von unserem Redaktionsmitglied 
Tobias Kindermann

Altenkunstadt — Was es für ein Gefühl war, erstmals als Bürgermeister sein neues Amtszimmer zu betreten? "Ein gutes Gefühl", sagt Robert Hümmer (CSU).
Die Anspannung war schon lange vorher gewichen: "Es war ein langer Wahlkampf. Als das Ergebnis bekannt gegeben wurde, ist mir ein Stein vom Herzen gefallen." Bis zur Auszählung des elften Wahllokales bei der Stichwahl am 30. März war der bisherige Amtsinhaber Georg Vonbrunn vorne gelegen, "erst mit den letzten drei zog ich vorbei." 52 Prozent waren es am Ende.
Die politische Landschaft in den Kunstädten hat sich seit dem jüngsten Wahlgang deutlich verändert. In Burgkunstadt löste Christiane Frieß (CSU) Heinz Petterich (FW) ab. Bereits im März 2008 war in Weismain Udo Dauer (CSU) als Nachfolger von Peter Riedel (CSU) gewählt worden. Alle drei, Riedel, Vonbrunn und Petterich, galten nicht gerade als Leisetreter, wenn es um Probleme zwischen den Kommunen ging: Man habe zwar miteinander gesprochen, "aber am Ende war irgendwie immer einer dagegen."

Kehrmaschine aus Burgkunstadt

Ob sich das Klima gewandelt hat? Es gibt positive Signale. Inzwischen fährt die Burgkunstadter Kehrmaschine durch Altenkunstadter Straßen, für die Gemeinde Altenkunstadt lohnt sich eine eigene nicht. Man überlegt, welche Geräte man im Bauhof austauschen kann. Weitere Gespräche über eine denkbare Zusammenarbeit sind geplant.
Auch im Altenkunstadter Rathaus gibt es Neues: "Ich halte einmal im Monat eine Bürgersprechstunde ab", sagt der 50-Jährige. Damit will er sein Versprechen nach mehr Transparenz umsetzten - und auch mehr Bürgernähe zeigen: "Manchmal sind es die Dinge, die uns klein erscheinen, die die Leute als groß empfinden." Und einige Fälle lassen sich ganz schnell regeln: "Da haben wir drei Äste an einem Baum abgeschnitten, damit mehr Licht durch das Küchenfenster fällt." Auch Bürgerversammlungen in den Ortsteilen will er wieder durchführen.
In der Vergangenheit vermisste Hümmer diese Offenheit, und nennt als Beispiel auch den Umgang mit dem 2011 errichteten Wasserwerk. Hier wären immer Nachfragen gekommen - auch im Gemeinderat - wann es die Bescheid gäbe. Da hätte sich mehr bewegen können. Nun sollen in die Zahlung die inzwischen neu errichteten beiden Hochbehälter der Wasserversorgung mit einbezogen werden. Zusammen kommen hier etwa 1,9 Millionen Euro an Kosten zusammen, die auf die Grundstücksbesitzer der 5400-Einwohner-Gemeinde umgelegt werden müssen. "Hoffentlich müssen wir die Wasserpreise nicht erhöhen", hofft er. Als Landwirt weiß er, dass einen das finanziell durchaus spürbar treffen kann: Für 30 seine Milchkühe brauchte er 1700 Kubikmeter wasser im Jahr. Der Kubikpreis in Altenkunstadt liegt bei 1,78 Euro, da können bei Preisanpassungen schnell Kosten von einigen hundert Euro auf die Betroffenen zukommen.

Landwirtschaft verkleinert

Die Kühe hat Robert Hümmer verkauft, um seine Landwirtschaft zu verkleinern. Für die Bewirtschaftung von Äckern und Grünland sucht er noch einen Mitarbeiter. Der Stall, den er hat, ist inzwischen 30 Jahre alt, es standen Investitionen an. So konnte er das zurückstellen und sich nun voll dem Bürgermeisteramt widmen: "Diese Aufgabe lässt einem auch überhaupt keine Zeit für andere Dinge"
An seinem Dienstzimmer hat er nicht viel geändert. Einen Teppich hat er herausgenommen, Georg Vonbrunn nahm seinen alten Holzschrank mit, in dem er Kleidung aufbewahrte, an der Wand hängt ein Bild, dass ihm die Jungen und Mädchen aus dem Kathi-Baur-Kindergarten geschenkt haben. Darauf sind Abdrücke von Kinderfüßen zu sehen - und es steht: "Jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt."
"Manchmal braucht man auch etwas Glück in diesem Amt", sagt er und nimmt einen blauen Schriftzug in die Hand, den ihm eine Frau aus Burkheim geschenkt hat. "Bis jetzt ist in meinem neuen Amt eigentlich alles so gekommen, wie ich es mir vorgestellt habe."