Bei den Bundesfinals des Schulsportwettbewerbs "Jugend trainiert für Olympia" tummeln sich die Sportgymnasien und Leistungssportzentren, in denen junge Vereins- und Auswahlathleten konzentriert zusammengezogen sind. Was Teamgeist, Einsatzfreude und Siegeswille ausmachen können, bewiesen jetzt wieder die Basketballer des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums Bamberg (KHG). Unerwartet verteidigte die vom ehemaligen Bundesligaprofi und Oberstudienrat Volkmar Zapf betreute Mannschaft beim Bundesfinale in Berlin ihren deutschen Meistertitel in der Wettkampfklasse II (Jahrgänge 2002 bis 2005).

Im Feld der 16 Landessieger trat das KHG mit einem neu formierten Team an, nur Jakob Kessler und Alex Bollerhoff waren vom deutschen Meister 2018 übriggeblieben. Nach entspannter Anreise per ICE trafen die Bamberger tags darauf im ersten Spiel der Vorrundengruppe B in der Sporthalle des "Oberstufenzentrums Körperpflege" an der Schillerstraße auf das Pascal-Gymnasium aus Münster, eine reine Vereinsmannschaft. Nach anfänglicher Nervosität auf beiden Seiten fand das KHG in der zweiten Halbzeit besser in seinen Rhythmus und besiegte den späteren Viertplatzierten mit 46:38. Am frühen Nachmittag taten sich Elias Baggette & Co. gegen die unorthodox aufspielende Don-Bosco-Schule Rostock schwerer als erwartet, ließen aber nichts anbrennen und gewannen mit 54:41.

Gegen die Stadtteilschule Alter Teichweg aus Hamburg ging es um den Gruppensieg. Eine konzentrierte Leistung aller acht jungen Bamberger sorgte früh für klare Verhältnisse. Coach Zapf konnte entspannt durchwechseln. Johann Kessler, David Schwital und Marco Gaugel, die von der Bank kamen, erledigten ihre Aufgaben. Das KHG setzte sich ebenso souverän wie verdient mit 58:47 durch.

Somit nahmen die Bamberger einen Sieg mit in die Zwischenrunde der besten acht Mannschaften tags darauf. Die KHG-Basketballer starteten müde in die erste Partie gegen den vermeintlich leichtesten Gegner der Finalrunde, das Gymnasium Lohne aus Niedersachsen, den schulischen Kooperationspartner des Bundesligisten Rasta Vechta. Deutliche Worte von Coach Zapf in der ersten Auszeit dienten als Weckruf. Vor allem angetrieben von Alex Bollerhoff fand der bayerische Meister seine Spiellaune wieder und schlug Lohne klar mit 43:26.

Souverän das Mindestziel erreicht

Die KHG-Korbjäger hatten nun ihren Rhythmus gefunden, denn gegen das Sportgymnasium "Joh. Chr. Fr. GutsMuths" aus Jena gelang ein lockeres 49:24. Der Halbfinaleinzug als Gruppensieger war perfekt. Miles Osei nutzte seine Athletik immer wieder, um die für ihn zu unbewegliche Jenaer Verteidigung zu düpieren. Jannis Sonnefeld beherrschte die Bretter und auch die Dreier fielen nun. Das Bamberger Team hatte wohl die richtige Mischung aus Lockerheit und Energie gefunden, und das Turnierziel war mit dem Halbfinale erreicht.

Hier galt es, das Team des Schul- und Leistungssportzentrums Berlin zu schlagen. Brisanz lag in diesem Duell, da es die Neuauflage des Finals 2018 war und zum anderen mit Elias Baggette ein ehemaliger Berliner nun für Bamberg auflief. Gerade er war hochmotiviert und von seinen Freunden aus der Hauptstadt in keiner Phase des Spiels zu kontrollieren. Unterschiedlichste Verteidigungsvarianten der Berliner hebelten die Bamberger systematisch aus, so dass sich die Berliner Bemühungen, das Spiel noch zu drehen, schon kurz nach der Halbzeit in Luft auflösten und das KHG mit dem 52:27-Sieg erneut im Endspiel des Bundesfinales in der Charlottenburger Sporthalle stand.

Gegner war das Otto-Hahn-Gymnasium Ludwigsburg, das im anderen Semifinale Münster mit 34:25 besiegt hatte. Die Baden-Württemberger wurden als klarer Favorit gehandelt, zumal sie inklusive Trainer identisch mit der Ludwigsburger Vereins- und NBBL/JBBL-Mannschaft waren. Das KHG startete mit einem Dreier von Jakob Kessler.

Zum Wechsel stand eine 23:16-Führung zu Buche, auch weil Jannis Sonnefeld fast alle Rebounds geholt hatte. In Halbzeit 2 ließen beim kleinen Bamberger Team die Kräfte nach, Ludwigsburg kam in den letzten zwei Minuten heran. An Spannung schwer zu toppen waren die letzten Sekunden. Beim 39:36 für Bamberg hatten die Ludwigsburger nochmals Angriff. "Die Aktion zum Korb wurde vom Schiedsrichter mit einem fragwürdigen Foulpfiff bestraft", erklärt Coach Zapf, so dass die Ludwigsburger 7,8 Sekunden vor Schluss auf 39:38 verkürzten und einen Bonusfreiwurf bekamen. Den vergaben die Schwaben allerdings. Der letzte Dreierversuch der Schwaben verfehlte sein Ziel. Die Sensation war perfekt - das KHG war wieder deutscher Meister.

Als Leistungsträger erwiesen sich die Talente aus dem Bamberger Nachwuchsprogramm, der Berliner Elias Baggette, der Bielefelder Miles Osei und der Bremerhavener Jannis Sonnefeld.

Diese drei haben mit dem TSV Tröster Breitengüßbach das Finalturnier der U19-Bundesliga (NBBL) um den deutschen Titel erreicht und genießen beste Voraussetzungen in Bamberg: Ausbildung als Basketballer in Schule und Verein, gymnasiale Laufbahn am KHG und betreutes Wohnen im Internat Aufseesianum. red