von unserem Redaktionsmitglied 
Lisa Kieslinger

Kreis Haßberge — Bewerber um einen Job oder eine Ausbildung nach der Schule befinden sich momentan wieder in der heißen Phase: Viele Bewerbungsunterlagen sind schon verschickt. Nun heißt es warten: Entweder auf eine Absage oder auf die lang ersehnte Einladung zu einem persönlichen Gespräch. Jeder Kandidat kann hier mit seinen Stärken und seiner Persönlichkeit punkten, wenn er gewisse Stolpersteine geschickt umschifft.
Personaler der Firmen "Maintal" in Haßfurt, FTE in Ebern und Vertreter der Arbeitsagentur Haßfurt erzählen über ihre "No Gos" bei Bewerbungen und geben Tipps für einen starken Auftritt.

Es zählt Klasse statt Masse

Bereits beim Anschreiben können einem Bewerber viele Fehler unterlaufen. Susanne Ströhlein, Personalreferentin bei "Maintal" bemerkt, dass sich viele Bewerber ihrer Rolle nicht bewusst sind. Ein Anschreiben ist für Bewerber die perfekte Möglichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen. "Man liest leider meist nur die typischen Standardfloskeln. Zur eigenen Person sagen Bewerber viel zu wenig. Eigentlich ist es Sinn der Sache, für sich selbst Werbung zu machen", erklärt sie.
Für Arbeitsvermittlerin Dunja Dietzel von der Haßfurter Dienststelle der Bundesagentur für Arbeit in Schweinfurt ist die schriftliche Bewerbung die Eintrittskarte in das persönliche Gespräch. "Die Bewerber müssen sich bewusst sein, dass ihre Bewerbung bei der Erstauswahl höchstens 60 Sekunden betrachtet wird", erklärt sie. In dieser kurzen Zeit muss ein Bewerber den Personaler überzeugen, dass sich ein längerer Blick in seine Unterlagen lohnt. Laut Dunja Dietzel schafft man das so: "Im Anschreiben sollte das drin stehen, was den Arbeitgeber anspricht und was in der Stellenausschreibung gefordert wurde", erklärt sie. Ein Anschreiben sei im besten Fall die Antwort auf die Stellenausschreibung.
Renate Aumüller von der Personalabteilung der Firma FTE rät, ein Bewerbungsschreiben immer von zwei Personen Korrektur lesen zu lassen. Denn unvollständige Ungsunterlagen und Rechtschreibfehler zählen zu dem absoluten "Geht-gar-nicht" und fallen schnell auf.

Stolpersteine im Gespräch

Auch beim Vorstellungsgespräch gibt es Stolpersteine. Angefangen mit der Ankunft. "Dies sollte nicht zu spät sein, aber auch nicht zu früh", erklärt Dunja Dietzel von der Bundesagentur für Arbeit. Sie kennt das aus eigener Erfahrung, da sie früher selbst im Personalwesen tätig war und Bewerbungskurse gehalten hat. "Wenn ein Bewerber 20 Minuten zu früh an der Tür klopft, hat sich der Personaler meist noch nicht vorbereitet. Das ist eine ungünstige Situation", sagt sie.
Susanne Ströhlein hält auch gar nichts davon, wenn Bewerber mit ihren Eltern zusammen in das Unternehmen kommen. "Wenn Schüler noch keinen Führerschein haben und von ihren Eltern gebracht werden, dann ist das vollkommen in Ordnung. Die Begleitung muss nur irgendwann ein Ende haben", erklärt sie. Und das Ende sollte die Eingangstür zum Unternehmen sein.
Für alle drei Expertinnen ist es unabdingbar, dass sich Bewerber mit dem Betrieb auseinander setzen und sich darüber ausführlich informieren. "Ich habe auch schon Bewerber erlebt, die reinkommen und nicht einmal wissen, was das Unternehmen macht. Das ist ein absolutes ,No Go‘. Warum sollte ich jemanden einstellen, der nicht einmal weiß, was wir produzieren", sagt Susanne Ströhlein.
In den letzten Jahren sind der Fachfrau in den Vorstellungsgesprächen verstärkt Schulabgänger aufgefallen, die in den Schulen Bewerbungstrainings absolviert haben. Aufgefallen nicht im positiven Sinne. Wenn der Bewerber zum Beispiel etwas sagt, von dem er gelernt hat und annimmt, dass ein Unternehmen das gerne hört.
Falsch. Floskeln rauben das Echte. "Mir ist besonders wichtig, dass sich ein Bewerber authentisch präsentiert und auch zu seinen Schwächen steht. Jeder Mensch hat Schwächen, das ist völlig normal", meint Ströhlein. Wichtig sei es, dass die jungen Leute lernen, wo ihre Schwächen auch etwas nützen könnten.

Auf Standardfloskeln verzichten

Beraterin Dunja Dietzel sieht das Abschreiben von Standardfloskeln ebenso sehr kritisch. "Ich hatte zum Beispiel mal einen Bewerber für eine Stelle im Lager. In seinem Anschreiben verwendete er Worte wie ,außerordentlich‘. Das passte überhaupt nicht zu ihm und zu seinem angestrebten Beruf", erzählt die Arbeitsvermittlerin.
Bewerber sollten immer versuchen, eigene Texte zu schreiben, eigene Worte zu finden. Standardfloskeln bekommt ein Personaler jeden Tag zu lesen. Damit setzt man sich nicht von der Konkurrenz ab.
Für Renate Aumüller von FTE in Ebern ist es absolut wichtig, dass Bewerber während des Vorstellungsgespräches mit ihrer vollen Aufmerksamkeit im Raum und bei ihrem Gesprächspartner sind. Einigkeit unter den Fachleuten herrscht auch beim äußeren Erscheinungsbild.
"Mein Gegenüber muss gepflegt aussehen und sollte auf sich selbst achten", sagt Ströhlein. Es muss nicht Krawatte und Anzug sein. "Das Verhältnis Job zu Person ist wichtig. Der Bewerber sollte für den Beruf, für den er sich bewirbt, ordentlich angezogen sein." Dunja Dietzel hat schon Erfahrungen gemacht. "Für Bewerber, die ursprünglich aus Osteuropa stammen, ist es selbstverständlich und eine Ehre, zu jedem Vorstellungsgespräch einen Anzug anzuziehen. Doch für manche Berufe kann das sehr unpassend sein. Das musste ich dann versuchen, ihnen zu erklären. Das war gar nicht so einfach."