Es gibt die Redewendung vom "lachenden Erben", allerdings findet man einen solchen ganz selten. Auch wenn man sich zu Lebzeiten mit der Familie versteht, kann es im Todesfall zu Streitigkeiten kommen, da der eine oder andere meint, nicht richtig bedacht worden zu sein oder einfach übergangen wurde. Das erzählte auch ein Besucher des Seniorennachmittags in Hausen, der überrascht war, als seine Schwester nach dem Tod der Mutter alles erbte.
Gerda Wagner, Seniorenbeauftragte in Hausen, hatte den Notar Marcel Neumair aus Forchheim eingeladen, damit dieser beim beliebten Seniorennachmittag einen Vortrag zum Thema Erben und Vererben hielt. Dass das Thema interessant ist, zeigten die vielen Zuhörer, die gekommen waren.


Zu Lebzeiten klären

"Was passiert mit meinem Vermögen, wenn ich sterbe? Natürlich kann ich sagen, das ist mir wurscht", trug der Notar vor. Doch besser sei es, das zu Lebzeiten zu klären, denn oft gebe es Streit oder die Falschen erben. "Wobei niemand gezwungen wird, das Erbe anzunehmen", erklärte Neumair gleich zu Beginn. Und dass nicht nur Vermögen, sondern auch Schulden vererbt werden können.
Deshalb empfahl der Referent, dass man achtsam sein müsse, wenn man das Vermögen des Verstorbenen nicht kennt. Erben passiert automatisch. Will man das Erbe ausschlagen, muss man aktiv werden. Marcel Neumair erklärte, dass das Erben einen automatischen Vermögensübergang - auch von Schulden - mit dem Tod des Erblassers auf den oder die Erben bedeutet. Wobei das Vermögen die Aktiva minus Passiva ist und man von einem Alleinerben oder einer Erbengemeinschaft spricht.


Erbengemeinschaft

"Wenn der Erblasser stirbt, tritt der Erbe an Stelle des Verstorbenen. Bei einer Erbengemeinschaft gehört allen alles zusammen", erklärte der Referent.
Ein Vermächtnis dagegen ist der Anspruch auf die Herausgabe eines einzelnen Gegenstandes. Ein Testament gehe immer vor. Gibt es ein solches nicht, tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft.
Gesetzliche Erben sind Verwandte - hierzu gehören auch nichteheliche und adoptierte Kinder -, Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner. Der Erbanteil bestimmt sich nach dem Verwandtschaftsverhältnis, dem Familien- und dem Güterstand. Erbberechtigte erster Ordnung sind die eigenen Abkömmlinge, also Kinder, Enkel, Urenkel. Erben zweiter Ordnung sind Eltern und deren Abkömmlinge, dritter Ordnung Großeltern und deren Abkömmlinge.
"Ein Ehegatte erbt auch nicht automatisch alles", klärte der Notar auf. Hier kann die Erbquote von einem möglichen Ehevertrag abhängig sein. Ein Testament muss nicht unbedingt gemacht werden. "Wenn die gesetzliche Erbfolge passt, dann ist kein Testament notwendig", führte Marcel Neumair aus. Allerdings sei eines sinnvoll, wenn Vermögen vorhanden ist. Es gibt das Einzeltestament, das man handschriftlich verfassen kann mit Datum und Unterschrift. Hier sollte man den Erben einsetzen oder die Erbquoten, wer also welchen Anteil des Vermögens erhalten soll. Dann sollte das Vermächtnis aufgeführt werden wie beispielsweise ein Geldbetrag, Grundstück, Nießbrauch oder Schmuck. Man kann vorgeben, dass der eine das Auto, der andere die Bücher und so weiter bekommen soll.


Bei Minderjährigen

Bei Minderjährigen sollte ein Vormund benannt werden, oder man kann Auflagen angeben wie zum Beispiel, dass sich der Erbe um die Grabpflege kümmern muss. Ein eigenhändig erstelltes Testament kann auch beim Amtsgericht abgegeben werden. Besser sei ein notarielles Testament, da dieses richtig formuliert und beurkundet sei. "Maßgebend für die Notargebühren ist der Reinwert des Vermögens zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Testaments", erklärte der Notar. Er rechnete vor, dass das bei einem Reinvermögen von 250 000 Euro bei einem Einzeltestament 670 Euro ausmachen würde.


Der Pflichtanteil

Es gibt auch noch ein gemeinschaftliches Testament für Ehegatten und eingetragene Lebenspartner. Außerdem ging der Referent auf den sogenannten Pflichtanteil für Kinder, Ehegatten oder Eltern, wenn keine Abkömmlinge vorhanden sind, ein. Hier geht es um die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, der eingefordert werden muss und bei dem es sich nur um einen Geldanspruch handelt. Ein Testament muss gut formuliert werden, denn "es wird zu einem Zeitpunkt relevant, wo man Sie nicht mehr fragen kann", schloss Marcel Neumair.