Mehr Nahrungsquellen, Schutz- und Lebensräume für Insekten schaffen - das ist ein großes Ziel des Projekts "Blühender Landkreis Haßberge". 21 Kommunen haben sich 2017 dazu entschlossen, 126 öffentliche Grünflächen mit Hilfe von Fachplanern in Wildblumenwiesen umzuwandeln. Beim Auftakt im Frühjahr wurde die Saatgut gelegt, die Flächen teilweise bepflanzt. Eine Zwischenbilanz zogen jetzt die Verantwortlichen.
"Das Projekt endet zum Jahresende, aber unser Anliegen nicht. Es ist dann die Aufgabe der Gemeinden, ihre Blühflächen weiterhin zu pflegen", sagte Kreisfachberater Johannes Bayer vom Kreisverband für Gartenbau und Landespflege. Damit das gelingt, fanden Workshops für Gemeindearbeiter, Vertreter von Obst- und Gartenbauvereinen sowie der Imker unter dem Motto "Nachhaltige Pflege von Blühflächen und Nistmöglichkeiten" statt.
"Das Programm ist immer gleich, nur die Standorte variieren", erklärte Johannes Bayer. In Breitbrunn, Aidhausen und Obertheres versammelten sich für jeweils sieben ansässige Gemeinden etwa zehn bis 15 Teilnehmer jeweils vor Ort. Meist waren es überwiegend nur die Gemeindearbeiter der Bauhöfe. Geograf Bernhard Reiser vom Institut für Vegetationskunde und Landschaftsökologie (IVL) leitete den Workshop. Er beschrieb den Teilnehmern, was bei der Pflege der Blühflächen zu beachten ist.
"Generell wird oft zu intensiv gemäht", sagte er. Deswegen wachsen immer weniger Wildkräuter. Und: Jede Mahd tötet zehn bis 30 Prozent der dort lebenden Insekten. Blühflächen "sind pflegeleicht", so Bayer. Die Wiesen müssen nur ein- bis zweimal jährlich gemäht werden. Bei kleineren Flächen reiche es, Unkraut zu rupfen. Un-Kraut sind in diesem Fall weniger blühende Pflanzen, die die Blühpflanzen be- und verdrängen. So haben die Pflanzen genug Platz und die, die noch nicht ausgetrieben sind, können austreiben und sich versamen.
Um das Erlernte in die Tat umzusetzen, ging es raus in die Natur: Die einzelnen Flächen wurden besichtigt und dabei das weitere Vorgehen besprochen.


Trockenheit verzögert Projekt

"Jede Fläche ist anders als die nächste, denn sie haben sich sehr verschieden entwickelt", sagte der Kreisfachberater. Bei einigen wurden Nistmöglichkeiten für Insekten angelegt, wie etwa ein Nisthügel in Aidhausen. Auch steht dort eine kleine Fläche in voller Blüte, während im Vergleich einige Wiesen in Theres eher brach liegen. Der Hauptgrund: "Die Blumenwiese in Aidhausen wurde im April bepflanzt, da hat es noch geregnet. Bei allem, was danach gepflanzt oder ausgesät wurde, stellt die Trockenheit ein großes Problem dar", so Bayer. "Die Witterung ist extrem ungünstig", bestätigte der Geograf Reiser.
Der April sei um etwa fünf Grad über den Durchschnittswert zu warm gewesen, der Mai und Juni auch um drei bis vier Grad. Zudem fielen die wenigen, aber starken Niederschläge nur punktuell. "Das Projekt ist dadurch nicht gefährdet", versicherte der Kreisfachberater. "Allerdings wird in diesem Jahr an einigen Flächen nichts mehr blühen, es verzögert sich alles um ein Jahr." Man müsse einfach Geduld haben.
Das Projekt stärkt die biologische Vielfalt. Das sei dringend nötig, denn "nicht nur die Zahl der Bienen, sondern allgemein die Zahl der Insekten geht immer stärker zurück", sagte Bayer. "Das Bienensterben, was erschreckend ist, war nicht ausschlaggebend dafür. Aber es ist ein Grund mehr, der uns motiviert, das hier zu tun." Daran erkenne man, wie wichtig solche Aktionen seien. "Wir wollen die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen", sagte Bayer.
Jede Gemeinde erhielt drei Informationstafeln, die teilweise schon aufgestellt wurden. Ferner werden gerade 3000 Flyer gedruckt, die Gartenbesitzern Tipps zur Anlage und Pflege von Blühflächen und Nistgelegenheiten geben. "Wir planen noch eine Broschüre für Kinder- und Jugendarbeit, die wir dann zum Beispiel an Schulen verteilen."


Weitere Maßnahmen folgen

Ein letzter Workshop ist im Herbst. Bis dahin werden Blumenzwiebeln und Wildblütenmatten (mit Samen präparierte Pflanzpapiere) bestellt, die dann eingepflanzt werden sollen.
Rund 70 000 Euro waren für die Aktion vorgesehen. "Insgesamt kommen wir auf über knapp 60 000 Euro", sagt Bayer. 60 Prozent der Kosten werden gefördert, der Rest wird auf die Gemeinden aufgeteilt. "Das sind etwa 1000 Euro pro Gemeinde", so der Kreisfachberater. Für alle Beteiligten sei das eine gute Investition, die sich nicht nur aus ökologischen Gründen auszahlt, sondern das Landschaftsbild verschönere.