäule im Waischenfelder Süden, erinnert nicht an einen Todesfall außerhalb des Hauses, wie es bei solchen Säulen oft der Fall ist. Sie erinnert vielmehr an einen Pfarrer, der sich vor allem durch Waldanpflanzungen hier einen Namen machte.
"Im Jahre 1829 wurde ein Berg, die sogenannte Galgenleite, circa 40 Tagwerk groß, welche früher blos als Viehweide benützt wurde, unter Leitung des damaligen Herrn Stadtpfarrers Krämer theils mit Fichten, der größere Theil aber mit Fohrensaamen besät. Der hierzu erforderliche Saamen wurde durch Herrn Pfarrer Kremer aus eigenen Mitteln angekauft." So lautet der Originaleintrag des Waischenfelder Notizenbuches jener Zeit.
Es beschreibt den Beginn einer Periode, die bis 1856 andauerte und in der große Teile der Landflächen um Waischenfeld, soweit sie in Gemeindebesitz waren, mit Waldsamen, später dann mit jungen Baumsamen besät beziehungsweise jungen Bäumen bepflanzt wurde. Der Grund dafür war Holzarmut. Im Beschlussbuch der Gemeinde von 1836 steht geschrieben: "Um ihren Nachkommen wenigstens nach 30 Jahren in dieser Hinsicht in beßeren sorgenloseren Verhältnissen versetzt zu wissen, hat sich die Gemeinde entschlossen, strenge Regeln für das Nutzen der Holzvorräte zu schaffen."
Diese Regeln waren notwendig geworden, weil einerseits viele Kleinbauern die Aktion des Pfarrers als Bedrohung ihrer Existenz sahen und dessen Arbeit des Waldbaus boykottierten. Schließlich nutzten sie die bisherigen Gemeindeweiden zur Fütterung ihrer Ziegen. Andererseits weckte der junge Holzschlag die Begehrlichkeiten aller, denn Brennholz war rar und gehörte meist nur den Adeligen, die mit ihrem Burgenbau auch für den Mangel an nachwachsendem Holz verantwortlich zeichneten.
Nachdem Kremer 1829 und 1830 mit gutem Beispiel vorangegangen war und insgesamt für 130 Gulden (das Jahreseinkommen eines Pfarrers) 100 Tagwerk (rund 30 Hektar) Fläche angesät hatte, übernahm die Gemeinde die Anpflanzung vieler weiterer Flächen, die noch 25 Jahre andauerte. Um genügend Arbeiter für diese Arbeit zu gewinnen, schuf die Gemeinde die Möglichkeit, Steuer- und andere Schulden bei der Gemeinde mit Arbeit abzugelten; die sogenannten Hand- und Spanndienste.
Am 18. Juni 1839 feierte Waischenfeld Pfarrer Kremer. Das Notizenbuch der Gemeinde hielt darüber fest: "Vor zehn Jahren nämlich wurde unter der Leitung des dermaligen hiesigen Herrn Stadtpfarrers Friedrich Kremer, Hochwürden, eine ziemlich bedeutende Strecke öden Landes (ein Berg, die Galgenleite genannt) mit Waldsamen besät, welche Saat so herrlich und kräftig gediehen ist, daß an der Stelle der frühern, für die Gemeinde beinahe ganz nutzlos gewesenen Ödung, nunmehr der üppigste junge Schlag pranget. Voll Dankbarkeit gegen ihn wird seiner nie vergessen und errichtet demselben am Fuß des oben genannten Berges nun ein kleines Denkmal, dessen Einweihung die Bewohner Waischenfelds heute festlich begehen."
Dieses kleine Denkmal hat nun Markus Schuster, ein gelernter Restaurator und Malermeister aus Breitenlesau, im vergangenen Jahr gesäubert, repariert und konserviert. In seiner Bestandsaufnahme hat Schuster festgehalten, dass die Säule "stark verschmutzt und von Algen und Moos" bedeckt war. Außerdem stellte er fest, dass der obere Teil der Säule aus Sandstein, der untere aus Kalkstein besteht, was die Vermutung nährt, dass der obere Teil schon einmal zerstört wurde und deshalb ersetzt werden musste. Durch herabfallende Äste ist vermutlich auch ein Stück des Kapitells an einer Ecke abgebrochen. Dieses Teil hat er ersetzt, um wieder ein vollständiges Gesamtbild der Säule zu zeigen. Und auch die verblasste Inschrift brachte er wieder zum Vorschein. Mit der Erstellung einer Dokumentation über die Restaurierung der Säule kurz vor Weihnachten ist die Arbeit an dem Denkmal nun abgeschlossen. Der Waischenfelder Heimatverein hat die Kosten der Restauration übernommen.