Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus sowie die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit hatten zur Geburtstagsparty eingeladen und 13 Schulen aus ganz Bayern waren diesem Ruf gefolgt. Genau 200 Jahre zuvor war 1819 in München die Ständeversammlung zusammengekommen und hatte damit den Grundstein für das Wachsen des Parlamentarismus in Bayern gelegt.

Über zwei Jahre hinweg hatten Grundschüler, Realschüler, Gymnasiasten und Berufsschüler gemeinsam mit ihren Betreuungslehrkräften und in Zusammenarbeit mit Geschichtsvereinen, Archiven, Heimatforschern und anderen Institutionen zu einem selbst gewählten, in der Regel aus ihrer Heimatregion stammenden Abgeordneten geforscht. Diese Ergebnisse galt es nun im Alten Ministergang des Kultusministeriums zu präsentieren.

Vorläufer des Landtags

Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) würdigte in ihrem Grußwort die von oben eingerichtete Ständeversammlung als Vorläufer des bayerischen Landtags. Sie verknüpfte dieses Jubiläum mit dem nicht minder wichtigen Gedenken an 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland und hob die gleichberechtigte politische Partizipation von Frauen und Männern in heutigen Volksvertretungen hervor.

Hausherr und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) spann diesen Gedanken weiter und wagte das Gedankenspiel, wie man wohl in 200 Jahren auf den Parlamentarismus der Gegenwart zurückblicken werde. Werde es gar keinen gemeinsamen Tagungsort mehr geben? Würden Abstimmungen per Computer von zu Hause aus durchgeführt? Würden gar Avatare die politische Arbeit leisten?

Die Abgeordneten des Jahres 1819 hätten sich sicherlich nicht träumen lassen, welche Wirkung ihre Zusammenkunft langfristig für die Geschichte Bayerns haben würde. Diese Männer rückten nun in den Fokus der Aufmerksamkeit. Moderiert von Christine Schmid-Mägele und StR Matthias Haberl von der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit stellten die einzelnen Schülergruppen ihre Abgeordneten vor.

Die Kurzweiligkeit der Veranstaltung war garantiert. So wurden Biografien als Realfilm oder Playmobil-Film ebenso gezeigt wie digitalisierte Präsentationen und Kunstobjekte. Die Grundschule Sommerau begeisterte mit ihrem Rap über Joseph Wilhelm Behr die Anwesenden.

Geburtshaus besichtigt

Da Kronach aufgrund der eingeschränkten Zulassungsvoraussetzungen keinen Abgeordneten in die Ständeversammlung gesandt hatte, entschied man sich im Wahlfach Politik und Zeitgeschichte an der Siegmund-Loewe-Schule für den Marxgrüner Hammerwerksbesitzer Heinrich David Theodor Loewel (1778 - 1855). Ausgehend von den Informationen des Hauses der bayerischen Geschichte und des digitalisierten Parlamentsarchivs hatten die Schülerinnen und Schüler ihre Recherche begonnen und nach zahlreichen Hinweisen eine Exkursion nach Marxgrün organisiert. Dort trafen sie auf Andreas Löwel, der die Gruppe auf dem ehemaligen Gutshof empfing und mit wertvollem Quellenmaterial wie Karten, Stammbaum und Gemälden versorgte. Darüber hinaus konnte auch das sich in Privatbesitz befindende Geburtshaus Heinrich David Theodor Loewels in Unterklingensporn besichtigt werden.

Eine weitere Exkursion führte ins Staatsarchiv nach Bamberg, während Daniel Rittenauer dankenswerterweise die Nachforschungen im Hauptstaatsarchiv in München übernahm. Unterstützt vom Landeskirchenarchiv in Nürnberg wurde Einblick in die Geburtsurkunde genommen.

Aus der Vielzahl an gewonnenen Erkenntnissen entstand das bewegte Leben des Abgeordneten Heinrich David Theodor Loewel, das die Schülerinnen auf einem acht mal 1,44 Meter großen Banner darstellten. Darauf erkennt man - liebevoll gezeichnet von der Zehntklässlerin Lisa Hugel - in einer oberfränkischen Landschaft im Wechsel der Jahreszeiten einen alten Dachs. Er steht für die Herkunft der Loewels aus dem Bergbau und als Hammerwerksbesitzer. Ein heranwachsender Löwe (!) verkörpert schließlich das politische Engagement des Abgeordneten und den beginnenden Parlamentarismus in Bayern.

Ein Ehrenplatz

Nach München hatten die Schülerinnen Maria Kautsch, Lia-Marie Tremel, Yasmine Farroukh, Lena Schubert und Lisa Hugel einen verkleinerte Version (drei mal 0,70 Meter) mitgenommen. Sie wird künftig auf dem Gut in Marxgrün einen Ehrenplatz erhalten, so dass zwei Jahre Arbeit nicht nur durch den Festakt in München, sondern auch durch die Übergabe des Ergebnisses an Andreas Löwel einen würdigen Abschluss finden.

Interessierte können künftig über die Homepage der Schule unter "Projekte" auf das digitalisierte Banner zugreifen. hpm