Fürs Holz gibt es nichts mehr. Die Kiefern sind kaputt. Die Waldsituation ist auf einen Schlag schlecht geworden. Unter Waldbesitzern hat sich Frust breit gemacht. Sie wollen am besten nichts mehr hören vom Wald. Das Gefühl, lieber den Kopf in den Sand zu stecken, begegnet Benjamin Göbel häufig bei seiner Arbeit. Der Revierleiter, der von Schlüsselfeld aus kommunale und private Wälder betreut, will jedoch motivieren: "Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um anzufangen." Damit spätere Generationen überhaupt noch einen Wald haben.

Wie recht er hat, wurde vor kurzem von höchster Stelle gewürdigt: Der Wald der Stadt Schlüsselfeld wurde mit dem bayerischen Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung ausgezeichnet. Als einzigem oberfränkischem Vertreter wurde Schlüsselfelds Bürgermeister Johannes Krapp (CSU) in der Münchner Residenz der Preis durch Ministerin Michaela Kaniber (CSU) überreicht. "Nachhaltig - vielfältig" mit dem Augenmerk auf Biodiversität war das Motto, unter dem der Preis vergeben wurde.

Praxis seit vielen Jahren

Stellt sich die Frage, was eine "vorbildliche Waldbewirtschaftung" ausmacht. "Ein ganzes Potpourri an Einzelmaßnahmen", macht Benjamin Göbel im Schlüsselfelder Stadtwald deutlich. Eigentlich sei es "das, was wir seit vielen Jahren machen". Was seine Vorgänger bereits gemacht haben und was er weiterführt: Artenvielfalt, Biotopräume, Brennholznutzung, die Wertschöpfung vor Ort.

Die Auszeichnung ist Schlüsselfelds Bürgermeister Krapp viel mehr wert als die 1000 Euro Preisgeld. Damit werde der Bevölkerung dokumentiert, dass der Wald weitsichtig und nachhaltig bewirtschaftet werde, so Krapp. Es sei die Anerkennung dafür, dass Belange der Forstwirtschaft und des Naturschutzes optimal vereint sind. Die Bewirtschaftung solle beispielhaft sein und zur Nachahmung motivieren.

Den "Wald der Zukunft" zu gestalten, sei nicht nur sein eigenes Anliegen, sondern das Gebot der Stunde, sagt der Revierleiter. Wie und mit welchen Baumarten gehe es weiter, wie sehe der Wald der Zukunft aus? Mit dem Preis werde nicht nur der Artenreichtum und vielfältige Lebensraum gewürdigt, sondern auch, wie der Waldbesitzer mit den Herausforderungen des Klimawandels umgehe.

"Sicher muss nach dem Sturm des letzten Jahres einiges raus", sagt Göbel. Nicht zuletzt, weil der Schlüsselfelder Wald auch Erholungswald ist und man die Sicherheit der Wanderer im Auge behalten müsse. "Wir haben daher nicht ganz aufgeräumt, sondern nur halb."

365 Hektar Wald gehören der Stadt Schlüsselfeld. Ein Teil davon - bei Ziegelsambach - ist ein sogenannter "Mittelwald". Dass diese Art der Bewirtschaftung sein ganz eigener "Spleen" sei, räumt Göbel ein. Der Mittelwald sei "mittelhoch mit einzelnen Eichen, die richtig dick werden dürfen", erklärt er. In größeren Zeitabständen werde das Brennholz "runtergeschlagen". Die Eichen bleiben stehen, damit sie aussamen können. Durch den "Stockhieb" (der frische Einschlag) ergebe sich ein Spiel von Licht, Schatten und viel Wärme. So "naturverjüngt" wachse der Wald mit der Zeit wieder zu.

Zu der Vielzahl an Kriterien, die von einer hochrangigen Jury bewertet werden, zählt auch die Tierwelt. Im städtischen Wald gebe es den Uhu und die Haselmaus, von der bayernweit nur noch wenige Bestände bekannt sind. Die Kästen für die Haselmaus werden verkehrt herum, mit dem Loch zum Stamm aufgehängt, damit sie nicht von Vögeln besiedelt werden. Spaziergänger, die es gut meinen, würden die Kästen häufig umdrehen, damit das Loch wieder nach vorne zeigt.