Herbert R. Meyer und Neithard Schulte, Sprecher des Vereins Bahnsinn Bamberg, nehmen Stellung zu einem Bericht in unserer Zeitung vom 20. August ("Die Bahn kommt, das Wasser weicht"). Darin heißt es, dass die Bahn plane, die Strecke auf vier Gleise auszubauen und dass deshalb 14 Brunnen der unteren Fassung verlegt werden müssten.

"Doch die Feststellung des FT ist falsch, denn nicht die Bahn plante den viergleisigen Bahnausbau durch Bamberg und damit auch durch die Trinkwasserschutzgebiete I und II. Die Bahn wollte nämlich die Güterzüge und den Sprinter - ein ICE, der in Bamberg nicht hält - entlang der BAB 73 um Bamberg herumfahren lassen (siehe BVWP 2030)", monieren jetzt die beiden Verfasser in ihrer Stellungnahme. "Auch Bahnsinn-Bamberg e. V. plädiert seit Jahren für eine getunnelte Güterzugumfahrung mit Westanbindung und nennt ihre Lösung Bahnsinn-Umfahrung."

Und weiter: "Bereits 2012 äußerte der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG für Bayern, Klaus-Dieter Josel, gegenüber OB Starke, dass die Bahn den stündlichen ICE-Halt in Bamberg in Aussicht stellt. Doch dann müssten die Güterzüge um Bamberg herumgeführt werden, da diese für den Hauptlärm verantwortlich sind und damit wäre auch das Lärmproblem in Bamberg gelöst. Hierzu gibt es seit 1995 einen Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahn-Bundesamts (EBA) Nürnberg, der Bamberg den ICE-Halt zusichert.

Doch sämtliche Lösungsvorschläge mit all ihren Vorteilen (geringste Beeinträchtigungen, kürzeste Bauzeit, niedrigste Kosten) wurden einfach übergangen, denn die Stadtspitze favorisierte von Anfang an den Bahnausbau durch Bamberg. Im Schulterschluss mit der Stadtspitze haben dann die CSU- und SPD-Stadtratsfraktionen am 27.04.2016 - ohne vorherige Prüfung und ohne Bürgerbefragung oder Bürgerbeteiligung - jegliche Ostumfahrung abgewählt.

Selbstherrliche Politiker

Zu den Bedenken und Einwänden von Bahnsinn-Bamberg e.V. äußerte sich einst Herr Stieringer (SPD) nur lapidar: Wir lassen uns doch vom Bürger nicht sagen, was wir zu tun haben! Ein Paradebeispiel für die Tendenz der Verselbstständigung und Selbstherrlichkeit vieler Politiker, die ganz vergessen, dass sie erst recht nach ihrer Wahl dem Souverän gegenüber verantwortlich sind.

Es müssen auch keine weiteren Schuldigen gesucht werden: Das Bahnausbau-Desaster in Bamberg haben einzig und allein die politischen Entscheider in Bamberg zu verantworten!

Die eklatante Fehlentscheidung der Stadt macht sich heute schon bemerkbar, denn für den geplanten viergleisigen Bahnausbau durch die Trinkwasserschutzgebiete I und II am Tännig müssen bereits im Vorfeld 14 Brunnen der unteren Fassung verlegt werden. Das Einzige, was noch zu klären ist: Wer trägt die Kosten im zweistelligen Millionenbereich?

Doch das ist erst der Anfang und es wird noch schlimmer kommen! Auch der komplette Bamberger Bahnhof muss umgebaut und obendrein müssen sämtliche Eisenbahnüberführungen (neun) und die beiden Straßenüberführungen Kronacher Straße und Pfisterbrücke abgerissen und neu gebaut werden. Jahrelange Sperrungen der Verbindungsstraßen sind die Folge und weitere immense Kosten. Erschwerend kommt hinzu, dass der Bahnausbau in Bamberg unterm rollenden Rad abgewickelt wird, das bedeutet vor allem: jahrelanger Bahn- und Baulärm, Tag und Nacht.

Lärm macht krank

Für Bahnsinn-Bamberg e.V. ist es deshalb mehr als verwunderlich, dass auch Gesundheitsministerin Melanie Huml den Bahnausbau durch Bamberg wohlwollend unterstützt. Frau Huml müsste eigentlich wissen, dass Lärm nicht nur krank macht sondern, schlimmstenfalls sogar zum Tod führen kann."