Ein ganz besonderes Lyrik-Konzert fand am vergangenen Samstag in Schloss Oberau statt. Auf Einladung der Kulturinitiative Bad Staffelstein konzertierte die taiwanesisch-österreichische Cellistin Chih-Hui Chang mit ihrer Küpser Kollegin Ulrike Maria Gossel. Der Bogen spannt sich von der eleganten Wiener Klassik des Joseph Haydn über einen Abstecher zum Hildburghausener Cellisten-Komponisten Friedrich Dotzauer bis zu russisch-romantischer Musik von Reinhold Moritzewitsch Gliere.
Ein Höhepunkt des Abends war die Uraufführung des Celloduetts "Eigentlich ist Glück da" von Sebastian Paul Rehnert (*1988), das für diesen Abend in Schloss Oberau komponiert wurde.


Romantischer Charakter

Alle Gedichte und Texte stammen aus der Feder von Ingeborg Pacher-Gossel (1937 bis 2010) und wurden von ihrem Ehemann Werner Gossel gelesen. Nach Stationen in Klagenfurt, Köln, Wien und Hamburg lebte und wirkte die österreichische Lyrikerin jahrzehntelang in Küps. Sie wurde mit dem Carinthia-Literaturpreis ausgezeichnet, und verschiedene Verlage veröffentlichten ihre Werke.
Den romantischen Charakter, aber auch die beschwingte Leichtigkeit der Abendmusik brachte das Celloduo mit Suiten-artigen Instrumentalstücken wunderbar zum Ausdruck. Der Rezitator lud ein, mit dem Herzen zu hören. Voraussetzung dafür sei ein geöffnetes Herz, um die Botschaft aufzunehmen. "Bleiben Sie nicht Zuhörer, werden Sie Herzhörer", bat er das Publikum. Nach dem Moderato des Duetts von Joseph Haydn (1732-1809) in D-Dur zitierte Gossel: "Träume, wenn sie an Land gehen, sind verloren. Nur deine Zärtlichkeit kann sie heimholen". Die Sprache des Herzens sei eine Bildersprache. Nicht von Worten und Tönen, sondern von Empfindungen und Klängen.
Bei den Variationen über Mozarts "Là ci darem la Mano" ("Reich mir die Hand mein Leben") aus der Oper Don Giovanni von Justus Johann Friedrich Dotzauer (1783 bis 1860) ließen Ulrike Maria Gossel und Chih-Hui Chang Giovanni und Zerlina gehörig schmachten. Während Chang das bekannte Thema gefühlvoll durchscheinen ließ, brillierte ihre Partnerin mit lustbetonter, auch im Detail meisterhafter Spielart.
Dazu zitierte Werner Gossel: "Die Tränen sind im Wind vertrocknet und alle Trauer flog dahin". Wenn sich die Herztöne des Komponisten, Lyrikerin, Interpret und Auditorium zu einem Vielklang verbinden, entstünden ungeahnte Kräfte des Liebhabens. Wer mit dem Herzen singe, der bewerte und vergleiche nicht und nagele keine Fragen an die Wand der Düsternis. Gössel erinnerte aber auch an die Schattenseiten des Lebens: "Nach 13 Jahren Kampf gegen den Krebs, kurz vor dem Tod meiner Frau ebbte der Überfluss an Lyrik ab und es entstanden ihre ,Versprengten Texte', erläuterte er. Daraus zitierte er: "Wenn das Schweigen schmerzt, musst du nach Worten greifen".


Stimmungsvoll

Das stimmungsvolle Konzert gipfelte in der Komposition "Eigentlich ist Glück da", das Sebastian Paul Rehnert (*1988) extra für diesen Abend komponiert hatte. Weil das "G" stellvertretend für Glück stand,begann das Stück in G-Moll und löste sich in G-Dur auf. Die Vorliebe des jungen Komponisten zu Akkorden übersetzten die beiden Cellistinnen meisterhaft. Drei unterschiedliche Töne durchpulsten das Stück wie Glockenschläge. Die Pizzicatis (italienisch für "gezwickt") wurden nicht mit dem Bogen gestrichen, sondern mit den Fingern der rechten Hand, die normalerweise den Bogen führt, gezupft. Nur gelegentlich ließ Ulrike Maria Gossel den Vollklang des Instruments hören und begleitete die Zuhörer zum Abschied in den Schlosspark, wo die uralten Bäume in der Dämmerung zurückwichen. Sebastian Paul Rehnert absolvierte eine Ausbildung an der Berufsfachschule für Musik in Kronach. 2007 führte die Kronacher Klassik-Akademie seine "Irische Fantasie" für großes Orchester auf. Er hat an der Hochschule für Musik Dresden diplomiert, spielt Kontrabass und Klavier und arbeitet heute an der Palucca Hochschule für Tanz in Dresden, eine staatliche Kunsthochschule in Dresden mit den Studienschwerpunkten Tanz, Tanzpädagogik und Choreografie.