Musik und Klettern, das sind die großen Leidenschaften des 80-jährigen Paul Schelhorn aus Egloffstein. Er führte und führt ein interessantes Leben. Geboren wurde er als einziges Kind von Katharina und Karl Schelhorn in Egloffstein, wo er auch zur Schule ging. "Die früheren Dorfschulen waren besser als die heutigen Verbandsschulen", meint der 80-Jährige, denn die Lehrer hätten die Eltern gekannt und haben nach seiner Ansicht besser auf die Schüler eingehen können.
Es gab zwei Lehrer und zwei Schulräume. In einem waren die Klassen eins bis drei, im anderen vier bis sechs untergebracht. "Unser Lehrer Winterstein war sehr streng. Man muss aber die Zeit berücksichtigen, denn das war nach dem Krieg und Deutschland lag in Schutt und Asche", erinnert sich Schelhorn.


Ohrfeigen vom Lehrer

Damals wurde der pädagogische Erfolg unterstützt durch Ohrfeigen. "Aber wir sind alle tüchtige Leute geworden", verteidigt Paul Schelhorn das Konzept und schwärmt, dass Lehrer Winterstein seinen Schülern sehr viel Allgemeinbildung beigebracht habe.
Der 80-Jährige bezeichnet sich als eher zurückhaltend. Doch auch er hatte in der Pubertät seinen Mitmenschen manche Streiche gespielt. Beispielsweise hing er mit Freunden die Fensterläden der Häuser im Tal aus und trug sie auf den Berg - und die Läden von oben nach unten. "Schade, dass man das heute nicht mehr machen kann. Das war ein Ventil, das wir in dem Alter gebraucht haben", so Schelhorn. Mit 14 Jahren begann er auch zu klettern, was er die nächsten 64 Jahre beibehalten sollte.
Mittwochs nach der Arbeit und samstags und sonntags waren Kletterpartien bei jedem Wetter angesagt. "In der Fränkischen Schweiz habe ich über 50 Erstbegehungen gemacht. Und ich war im Gebirge unterwegs", erzählt Schelhorn. Viele Kletterpartien und Wanderungen unternahm er mit seinem vor kurzem verstorbenen Freund Heinz Hack und mit seiner Frau Magda, mit der er zwei Kinder hat.


"Eine schlimme Zeit"

Nach der Schulzeit wollte er Musiker werden und begann ein Studium am Konservatorium in Nürnberg. Doch nach fünf Jahren musste er das Musikstudium aufgeben, weil kein Geld mehr da war. "Das war eine schlimme Zeit. Da hat der Adenauer viele Menschen ins Unglück gestürzt, denn es wurde behauptet, dass die Hälfte der Kriegsbeschädigten sich ihre Rente erschwindelt hätte", erzählt Paul Schelhorn.
Und so habe der Staat seinem Vater, der an seinen Kriegsleiden gestorben war, die Rente aberkannt, und die Mutter musste mit 30 Mark im Monat auskommen. "Ich hatte keine Arbeitspapiere und konnte nur Gelegenheitsarbeiten annehmen. Da wird man am Dorf gleich als Taugenichts abgestempelt", erinnert sich Schelhorn. Endlich fand er Arbeit in einer Firma in Bubenreuth und konnte Gitarren stimmen und spielfertig machen. Danach arbeitete er für den Innungsmeister Ernst-Heinrich Roth. Als er 35 Jahre alt war, gab es vom Staat Ausbildungsbeihilfe, so dass der mittlerweile verheiratete Paul Schelhorn eine Lehre zum Geigenbauer beginnen konnte.
Mit 37 Jahren begann er mit der Meistervorbereitung. Dazu musste er mehrere Gesellenjahre vorweisen und konnte dann die Meisterprüfung ablegen und sich selbstständig machen. Vielen Menschen ist der Geigenbauer Antonio Stradivari bekannt und sein Geigenmodell. Wenige wissen, dass auch Paul Schelhorn ein eigenes Modell entwickelt und in die ganze Welt verkauft hat. "Das ist gar nicht so einfach. Viele denken zum Beispiel, dass die Schwingung über den Steg übertragen wird. Dabei wird die meiste Schwingung über den Hals übertragen", erklärt der Geigenbauer. Für den Bau einer guten Geige benötigt man 200 Arbeitsstunden. "Die muss klingen, die braucht einen entsprechend großen Ton", erläutert Schelhorn und meint, dass ein Produkt für sich selbst sprechen muss.


"Eine schöne Zeit"

Früher war er zum Wandern und Klettern mit Gitarre unterwegs. Da er sparen musste, hatte er auch einen Kochtopf dabei und übernachtete bei Bekannten in Scheunen. Nach dem Klettern war es üblich in der Gaststätte aufzuspielen und zu singen.
"Das war eine schöne Zeit", erinnert sich Paul Schelhorn. Jetzt singt er nicht mehr. Er war jedoch fast 50 Jahre lang Chorleiter: 20 Jahre in Möhrendorf, über 20 Jahre in Thuisbrunn und acht Jahre in Egloffstein. Außerdem war er Mitglied beim Bundesbahnorchester Nürnberg. Und malen tut er auch.