Eine Klinik mit 1000 Betten wird in China von 7500 Arbeitern innerhalb von zehn Tagen aus dem Boden gestampft. Ein weiteres Krankenhaus in Wuhan eröffnet kurz darauf mit 1600 Betten. Solche Vorhaben in solch einer Schnelligkeit umzusetzen, ist ohne Frage außergewöhnlich. Die Hochschule Coburg wirft einen Blick aus baubetrieblicher Sicht auf diese Projekte.

Egbert Keßler, Professor für Baubetrieb und Bauinformatik an der Hochschule Coburg, findet grundsätzlich: "Es ist eine Riesenleistung, diese Krankenhäuser so schnell zu errichten, dennoch ist vom Baulichen her keine Kunst dahinter." Warum ein derartig dimensionierter Blitz-Bau in Deutschland nicht 1:1 möglich ist, hat mehrere Gründe. Zum einen verlaufen in einem totalitären Staat wie China die rechtlichen Genehmigungen und Randbedingungen der Bauten ganz anders. "Beim Krankenhaus in Wuhan hat die Planungsphase circa zwei Monate gedauert. Wenn man bei uns die Einspruchs- und Ausschreibungsfristen beachtet, sind schon zwei Monate vorbei, ohne dass ein Spatenstich passiert ist", weiß der Experte. Die Planungsphase fiel auch deshalb kürzer aus, da man in China die Pläne für das Pekinger Krankenhaus verwendet hat. Das wurde 2003 wegen der Sars-Epidemie von 4000 Bauarbeitern in nur sieben Tagen errichtet. Professor Keßler erklärt: "Die maximale Baugeschwindigkeit definiert sich darüber, wie schnell man in die Höhe kommt. Das ist in der Regel ein Stockwerk pro Woche. Egal wie komplex das Gebäude ist." Das Krankenhaus in China besteht aus zwei Stockwerken in der klassischen Containerbauweise. "Es werden fertige Container genommen und hingestellt. Das ist einfach und in zwei Wochen problemlos überall zu schaffen", so Professor Keßler. Außerdem gibt er zu bedenken, dass die Qualität dieser Bauwerke nicht so gut ist. Das Krankenhaus, das 2003 in Peking wegen Sars gebaut wurde, wird nun bereits saniert. Nachhaltig ist das nicht. Ein weiterer Punkt sind die Kapazitäten. "Selbst wenn man rechtliche Randbedingungen außer Kraft lässt, wäre das bei uns organisatorisch nicht möglich. Versuchen Sie mal, innerhalb von zwei Monaten 7000 Bauarbeiter auf die Baustelle zu bekommen." red