Vor 25 Jahren, am 7. Juli 1994, wurde der Hospizverein Kronach gegründet. Den Schwerpunkt der vielfältigen Aufgabenbereiche des Hospizvereins Kronach bildet die Begleitung Schwerstkranker, Sterbender und trauernder Angehöriger. Die Säule des Vereins stellen die ehrenamtlichen Hospizbegleiter dar, die eine umfassende neunmonatige Ausbildung erfahren. Diese arbeiten mit niedergelassenen Ärzten, Alten- und Pflegeeinrichtungen, dem Krankenhaus, Seelsorgern, kirchlichen und sozialen Diensten sowie anderen Hospizvereinen zusammen. Durch regelmäßige Vorträge soll der Hospizgedanke zum Umgang mit Leben, Sterben und Tod weiter verbreitet werden.

Ein Vortrag zum Thema "Alles Philosophieren ist Sterben lernen" bildet auch den Start eines über das Jahr verteilten Veranstaltungsreigens, mit dem das 25-jährige Jubiläum gefeiert wird. Der Hospizverein Kronach freut sich, hierfür Prof. Dr. Thomas Bohrer, Chefarzt für Thorax-Chirurgie am Klinikum Kulmbach, gewonnen haben zu können. "Sterben ist immer noch ein Tabuthema in der Öffentlichkeit und unserer Gesellschaft. Sterben wirkt bedrohlich und krankhaft. Wir haben deswegen Angst vor dem Sterben", so Bohrer. Auch eine Lebensversicherung könne uns davon nicht bewahren. Wie sollen wir mit dieser existenziellen Situation umgehen?

Philosophische Denker in ihrer reichen Tradition von über 2500 Jahren im Abendland böten hierzu klare und verständliche Hinweise, die zum Nachdenken anregen. "Wenn man an das eigene Sterben denkt, ändert man vielleicht auch sein Leben", so der Professor.

Da ihm das Anliegen der Palliativmedizin sehr am Herzen liegt beziehungsweise die Hospizarbeit überaus wichtig ist, unterstützt er diese seit über zehn Jahren ehrenamtlich - unter anderem durch Vorträge, für die er kein Honorar verlangt.

Thomas Bohrer ist Professor für Thoraxchirurgie und leitet das Thoraxzentrum in Kulmbach. Die chirurgische Technik wird auf höchstem Niveau angeboten, aber auch mit etwas vereint, was heute im Zeitalter der Ökonomisierung und Digitalisierung zunehmend in Vergessenheit zu geraten droht: der Menschlichkeit in der Medizin. Für Thomas Bohrer und sein Team sind das nicht leere Worthülsen, sondern basieren auf einem fundierten Konzept, das nach Karl Jaspers, ein führender Philosoph des letzten Jahrhunderts, besagt: Ärztliches Handeln beruht auf zwei Fundamenten: Einerseits naturwissenschaftlicher Erkenntnis und technischem Können, andererseits auf Ethik, Humanität und Philosophie. Ersteres wird an den medizinischen Universitäten gelehrt, letzteres ist mit Ausnahme der Ethik in Deutschland jedoch nicht vorhanden. Genau dies hat Thomas Bohrer an der Universität Würzburg vor zehn Jahren bereits geändert: Hier gibt es das Würzburger Philosophicum - eine interdisziplinäre Lehrveranstaltung, die sich diesen Fragen umfassend, wissenschaftlich und praxisnah widmet. Andere Universitäten ziehen inzwischen nach.

Der Hospizverein mit seinem Vorsitzenden Dr. Peter Witton lädt alle Interessierten, natürlich auch Nicht-Mitglieder, zum Vortrag herzlich ein. Beginn ist um 19 Uhr. hs