Ein kritischer Blick geht immer nach oben. Seit 1927 wird das Heimatspiel "Die Schutzfrau von Münnerstadt" auf dem Anger aufgeführt und seit damals hat es immer wieder Ausfälle gegeben. "Das schwierigste ist, die Entscheidung zu fällen", sagt Bruno Eckert, der 45 Jahre lang Vorsitzender der Heimatspielgemeinde war. Claudia Kind, seine Nachfolgerin, hofft, dass sie so lange wie möglich von einer solchen Situation verschont bleibt. Denn: "Eigentlich können wir uns einen Ausfall gar nicht leisten", sagt sie. Gut für die Besucher: Selbst wenn ein Spiel ausfällt, gibt es ein kleines Ersatzprogramm.

Ab 7 Uhr ist Aufbau

Normalerweise treffen sich an einem Heimatspiel-Sonntag die Helfer bereits um 7 Uhr, um die Absperrungen, das Bühnenbild und die Stühle aufzustellen. Bei unsicherer Wetterlage könne man diesen Termin schon einmal nach hinten verschieben, sagt Claudia Kind. "Wir haben eine ,WhatsApp-Gruppe', und wer nicht drin ist, wird angerufen. Gegen 10 Uhr werde es langsam kritisch.

Das Problem: Alles was sich in Bewegung gesetzt hat (Musikkapellen, Fuhrwerke etc.), muss auch bezahlt werden. Eine späte Absage kostet mehr Geld. Hinzu kommen die Einnahmenverluste, die bei durchschnittlicher Besucherzahl zwischen 4000 und 5000 Euro liegen. Immerhin: Da die Karten nur reserviert und erst an der Kasse bezahlt werden, müssen sich die Heimatspieler nicht auch noch um die Rückzahlung kümmern. Aber ein Ausfall ist immer bitter. Eine Lösung gibt es nicht.

Das hat verschiedene Gründe. Schon vor etlichen Jahren hatte sich Bruno Eckert mit einer Überdachung des Zuschauerraums und der Bühne beschäftigt und sich Angebote von Experten eingeholt. "Das ist sehr teuer", sagt er. Durch ein Dach vor dem Heimatspielhaus werde auch die Kulisse gestört. Auch Regencapes sind für ihn aus akustischen Gründen keine Lösung. Für die Darsteller, vor allem für Pferde und Reiter, wird es bei Regen sogar richtig gefährlich: Das Basaltpflaster wird extrem glatt. Hinzu kommt, dass viele Kostüme nicht nass werden dürfen. "Und der Teppich auf der Bühne braucht eine Woche, bis er wieder trocken ist." Auch wenn es heute noch gelegentlich unsichere Wetterlagen gibt, so ist die Vorhersage doch wesentlich zuverlässiger als früher. Roman Jonas, langjähriger Kassier bei der Heimatspielgemeinde, erzählt, wie man sich früher beholfen hat. "Da wurden die Verwandten in Frankfurt angerufen und nach dem Wetter gefragt. Hat es dort am Vormittag geregnet, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass es am Nachmittag Münnerstadt trifft. Roman Jonas hat genau Buch geführt.

Seit 1956 (1955 fiel die Saison aus anderen Gründen aus) hat es 13 Spielabsagen gegeben. Acht betrafen den ersten Spieltag, fünf den dritten. "Kein einziges Mal ist der zweite Spieltag ausgefallen, an dem ja meist das Schutzengelfest ist", sagt er. Der erste Spieltag 2013 und der erste Spieltag 2014 waren die letzten Ausfälle. Viele Kuriositäten kann Bruno Eckert über die Spielabsagen erzählen. Früher, als es noch keinen "Tag des offenen Denkmals gab, fand das "Gelage im Schloss" meist am letzten Spieltag statt. Dann konnten die Mitspieler auch ihre Bons einlösen, weshalb der Absatz immer recht groß war. Fiel dann mal ein Spiel aus und es kamen weniger Gäste, kauften die Heimatspieler eben alles auf. "Da hat das Brot dann ein paar Tage gereicht", sagt Bruno Eckert. Einmal hatte Franz Beck Spießbraten bei der früheren Metzgerei Kersten bestellt. Und dann wurde das Spiel abgesagt. Bruno Eckert hatte sich bereits darauf eingestellt, dass es die nächsten Tage bei ihm Spießbraten geben wird, weil sich die Heimatspieler natürlich verpflichtet sahen, das Bestellte abzuholen. Aber Hugo Kersten entband sie davon, er lieferte den Spießbraten zu ihrer Freude woanders hin. Der erste Spieltag ist bei tollem Wetter über die Bühne gegangen. Hätte es geregnet, wäre das Spiel zwar ausgefallen, das Gelage hätte aber trotzdem in den Räumen des Schlosses stattfinden können. Mit Hans-Sachs-Spielen wären die Gäste unterhalten worden. Für das kommende Wochenende ist wieder schönes Wetter angesagt. Da findet am Samstag das Lagerleben auf dem Anger und am Sonntag der Schutzengelmarkt mit Aufführung des Heimatspiels statt.

"Nichts wäre nach dem Generationswechsel im Vorstand schlimmer gewesen als drei ausfallende Spieltage", sagt Kassier Wolfgang Joa. Da kann er inzwischen beruhigt sein. Drei Spiele sind übrigens wegen schlechten Wetters noch nie ausgefallen. Zwei allerdings schon, zuletzt in den 1980er Jahren.