H ilde Bogdahn (71) hat sich zu ihrem 70. Geburtstag einen Jahresbeitrag für den BSV geschenkt und macht seither dort zweimal wöchentlich Gymnastik und besucht einmal wöchentlich das Fitnessstudio. Obwohl sie zuvor niemals Sport gemacht hatte, ist sie jetzt begeistert dafür und freut sich über die sozialen Kontakte zu vielen Gleichaltrigen, die sie im BSV gefunden hat. Wer Koordination und Gleichgewicht beherrsche, so die examinierte Altenpflegerin im Ruhestand, der könne nicht stürzen. Es gelte, zu lernen, auf einem Bein zu stehen und gegenhälftige Körperteile gleichzeitig in Bewegung zu setzen.

A uch der BSV muss jetzt üben, auf einem zu Bein zu stehen und alle noch vorhandenen Kräfte sinnvoll zu konsolidieren. Nicht nur, dass der Verein derzeit mit einem einzigen Präsidenten auskommen muss: Auch gilt es, in einer desolaten Situation das Gleichgewicht zu wahren. Der Verein hat sich gegenüber der Stadt verpflichtet, künftig in keiner seiner Abteilungen ein Defizit aufzuweisen. Als öffentliche Körperschaft wird er dauerhaft Transparenz in seine finanziellen Angelegenheiten bringen müssen. Eine der größten Herausforderungen wird es dabei sein, den mit so großen Emotionen verbundenen Fußball aus dem Minus zu führen und zwar in einer Art und Weise, dass vor allem den jungen Spielern dabei keine spürbaren Nachteile entstehen.
Konkrete Maßnahmen, wie dies insbesondere bei der Jugendabteilung geschehen soll, wurden allerdings bei der Mitgliederversammlung noch nicht vorgeschlagen. Auch ein Imagewechsel weg von der Zerstrittenheit, wie ihn der Bürgermeister im Verlauf der Sitzung dringend anmahnte, aber auch weg von der Zahlungsunfähigkeit muss erfolgen, wenn der unter starkem Mitgliederschwund leidende Verein wieder zu Ansehen und Attraktivität gelangen soll.

D ie Seniorin erlebt bei ihrer Aktivität im Verein nicht nur eine Stärkung ihres Wohlbefindens, sondern erfreut sich einer Gemeinschaft. Wohl nicht nur aus ihrer Sicht wäre es eine Tragödie, wenn der Verein aus seiner Schieflage nicht mehr herauskommen und aus der Baiersdorfer Vereinslandschaft gänzlich verschwinden würde.
Die außerordentliche Mitgliederversammlung hat endlich Geschlossenheit gezeigt und klare Weichen gestellt. Und wären die Zahlen schon früher auf den Tisch gelegt worden, dann hätte längst eine Neuordnung geschehen können. Der nunmehr eingeschlagene Kurs ist strikt einzuhalten, damit der Verein irgendwann wieder mit beiden Beinen fest auf dem Baiersdorfer Boden stehen kann.