Ob Musical wirklich die treffende Gattungsbezeichnung für das Geschehen auf der Seebühne des Kurparks war? Sei's drum, das "ABBA-Musical" machte am Montagabend Spaß und den meisten sogar Freude. Über zwei Stunden währte ein Sommer-Open-Air-Ereignis, das rund 650 Besucher anzog und nicht selten tanzen ließ.

Mit dem Original im Studio

"A Tribute to ABBA", so lautete der Name der Show, die laut Veranstalter die "original Show" zu ABBA ist. Kein schlechter Name, wenn man bedenkt, dass bei diesem Tribut auch der 79-jährige Janne Kling anwesend war, jener sympathische angegraute Endsiebziger, der mit Flöte und Saxophon dabei war, wenn die wirklichen ABBA (Benny Andersson, Björn Ulvaeus, Anni-Frid Lyngstadt und Agnetha Fältskog) in den 70ern und 80ern im Studio standen.

Waterloo und Mamma Mia

Schon der Beginn der Show gelang passend mit einer Nummer, die Musikfans vielleicht sogar eher durch Mike Oldfield kennen: "Arrival" (Ankunft). Doch die Nummer stammte aus der Feder von Andersson und sorgte für eine Einstimmung auf das, was durch Markus Gorstein (Piano), Evelin Lorenz ("Frida"), Sebastian Gurgel (Gitarre) und Mia Löfgren (Agnetha) auf das Publikum wartete.

Und das bestand in der Fülle von weltberühmten ABBA-Melodien zwischen "Waterloo" und "Mamma Mia", zwischen "Chiquitita" und "Honey Honey". Mehr als zwei Stunden sollte der Melodienreichtum währen, der von einer insgesamt siebenköpfigen Band nebst zweier zusätzlichen Tänzerinnen so präsentiert wurde, dass er nicht nur nah am ABBA-Stil war, sondern dazu noch informativ.

"Wir werden heute eine Riesenparty mit Ihnen feiern", sicherte Markus Gorstein zu. Den Mann gibt es in zwei Schreibweisen, mal als Markus mit k, mal als Marcus mit c. Aber immer hatte er beruflich mit Showgrößen zu tun, beispielsweise mit dem Sänger der Puhdys.

Aber auch die Agnetha gebende Schwedin Mia Löfgren könnte dem ein oder anderen Besucher schon woanders aufgefallen sein: bei der schwedischen Popband Rednex. Als sie in den unvermeidlichen ABBA-Plateausohlenschuhen den Welthit "The Winner Takes It All" sang, tat sie es mit starker Stimme, mit Ausdruck und einem dezenten Timbre. Besucher erhoben sich von ihren Plätzen, tanzten und nahmen sich in den Arm.

Aber vorher erfuhren die 650 von dem tieferen Hintergrund des Songs. Geschrieben von Benny Andersson, beschreibt er die damalige kritische Beziehung zu seiner Frau Agnetha. "Intensiver kann man Musik nicht betreiben", so Gorstein zu dieser in Text und Noten gesetzten Reflexion.

Und Janne Kling? Auch er wurde zwischendurch von Gorstein zu den echten ABBA befragt. Wohl jeder im Publikum hatte noch seinen Flöteneinsatz bei "Fernando" im Ohr, den dieser einst im Tonstudio einspielte. "Acht Stunden hat die Aufnahme gedauert", so der bald 80-jährige Schwede. Er erzählte auch davon, dass die Flöte eigentlich eine Hirtenflöte sei, weniger zum Musizieren geeignet, ein einstiger Billigkauf und am Tag der Aufnahme auch nicht ganz intakt. Mittels einer klebenden Visitenkarte sei aus ihr ein funktionierendes Provisorium gemacht worden. Dann zeigte er die Flöte und spielte sie zu den entsprechenden Hits.

Immer wieder gingen die Begleittänzerinnen durchs Publikum, einmal tat dies auch Evelin Gremmel. Und einmal ging auch ein wohl vorzugsweise männliches Raunen durchs Publikum. Dann, als Gorstein im Hinblick auf ihre perfekte Figur bemerkte, dass die Frida-gebende Gremmel schon Mutter drei Kinder ist.

Sommerlich beschwingt

Immer wieder kam es zu stimmungsvollen Zwischenhochs, beispielsweise durch Songs wie "Super Trouper" oder "Dancing Queen", begleitet auch von einer kleinen Laser-Show. Nach über zwei Stunden endete ein absolut gelungener Abend. Man ging heim, gutgelaunt, sommerlich beschwingt sogar.