Zum zweiten Mal findet in diesem Juni das FK:K-Festival statt. Mit Nackedeis hat das allerdings wenig bis gar nichts zu tun. Der Name bezieht
sich auf Veranstalter und Ort: Der Verein Franz Kafka bespielt das Kesselhaus.
Dem "Arbeitskreis für kulturellen Antrieb" ist es in den vergangenen Monaten ja immer wieder gelungen, Künstler nach Bamberg zu holen, die auf besondere Weise mit Konventionen brechen oder gar zu einer gegenwärtigen Avantgarde gezählt werden können. Die Untere Brücke ziert deshalb das Reverse Graffiti von Klaus Dauven.
FK:K nun bündelt dieses anspruchsvolle, fordernde Kunstverständnis in einem fast dreiwöchigen Programm unter dem Überschrift "Prozess". Ein musikalischer Höhepunkt wird am Freitag, 15. Juni, der Auftritt von King Ayisoba, einem ghanaischen Musiker. Ayisoba spielt seine modern fusionierte Version traditioneller ghanaischer Musik, oder: eine Art updgedateten, hypnotisierenden Reggae.
Daneben nennt Felix Forsbach von Franz Kafka sofort "Prinzip des Zufalls", ein Duo aus dem Bereich des experimentellen Jazz. Manuel Krass und Stephan Goldbach bauen mit Piano, Kontrabass und Elektronik improvisierte Klanglandschaften. Für Bassist Goldbach bedeutet der Auftritt auch eine Rückkehr in seine Heimatstadt. Während sich der Prozess bei King Ayisoba eher im politischen findet, im Kampf gegen neue Formen der Kolonialisierung, hat die Musik von "Prinzip des Zufalls" in ihrer Prämisse bereits etwas Prozesshaftes. Der Prozess im juristischen Sinne zieht am Freitag, 22. Juni, ins Kesselhaus ein, wenn Schauspieler aus den NSU-Monologen lesen werden.


Prozess der Zerstörung

"Mein persönliches Highlight", sagt Felix Forsbach, "wird aber ,Variations on bullet proof glass' von Kutin und Kindlinger sein." Und während Reggae, Jazz und Theater-Monologe trotz Anspruch noch recht konventionell klingen, ist das wirklich etwas anderes: Das österreichische Duo Peter Kutin und Florian Kindlinger hat sich für ihr letztes Album der Zerstörung einer Panzerglasscheibe gewidmet, diesen, ach ja, Prozess aufgezeichnet und das Ganze mit Elektronik versetzt.
In welchem Zustand die Scheibe in Bamberg ankommen und wie sie das Kesselhaus verlassen wird - um das herauszufinden, muss man das Festival am Dienstag, 19. Juni, besuchen. "Das Kesselhaus wird erzittern", verspricht Forsbach, "und einige überraschte Menschen zurücklassen." Die Zusammenarbeit mit dem renommierten Duo konnte auch Dank einer neuen Förderung des Musikfonds realisiert werden.
Sämtliche Informationen zum Programm sind im Internet auf www.franzkafkaverein.de nachzulesen.