Kaum haben die Verantwortlichen der Therme Natur Bad Rodach die Schlacht der Silvesterparty erfolgreich geschlagen und wieder einmal für über 400 Gäste für eine lange in Erringung bleibendes Ereignis gesorgt, hieß es ab 10 Uhr schon wieder für die Badegäste da zu sein. Dass dies zu einer Mammutaufgabe wurde, lag daran, dass die letzten Gäste der Silvesterparty erst gegen 3 Uhr die Therme Natur verlassen hatten. Für das Team um Kurdirektorin Stine Michel hieß es dann in der kurzen Nacht, alle Spuren des vergnüglichen Kehraus zu beseitigen und den normalen "Badebetrieb" wieder herzustellen.

Aber ganz normal ist der Ablauf am ersten Tag des neuen Jahres im Bad Rodacher Thermalbad ja gar nicht. Viele Besucher wissen das und kommen extra deswegen in den Erholungstempel. Es sind die Glücksbringer in Form von fünf gestanden Schlotfegern, die dem ersten Badetag im neuen Jahr eine besondere Note verleihen.

Werbung für den Beruf

Seit 24 Jahren stattet der Bezirksbevollmächtigte Moritz Schmidtlein mit seinen Kollegen den Badegästen am Neujahrstag einen Besuch ab, um symbolische Glücksbringer in Form von goldfarbigen mit einem vierblättrigen Kleeblatt und einem Kaminkehrer geprägten Münzen persönlich zu übergeben. Premiere konnte Marco Pecht feiern, der zum 1. Januar den Kehrbezirk von Moritz Schmidtlein in Bad Rodach übernommen hat. Er musste nach eigenem Bekunden überhaupt nicht überredet werden, an der besonderen Aktion teilzunehmen. "Es ist doch selbstverständlich, dass hier dabei bin", erklärte Pecht und fügte hinzu: "Es ist ja auch Werbung für unseren Beruf!"

In voller Montur, allerdings barfuß, schritten neben Pecht und Schmidtlein auch Otto-Norbert Grußka, Eiko Normann (Rödental) und Joachim Diwisch (Coburg) durch das Freigelände und die Hallen der Therme Natur. "Früher sind wir in dem Anzug mit den goldenen Knöpfen auch zur Arbeit, heute ist es mehr oder weniger ein Ausgehanzug", erklärt Joachim Diwisch. Auf Nachfrage erzählte Diwisch, dass für einen vernünftigen Schlotfergeranzug inklusive Zylinder rund 500 Euro investiert werden müssen.

Zylinder gegen Zigaretten

Eine besondere Geschichte erzählt die Kopfbedeckung von Moritz Schmidtlein. "Der ist über 80 Jahre alt" berichtete er. Den Zylinder wollte ihm jemand schenken. "Geschenkt wollte ich ihn nicht haben und gab dem Besitzer zwei Schachteln Zigaretten", erinnert sich Moritz Schmidtlein und muss lachen. Überrascht war er damals dann doch, als er erfuhr, dass der "Verkäufer" über 100 000 Mark in Bargeld in seinem Tresor hatte. "Er hat meine zwei Schachteln Zigaretten nun wirklich nicht gebraucht", meinte Schmidtlein mit einem gewissen Schmunzeln.

Mit viel Freude gingen die Schlotfeger durch das Areal der Therme Natur, um den Badegästen Glück für das neue Jahr zu wünschen. Viele ließen es sich auch nicht nehmen, die personifizierten Glücksbringer fest in den Arm zu nehmen. Dass die Schlotfeger von fremden Menschen auf offener Straße angefasst werden, gehört nach Aussage der fünf Kaminkehrer zum gern gelebten Alltag. Joachim Diwisch stellte fest, dass der Brauch, einen Schornsteinfeger zu berühren, nach seiner Erfahrung in der Stadt Coburg weiter verbreitet ist als auf dem Land. Lästig ist ihm der Ritus nicht. "Mir würde etwas fehlen!"

Sich schonen stand nicht auf dem Programm der Glücksbringer. So ging es auch - voll bekleidet - in den Saunabereich. Vor Jahren wurde dort Norbert-Otto Grußka einmal auf die schweißtreibende Prozedur angesprochen. Dem verdutzten Badegast erklärte er, dass die Gruppe im Auftrag der Bundeswehr unterwegs sei, um wärmeabweisende Anzüge für Panzerbesatzungen zu testen. Ob dieser an dem Bären, der ihm da aufgebunden wurde, lange getragen hat, ist leider nicht bekannt...

Angesprochen darauf, wie es die Schornsteinfeger eigentlich selber mit dem Glück halten, stellte Grußka fest: "Wir brauchen niemanden anfassen, wir haben mit unserem Beruf einen ständigen Glücksgriff getan."