Sichtlich gut getan hat den indischen Schwestern die Solidaritätsbekundung, die sie am Sonntag in der vollen Stadtpfarrkirche entgegennehmen konnten. Zwei der indischen Ordensleute hatten wie immer nahezu unauffällig mitten in der Kirche unter den zahlreichen Besuchern Platz genommen. Doch die emotionale Ergriffenheit war den beiden und vielen anderen anzumerken.

In seiner Ansprache bezog sich Dekan Kilian Kemmer zunächst auf die Auslegung des Sonntagsevangeliums bevor er den Glaubwürdigkeitsverlust in Kirche und Gesellschaft anprangerte. Auf Grund des "verbrecherischen und abscheulichen Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche braucht es ein Zeugnis wie das der indischen Schwestern". Das Gerede vom Pflegenotstand, vom Fachkräftemangel, von einer planbaren Zuwanderung und von Integrationswillen nehme umgekehrt der Politik niemand mehr ab, wenn man auf den Umgang mit den Schwestern schaue. "Es gibt für die Nachhaltigkeit eines Projektes auch eine Rendite jenseits jeder materiellen Berechnung." Wo der ursprüngliche Wille wirksam bleibe, gebe es auch einen Weg.

"Wann erkennt man unter den politischen Funktionsträgern und Beamten, dass es in der Gesellschaft um Gestalten und nicht nur um Verwalten geht?", fragte Kemmer. Ein nur noch verwaltetes Gesundheitssystem werde unmenschlich und führe zu noch größerer Politikverdrossenheit. Am Ende sprach der Dekan mit den Worten "wir brauchen euch" eine Solidaritätsadresse an die Schwestern aus, die mit spontanem Beifall bekundet wurde.

Unterstützt wurde der Dekan von seinen Mitpriestern und von Krankenhausseelsorger Georg Paszek, der ebenfalls eine Initiative zu Gunsten der Schwestern ergreifen möchte. In einem Brief an die Landtagsabgeordneten, den Landrat und den Krankenhausausschuss bittet der Dekan, die Entscheidung, die Schwestern zu entlassen, zu revidieren.