I n Alexander Dobrindts Wahlkreis ist die Freude groß. In Oberau wird eine Ortsumfahrung gebaut. 165 Millionen Euro verschlingt das Straßenbauprojekt, eines von 27, dass der Bundesverkehrsminister 2014 mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 1,7 Milliarden Euro auf den Weg gebracht hat. Eigenmächtig, am Parlament vorbei, wie das ARD-Magazin "Kontraste" dem CSU-Politiker vorwirft. Und irgendwie riecht es gar nach Klüngelei, wenn der Bürgermeister der oberbayerischen Gemeinde vor laufender TV-Kamera eine SMS vorliest, die Dobrindt an ihn geschickt hat. "Ich werde morgen die Baufreigabe für die Ortsumfahrung Oberau machen. Alles wie besprochen. Du bezahlst das Fest", heißt es da.
In Untersteinach und Kauerndorf gibt sich der Minister leider nicht so spendabel. Für die Umfahrung, für die seit vielen Jahren Baurecht besteht und deren Notwendigkeit wie auch in Oberau nicht angezweifelt wird, fließt kein Geld - da haben auch unzählige Protestkundgebungen der Bürger und unzählige Bittbriefe vieler Politiker nichts bewirkt.
Jetzt wird von den Gemeinden Untersteinach und Ködnitz ein neuer Versuch gestartet, das 85-Millionen-Projekt auf den Weg zu bringen. Splitting heißt das Zauberwort. Die Umfahrung soll zwar weiterhin als Gesamtprojekt gesehen werden, die Finanzierung aber in zwei Abschnitten erfolgen. Zunächst sollen rund 42 Millionen Euro im Bundeshaushalt eingestellt werden, damit 2015 der Startschuss für den Umgehungsbau erfolgt. Die zweite Finanzspritze, so die Forderung, soll zeitnah folgen.
Untersteinach und Ködnitz reichen dem Verkehrsminister mit diesem Vorschlag die Hand und hoffen, dass Alexander Dobrindt ihnen die seine reicht. Es wäre ja auch gar kein so großer Brocken. 42 Millionen zum Auftakt, das ist gerade mal ein Viertel des Geldes, das nach Oberau fließt. Und beim Blick auf die anfangs genannten 1,7 Milliarden Euro, mit denen bundesweit 27 Projekte finanziert werden, sind die Untersteinach/Kauerndorfer Begierden ja doch fast nur Peanuts.
Feiern lassen dürfte sich Dobrindt in Oberfranken auch. Auf ein Fest beim Spatenstich müsste der Bundesverkehrsminister in Untersteinach und Kauerndorf ganz sicher nicht verzichten.