Bei einer Versuchsfahrt am Kohlenhof des Deutschen Dampflokomotiv-Museums sollte dieser Tage demonstriert werden, dass der Demag-Dampfkran auch als Kleinlokomotive für den Verschiebedienst geeignet ist. Und der Versuch verlief zur Freude aller Beteiligten erfolgreich.

Gekommen war auch der frühere Regierungsdirektor Bernd Arnal, der den 1927 gebauten Koloss wie kein anderer kennt. Es handelt sich um den einzigen noch betriebsfähigen Dampfkran seiner Art in Deutschland, der noch bis 1973 im Deggendorfer Hafen im Einsatz war. Zum Rangieren von Güterwagen war ein handgebremster Schutzwagen erforderlich, der bei der Versuchsfahrt mit einem normalen Güterwaggon gekoppelt war.

Mehr als nur Kohleschaufeln

Im Bahnbetriebswerk gab es Kräne für die verschiedensten Aufgaben. Die meisten luden Kohle in die Loks und schaufelten Schlacke aus. Der Demag-Dampfkran konnte als Besonderheit sogar selbst fahren. Er konnte jedes Gut ohne mühsames Herumrangieren an die dafür vorgesehene Ladestelle bringen. Hierfür brauchte es keine Rangierlokomotiven mehr.

Bernd Arnal, der 1978 die Überführung des Dampfkrans von der vorübergehenden DDM-Außenstelle in Thurnau nach Neuenmarkt maßgeblich vorangetrieben hatte, stellte damals schnell einen technikgeschichtlichen Zusammenhang her: "Dampfbetriebene Arbeitsgeräte wie Kräne und Bagger beherrschten in der Frühzeit des industriellen Aufbruchs Verkehrsanlagen, Baustellen und auch Bahnbetriebswerke, in Deutschland noch bis hinein in die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Danach verschwanden sie schnell und gingen den Weg des alten Eisens, sie wurden verschrottet."

Einem glücklichen Umstand und dem engagierten Einsatz einiger Idealisten sei es zu verdanken, dass der Dampfkran als einziger dieser Ausführung für die Nachwelt erhalten werden konnte, so der Experte.

Im Gebüsch entdeckt

Der von einem Kiesabbaubetrieb ausrangierte Dampfbagger war in einem Gebüsch am Main im Landkreis Bamberg entdeckt worden. Er konnte laut Arnal geborgen und im Frühjahr 1976 nach Thurnau überführt werden. Bei näherer Untersuchung stellte sich aber heraus, dass eine komplette betriebsfähige Restaurierung des Oberwagens finanziell nicht möglich war.

Ein glücklicher Zufall rettete die schier aussichtslose Situation, denn fast zeitgleich mit der Bergung des Dampfbaggers wurde im Staatshafen von Deggendorf ein ganz ähnliches Gerät entdeckt, ein Demag-Dampfkran, der auch als Bagger eingesetzt werden konnte. Dieser war erst kurze Zeit zuvor außer Dienst gestellt worden und besaß einen noch neuwertigen Kessel. In Thurnau wurden die noch braucbbaren Teile schließlich zusammengeführt. Am 10. Juni 1978 konnte der Kran nach der Tüv-Abnahme dem DDM betriebsfähig übergeben werden.

Wie Museumsleiter Jürgen Birk erklärte, ist es das Ziel, den betriebsfähigen Dampfkran wegen seiner besonderen technikhistorischen Bedeutung in regelmäßigen Abständen den Besuchern vorzuführen.

Neue Attraktion

Dass damit mehr Leben auf das Museumsgelände kommt, ist auch im Sinne von Rainer Riedel, der zusammen mit dem Verein der Freunde des DDM maßgeblich an der Revitalisierung des Kohlenhofs beteiligt war. In letzter Zeit habe sich herauskristallisiert, dass Dampffahrten einfach zu teuer sind. "Also mussten Ideen entwickelt werden, wie man das Museum noch attraktiver gestalten kann", so Riedel.

Bernd Arnal freut sich indes über die Entwicklung des Deutschen Dampflokomotiv-Museums: "Mich bewegt, dass ich mit fast 80 Jahren noch dabei sein darf zu sehen, wie der Kran seiner Konzeption gerecht wird, nämlich als Bagger, als Kran und als Verschiebelokomotive. Wer hätte das gedacht?"