Ein Prozess wegen einer Disco-Rauferei ist nichts Außergewöhnliches. Aber dass sich die gewalttätige Auseinandersetzung auf der Tanzfläche nur zwischen zwei jungen Damen abspielt, fällt schon aus dem Rahmen. Das Jugendgericht am Amtsgericht in Haßfurt verurteilte eine 21-jährige Frau aus dem Maintal zu einer Geldstrafe von 1300 Euro, weil sie eine Gleichaltrige so heftig mit der Faust auf den Kopf schlug, dass diese kurzzeitig das Bewusstsein verlor.


Vor über einem Jahr

Laut Anklageschrift, die der Staatsanwalt Wedekind verlas, ereignete sich die Straftat bereits vor einem guten Jahr am späten Abend des 22. Januar 2017. Damals war in einer Diskothek in Bamberg volles Haus und auf der Tanzfläche tummelten sich so viele Leute, dass sie zwangsläufig miteinander in Berührung kamen. In dieser Situation passierten erst einmal unschöne Schubser und Rempler. Und kurz darauf, schilderte ein unbeteiligter Mann (25) im Zeugenstand, "kam dann eine Faust geflogen."
Dieser Schlag landete auf dem Kopf einer jungen Frau (21). Als Zeugin befragt, ob sie die Angeklagte eindeutig als Täterin wiedererkenne, antwortete das Opfer wörtlich: "Ich bin mir eigentlich sicher." Dies veranlasste den Jugendrichter Martin Kober, kritisch nachzufragen, ob sie sich hundertprozentig sicher sei oder nicht. Daraufhin blickte die damals Geschlagene der Angeschuldigten direkt ins Gesicht und bejahte die Frage.


Heftige Attacke

Der Schlag muss seinerzeit sehr heftig gewesen sein, denn das Opfer wurde kurzfristig bewusstlos und musste von einem Rettungswagen in eine Klinik eingeliefert werden. Dort diagnostizierten die Ärzte eine Gehirnerschütterung und die Heranwachsende wurde aufgrund starker Kopfschmerzen eine Woche lang krankgeschrieben.
Als wichtiger Augenzeuge, der damals zufällig die Auseinandersetzung mitgekriegt hatte, trat der unbeteiligte 25-Jährige in den Zeugenstand. Da er weder Täter noch Opfer persönlich kennt, war seine Aussage als neutraler Zeuge von zentraler Bedeutung. Er erinnerte sich daran, dass nach dem "Getümmel" auf der Tanzfläche die Angeklagte ihr Opfer erst einmal an den Haaren gezogen und dass sie anschließend mit der Faust zugeschlagen habe.
Die Beschuldigte selber beteuerte ihre Unschuld und betonte, noch nie in eine Schlägerei verwickelt gewesen zu sein. Verteidiger Hans André wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass seine Mandantin durch keinerlei Vorstrafen belastet ist. Der aggressive Faustschlag sei kaum mit ihrem eher schlanken und zierlichen Körperbau vereinbar. Der Rechtsanwalt arbeitete durch wiederholte Nachfragen heraus, dass sämtliche Beteiligte stark alkoholisiert waren. Insofern bezweifelte er, dass sich die Personen nach dieser langen Zeit tatsächlich konkret erinnern könnten. Nach dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" forderte er in seinem Plädoyer einen Freispruch.


Richter hat keine Zweifel

Für den Jugendrichter hingegen gab es keinen Zweifel an der Täterschaft. Die verurteilte 21-Jährige muss bis zum 10. Mai einen Geldbetrag von 1300 Euro an den Eberner Jugendtreff "Obendrin" bezahlen. Die Höhe der Geldstrafe entspricht einem Monatslohn der Angestellten. Das Urteil des Gerichts ist noch nicht rechtskräftig.