Auf reges Interesse stieß im Landkreis Erlangen-Höchstadt der Tag des offenen Denkmals unter dem Motto "Entdecken, was uns verbindet" mit dem Austragungsort Schloss Neuenbürg. Die Familie von Gagern erlaubte einen Blick in ihren Familiensitz.

142 Einwohner hat der Weisendorfer Ortsteil aktuell, die Besucher in Neuenbürg an diesem Sonntag dürften die Einwohnerzahl um ein Mehrfaches übertroffen haben. Er habe nach der Renovierung gerne Schloss Neuenbürg für Interessenten am Tag des offenen Denkmals geöffnet, so Freiherr Maximilian von Gagern mit seiner Frau Irina. Landrat Alexander Tritthart und Weisendorfs stellvertretender Bürgermeister Karl-Heinz Hertlein (beide CSU) würdigten die Anstrengungen der Freiherrlichen Familie bei der Renovierung des Schlosses.

Ersterwähnung 1165

Die Geschichte von Neuenbürg brachte Kreisheimatpfleger Manfred Welker den zahlreichen Zuhörern nahe. Seit 1872 ist die Familie von Gagern im Besitz von Neuenbürg, Friedrich Balduin von Gagern hatte das Schloss in diesem Jahr gekauft. Die Familie von Gagern ist Rügenscher Uradel mit dem (1232 Gawarne genannten) Stammhaus Gawern, das später in Gagern umgeformt wurde, im Kirchspiel Gings auf Rügen. Sein Vater Heinrich Freiherr von Gagern (1799 - 1880) hatte als Präsident der deutschen Nationalversammlung, die in der Paulskirche in Frankfurt am Main 1848/1849 tagte, am 3. April 1849 mit dem liberalen Politiker Carl Theodor Welcker dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserwürde angetragen, was dieser aber ablehnte.

Der älteste Bestandteil von Schloss Neuenbürg ist das Hochschloss mit etwa 11 x 13 Metern Grundfläche, das erhöht auf einem künstlich angelegten Hügel (Motte) steht. Der Eingang zur Anlage befindet sich auf der Nordseite, er ist über einen aufgeschütteten Damm zu erreichen, der ehemals mit einer Zugbrücke, später mit einer Holzbrücke versehen war. Das erhöht liegende Schloss war von einem Wassergraben umflossen. Im Park, der das Gebäude umgibt, ist dieser Wassergraben, von Bäumen gesäumt, immer noch zu erkennen. Flankiert wird der Wohnturm von ehemaligen Wirtschaftsgebäuden, einer Kapelle, Stallungen und einer Remise.

Erstmals wurden im Jahr 1165 Rupprecht und Walter von Nuvenburg in einer Urkunde als Zeugen für Graf Rapoto III. von Abenberg genannt. Später war das Schloss im Besitz der Familie von Mayenthal und wurde im Jahr 1388 im sogenannten Städtekrieg zerstört, ein weiteres Mal im ersten Markgrafenkrieg. Die Familie von Mayenthal scheint sich von diesen Schlägen nie mehr richtig erholt zu haben. Neuenbürg war in unterschiedlichen Händen, so der Familie von Holzschuher, Stettner von Grabenhof, Winkler von Mohrenfels und weiterer.

Wechselnde Besitzer

Mit dem Schloss wuchs auch die Ortschaft. Hatte Neuenbürg nach dem Dreißigjährigen Krieg außer dem Schloss lediglich vier Wohngebäude, so kam 1692 ein fünftes Gütlein dazu, 1731 ein sechstes, 1674 oder 1690 wurde die Mühle errichtet. Im Ortsverzeichnis des Rezatkreises, erschienen 1818, wird Neuenbürg mit 20 Feuerstellen, 25 Familien und 109 Einwohnern angegeben. Im gleichen Jahr wurde die Gemeinde Reinersdorf mit Neuenbürg gebildet.

Am 21. März 1819 erbte Dr. Johann Michael von Mannert aus Nürnberg das Rittergut von Johann Jakob Winkler von Mohrenfels, der Wert wurde damals auf 67 107 Gulden netto geschätzt. Mannert vererbte Neuenbürg 1830 an seinen Schwiegersohn Franz von Stadler. Dieser musste 1865 Konkurs anmelden, ein siebenköpfiges Konsortium von Maklern übernahm das Besitztum, Stück für Stück wurde alles versilbert, das Archiv vernichtet. 1867 war Neuenbürg im Besitz der von Mutzler, von denen es die Freiherren von Gagern erwarben. maw