Bernhard Panzer

Die Stadt-Umland-Bahn (StUB) hat ihre letzte Hürde in Herzogenaurach genommen. Mit 16 zu zehn Stimmen sprach sich der Stadtrat am Donnerstagabend für die Rathgeberstraße als Vorzugsvariante aus. Abgelehnt hat das vor allem die CSU-Fraktion, die die Bürger mit ins Boot holen wollte. Ihr spontaner Antrag, ein Ratsbegehren zu initiieren, fiel jedoch mit dem gleichem Ergebnis durch.
"Wann, wenn nicht jetzt", lautete die rhetorische Frage von Christian Polster (CSU). Auf den Zeitpunkt war zuvor auch Konrad Körner eingegangen. Jetzt liege das Ergebnis der Machbarkeitsstudie vor und man habe zwei Straßen, die als mögliche Trassen funktionieren, sagte er. Weil die in der Bewertung aber nur wenige Punkte voneinander getrennt seien und es sich um eine Jahrhundert-Entscheidung handle, sollte man diese nicht alleine treffen, sondern die Bürger befragen. Laut Körner wäre es an der Zeit, den Bürger entscheiden zu lassen, "ob er den alten Bahnhof denn noch zentral und den verkehrlichen Eingriff in der Flughafenstraße angemessen findet".
Aus den Fraktionen von SPD und Grünen kamen deutliche Gegenrufe. Curd Blank (SPD) sprach von einem " rein populistischen Antrag", der jetzt rechtzeitig zur Wahl komme. Das sei ein bisschen wie das Lebkuchenhaus von Hänsel und Gretel, meinte er: "Erst verlockend, dann aber fatal." Und Retta Müller-Schimmel von den Grünen wusste erst nicht, wie sie damit umgehen sollte: "Ich habe große Schwierigkeiten damit, euch ernst zu nehmen", sagte sie. Holger Auernheimer (SPD) verdeutlichte: "Das ist kein Thema, um aus dem Bauch heraus zu entscheiden."


Klare sachliche Empfehlung

Zuvor hatte Bürgermeister German Hacker (SPD) seine Verwunderung ob des Antrags ausgedrückt. Er verdeutlichte, dass nun ein langer Prozess abgeschlossen sei, in den immer auch die Bürger eingebunden waren. Fachleute hätten sich für eine Vorzugsvariante ausgesprochen, die man nun auch weiterverfolgen wolle. Hacker wörtlich: "Der heutige Beschluss ist fachlich hervorragend vorbereitet, es gibt eine klare, sachlich begründete Empfehlung."
Der Bürgermeister stellte fest, dass man schon zu viele Gespräche im Vorfeld gehabt habe, auch mit den Bürgern, als dass man über das Thema "aus dem Bauch heraus" entscheiden lassen sollte. "Die Menschen haben es satt. Sie wollen eine vernünftige Sachlage."
Hacker ging auch darauf ein, dass das Raumordnungs- und später das Planfeststellungsverfahren ja noch ausstehen. Auch da werde es wiederum eine "breiteste Beteiligung von fachlicher und öffentlicher Seite" geben. An diesem Abend gehe es nur um die Empfehlung für die Vorzugsvariante. Die zweite Variante müsse als Alternative im Verfahren ohnehin ebenfalls weiter betrachtet werden.
Für Hacker ist die Empfehlung Rathgeberstraße klar. Aus seiner Sicht wäre es unverantwortlich, die Anbindung des Schaeffler-Osttors in Frage zu stellen, entgegnete er auf eine Aussage Körners bezüglich der Flughafenstraße. Der hatte den "Faktor Innenstadt" genannt und gefordert: "Eine Schiene muss ins Herz der Stadt führen und nicht durch ein reines Wohngebiet in ein Industriegebiet."
Skeptisch äußerte sich Manfred Welker (FW), was die Rathgeberstraße angeht. Man habe dort auf der ganzen Länge nur eine Haltestelle. Holger Auernheimer verwies darauf, dass die auf Protestschildern in der Rathgeberstraße angeprangerte Zahl von 8000 Fahrzeugen sich dort verdoppeln könnte, wenn die StUB durch die Flughafenstraße führe. Die Autofahrer würden alle ausweichen.


Pro und kontra

Renate Schroff von der SPD ("Ich fühle mich so gut informiert, dass ich sachlich entscheiden kann") und Peter Simon von den Grünen ("Wir sind gewählt worden, um zu entscheiden") lehnten ein Ratsbegehren ab, Walter Drebinger (CSU) verteidigte es: "Als Bürgervertreter muss ich die Meinung der Bürger kennen. Deshalb sollten wir sie abfragen." Konrad Körner entgegnete noch auf die Kritik von rot-grün: "Ich bin es leid, dass immer wenn wir sachlich auftreten, uns finstere Gedanken unterstellt werden."
Mit der CSU (sieben Räte waren anwesend) stimmten die beiden Freien Wähler Manfred Welker und Christian Schaufler sowie der Grüne Peter Maier.