Wenn im Stadtrat der Haushalt fürs nächste Jahr verabschiedet wird, sind dem schon etliche Gespräche und Debatten in kleinen und großen Runden vorausgegangen. Streiten, worüber man Geld ausgeben sollte, muss man in Coburg nicht. Es ist genug für alles da. Worüber also dann reden in der Haushaltsdebatte?

Übers Grundsätzliche. Und, weil es der letzte Haushalt der laufenden Amtszeit war, kam auch noch ein bisschen Wahlkampf ins Spiel. Aber erst später. Kämmerin Regina Eberwein sagte, was ein Kämmerer sagen muss: Die Gewerbesteuer, zweimal hintereinander außergewöhnlich hoch ausgefallen, wird nicht auf diesem Niveau bleiben. Einmal wegen der Einmaleffekte, zum zweiten sei die wirtschaftliche Entwicklung ungewiss. Gleichzeitig will die Stadt viel investieren, darf also nicht alles gleich wieder ausgeben, was sie einnimmt. Ideen zum Geldausgeben gibt es genug, wie Jürgen Heeb von WPC bewies: Mehr Radwege bauen, forderte er. Mehr für Klimaschutz tun, neue Wege gehen beim öffentlichen Nahverkehr oder bei neuen Wohnformen für junge Leute. "Auch mal mutig sein."

Da musste Petra Schneider für die SPD gegenhalten: Dass es Coburg so gut geht, habe die Stadt den 30 Jahren mit SPD-Oberbürgermeistern zu verdanken, sagte sie. Vor allem im sozialen Bereich sei Coburg anderen Städten meist um zwei Jahre voraus. Schließlich stelle die SPD seit über 30 Jahren den Sozialreferenten. "Ist das ein Abgesang?", fragte Gerhard Amend (CSB) an dieser Stelle spitz dazwischen, und Petra Schneider griff zu einer Forderung, die die CSB gern für sich reklamiert hätten: Mehr Bürgerbeteiligung, zum Beispiel in der Diskussion um einen (Kongress-)Hotelstandort im Angerbereich oder beim Ausbau des Weichengereuth. Da konnte Christian Müller (CSB) nur darauf hinweisen, dass es im Stadtrat "keine rote Mehrheit" gebe und mehr Bürgerbeteiligung auf Antrag der CSB in die Geschäftsordnung hineingeschrieben werden solle.

Wolf-Rüdiger Benzel, Ex-Grüner, kritisierte, dass die Stadt oft zu schwerfällig sei. "Als Schwarmstadt müssen wir schneller und kreativer werden." Das sagte auch Friedrich Herdan, wenn auch mit anderen Worten: "Wir beweihräuchern uns gern, und wir haben vielleicht einige bemerkenswerte Investitionen beschlossen. In der Durch- und Umsetzung fehlte uns aber vielfach die Konsequenz." Was den Bau eines Kongresshotels angehe (wo auch immer) zeigte Herdan sich skeptisch, ob noch einmal ein Investor Interesse zeigt. Wenn, müsste dieses Hotel schnell kommen, sagte er. "Da wünsche ich dem nächsten Stadtrat ein glückliches Händchen."

Abgesehen davon kann die Realität auch manche Planung zunichte machen: "Beim Globe schlägt die Stunde der Wahrheit, wenn wir die Ergebnisse der Ausschreibungen haben", sowohl beim Preis als auch beim Zeitrahmen, sagte Herdan. Was es kosten werde, Regiomed zu restrukturieren, wisse noch niemand, von einem Klinikneubau oder einer Kliniksanierung ganz abgesehen. "Die Gefahr, dass alles billiger wird, ist gering."

Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) hatte eingangs Disziplin angemahnt: Von jeder Fraktion sollte nur ein Vertreter sprechen - und am Ende er selbst. Für ihn war es die letzte Haushaltsdebatte als OB, auch wenn nicht ganz ausgeschlossen ist, dass er als Stadtratsmitglied noch mal eine miterleben könnte. Trotzdem klang vieles von dem, was er sagte, wie ein abschließendes Fazit: Mit der Aufgabe Haushaltskonsolidierung sei er 2014 ins Amt gestartet; bei einem ausgeglichenen Haushalt, hohen Rücklagen und einem niedrigen Gewerbesteuerhebesatz von 310 Prozent stehe die Stadt aktuell, sagte er.

Tessmer wies darauf hin, dass auch bei hohen Einnahmen dank starker Firmen die Ausgaben und die dauerhafte Leistungsfähigkeit der Stadt immer im Blick behalten werden müssten. "Maß halten", mahnte der OB den heutigen und vielleicht auch den künftigen Stadtrat mit Ludwig Erhard, Vater des deutschen Wirtschaftswunders und der sozialen Marktwirtschaft.