Zufall oder nicht, den ersten Platz beim Schlepperturnier in Gelbs-reuth holte sich einer der jüngsten Fahrer mit einem der ältesten Traktoren. Der 27-jährige Sebastian Neuner aus Treunitz bei Königsfeld schaffte es, seinen Röhr 15R, Baujahr 1951, mit verbundenen Augen bis auf 16 Zentimeter an ein Hindernis zu manövrieren und zielgenau rückwärts einzuparken - letzteres sogar mit einer historischen Futterschneidmaschine aus den 1930er Jahren im Schlepptau.

Auf die Frage, wie man so viel Geschicklichkeit mit dem Schlepper entwickle, antwortete er nur: "Wir üben daheim immer." Denn sein alter Röhr sei regelmäßig auf dem heimischen Biohof im Einsatz.

Den zweiten Platz holte der 68-jährige Willi Gaßner aus Stegaurach. Sein 901er Hanomag, Baujahr 1968, muss zwar auch arbeiten, aber nicht mehr in der Landwirtschaft. Gaßner nutzt ihn als Zugmaschine für einen Wohnwagen der besonderen Art: Der ehemalige Bankkaufmann hat in Eigenarbeit eine fahrbare Blockhütte gezimmert - mit Wohn-, Schlaf- und Kochbereich. Der Untersatz für die urige Behausung ist ein alter Ladewagen. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Gundi Fößel besucht Gaßner Campingplätze und immer wieder auch Schleppertreffen. Er sagte: "So ein Traktortreffen ist wie ein Wanderurlaub. Das Ziel ist dahinzugehen, wo man noch nie war." Daher waren die beiden schon zwei Tage früher angereist, um auf Wanderungen "die fränkische Natur und ihre Menschen ganz anders kennenzulernen".

Den dritten Platz schaffte der 68-jährige Gottfried Riedel aus Altenplos auf einem MAN B18A. Er hatte 2012 bei der Schlepper-WM am Großglockner in Österreich den Weltmeistertitel in seiner Klasse geholt.

Insgesamt waren rund 140 Traktoren auf dem Festplatz ausgestellt. Über den Tag verteilt bewirteten die Gelbsreuther um die tausend Besucher. Einer davon war der zweijährige Johannes Dykast aus Hirschaid. Eigens für das Schleppertreffen ließ er seinen Mittagsschlaf ausfallen - keine Spur von Müdigkeit, dafür aber leuchtende Augen, als er auf einem 14er Bautz sitzen durfte. Auch seine achtjährige Schwester Fiona ist ein begeisterter Schlepperfan. Ein Lieblingsexemplar hat sie sich schon ausgesucht, einen 1977er IHC 1046 mit Regendach, "weil er so schön glänzt".

Eine Motorensymphonie

Die Sammlerleidenschaft kann Wolfgang Abé, Initiator des Schleppertreffens in Gelbsreuth gut verstehen. Er sammelt gerade Deutz-Motoren der Baureihe 912. "Den mit drei, vier und sechs Zylindern habe ich schon. Mir fehlt noch der Zwei- und der Fünf-Zylinder-Motor", erklärte er. Ist seine Sammlung komplett, will er alle Motoren auf einem Wagen montieren, via Armaturenbrett steuern und zu einer Motorensymphonie der Sonderklasse kombinieren.

Vor allem die röhrenden Motoren hatten es den Schlepperfans angetan. Dieter Thein aus Ebern hatte zwar nicht den ältesten Schlepper, dafür aber den ältesten Motor dabei. Baujahr 1950 war der Güldner GKN, dessen Verdampfer Thein kurzerhand zum Wienerla-Wärmer umfunktionierte. Nicht zuletzt wegen solcher Kuriositäten trieb es Bulldogfahrer und Besucher wieder massenweise in den Wonseeser Ortsteil. Die weiteste Anreise hatte ein Fahrer aus Höchstädt im Fichtelgebirge. Mehr als 70 Kilometer hatte er mit seinem Traktor zurückgelegt - einfach, versteht sich.

Abés Fazit fiel positiv aus: "Super gelaufen!" Ohne Schlepperfans und fleißige Helfer aus der Ortschaft könnte ein solches Event gar nicht stattfinden. Daher habe man sich auch um den Nachwuchs gekümmert. Für Kinder gab es ein Trettraktor-Turnier mit Hindernis-Parcours.

Den ersten Platz holte der fünfjährige Elias Stengel aus Hollfeld. Zweiter wurde der siebenjährige Tom Fischer aus Waldau vor Jakob Lauterbach (11) aus Döllnitz, der seine Fähigkeiten auch am Kinderbagger unter Beweis stellte. red