Matthias Einwag "Jeder Baum, den wir pflanzen, ist ein Gewinn", sagt Stadtrat Bernhard Christoph (B 90/Grüne). Dabei geht es ihm nicht darum, der Stadt ein "scharfes Schwert" in die Hand zu geben. Vielmehr möchte er die Kernstadt und die Dörfer durch markante, großkronige Laubbäume aufgewertet sehen. Bäume seien nämlich nicht nur ein optischer Gewinn für ein Stadtbild, sie verbesserten auch das Kleinklima, was in Zeiten des Klimawandels immer wichtiger werde. Bernhard Christoph, der seit 20 Jahren für eine Baumschutzverordnung eintritt, möchte keinen Wald in der Stadt anpflanzen: "Es kommt darauf an, das, was wir haben, zu schützen."

Großkronige Bäume erwünscht

"Viele Städte legen Wert darauf, dass es ihren Bäumen gut geht", hat Bernhard Christoph beobachtet. "Schaut nach Bamberg! Dort ist jeder Fleck, der möglich ist, mit großkronigen Bäumen besetzt." Im Januar 1998 habe seine Stadtratsfraktion erstmals beantragt, fürs Lichtenfelser Stadtgebiet eine Baumschutzverordnung zu erlassen und legte einen Satzungsbeschluss vor. Bisher mit wenig Erfolg. Trotz mehrmaligem Nachhaken kam keine Mehrheit für eine solche Satzung zustande.

Gleichwohl seien in den vergangenen Jahren immer wieder Bäume ersatzlos abgesägt worden - etwa im ehemaligen "Rießner-Park" oder auf dem Burgberg. "Bäume verschwinden und keiner kümmert sich darum - es ärgert mich, dass wir da so wenig Augenmerk drauf legen."

Während der Großparkplatz am Fachmarkzentrum auf Verlangen der Stadt mit etlichen Bäumen bepflanzt wurde, sei der Parkplatz am Kaufland ein Negativbeispiel: "Dort sollten viele Bäume stehen", sagt Bernhard Christoph, "aber dort stehen bis jetzt nur zwei verkrüppelte Bäumchen."

Bäume als Portale

An den Ortseingängen, moniert er, könnten Bäume die Wappen der Partnerstädte einrahmen - das wäre ein schöner Willkommensgruß. Auf dem Marktplatz sollte die Baumleiste, die am Oberen Tor beginnt, bis zum Unteren Tor durchgezogen werden. Heiße Sommer und lange Trockenperioden sowie schlechte Luft erforderten ein Gegensteuern. Bäume, fährt er fort, verbessern nicht nur das Kleinklima, sie schaffen zudem aus Licht und Schatten angenehme Orte zum Verweilen. In südlichen Ländern stünden nicht ohne Grund vielerorts Platanen, die den Plätzen ein grünes Dach geben. "Inzwischen ist es bei uns auch schon so warm wie im Süden", ergänzt er. Weil eine Stadt sich schneller aufheizt als ein Dorf, bestehe Handlungsbedarf.

Mit flankierenden Bäumen bepflanzt werden sollten die Radwege im Stadtgebiet. Der kürzlich geschaffene von Isling in Richtung Burkheim sei kahl - bis auf einige Sträucher, die zuvor auch schon da standen. Bernhard Christoph: "Wir haben dort keinen einzigen Baum gepflanzt." Als positives Beispiel nennt der Stadtrat die Bamberger Straße in Seubelsdorf. Dort seien Bäume mustergültig ins Straßenbild integriert. Und dass vor den Produktionshallen von Concept-Laser auf voller Länge großkronige Bäume gepflanzt werden sollen, freut ihn.

"Ob wir eine Baumschutzverordnung benötigen, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen", erklärt Sebastian Müller vom Lichtenfelser Bürgermeisteramt. Hiermit werde sich der Bau- und Umweltausschuss befassen.

Baumschutzverordnungen, gibt er zu bedenken, haben Vor- und Nachteile. Geschützt würden in der Regel Bäume ab einem bestimmten Stammdurchmesser. In Städten, die eine Baumschutzverordnung erließen, habe dies oftmals dazu geführt, dass Bäume, die kurz vor dem Erreichen des schützenswerten Stammdurchmessers standen, doch abgeholzt wurden.

In "Vision 2030" enthalten

Wo es nach Ansicht der Stadtverwaltung an Bäumen im Stadtgebiet fehlt, wollen wir wissen. Müller: "Das grüne Stadtbild ist eines der Hauptthemen der Vision 2030 für Lichtenfels. Deshalb wird künftig noch mehr als in der Vergangenheit darauf geachtet, zum Beispiel bei Stellplatzsatzung, Bebauungsplänen, Grünordnungsplänen, Leitfäden zur Stadtgestaltung etc., um das Thema Bäume mehr in den Vordergrund zu rücken."

Konkret auf den Parkplatz am Kaufland angesprochen sagt Sebastian Müller: "Uns ist ein angemessener Grünanteil prinzipiell sehr wichtig. Dies haben wir zum Beispiel im Bebauungsplan des neuen Gewerbegebietes An der Zeil II vorgeschrieben."

Die Begrünung des Radwegs von Isling in Richtung Burkheim sei bereits in Planung, sagt Müller.