Martin Schweiger Weil er im vergangenen Jahr einen schwunghaften Handel mit Cannabis betrieb, hat das Jugendschöffengericht am Amtsgericht in Haßfurt einen 22-jährigen Mann aus dem Landkreis Haßberge zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Als Auflage muss er 1000 Euro an den Kreisjugendring berappen.

Laut Anklage hat der Angeklagte bei einem bereits verurteilten Großhändler achtmal mindestens 100 Gramm Marihuana gekauft. Sechs weitere Käufe lagen unterhalb der 100-Gramm-Grenze.

Über seinen Anwalt Jochen Kaller räumte der Angeklagte die Vorwürfe weitgehend ein. Allerdings seien es selten 100 Gramm gewesen, eher 50 bis 80 Gramm. Dafür seien es wohl mehr Ankäufe gewesen als angeklagt, gab der Angeklagte zu.

Wieder clean?

Fünf Gramm am Tag habe er selber geraucht und den Rest verkauft, um seinen Eigenkonsum zu finanzieren. Von den angeklagten 750 Gramm habe er etwa 450 Gramm selbst konsumiert. 7,60 Euro habe das Gramm "Gras" im Einkauf gekostet. Verkauft habe er es für neun bis 13 Euro pro Gramm. Seit neun Monaten sei er clean, um seinen Führerschein wieder zu erhalten, erläutert er.

Auf die Schliche kam ihm die Kriminalpolizei in Schweinfurt durch die Observation des Großhändlers, bei dem auch der Angeklagte einkaufte. Am 18. Mai vergangenen Jahres erfolgte der Zugriff in Königsberg, wo die Beamten vier Personen festnahmen, darunter auch den Angeklagten. Auf dem Handy des Großhändlers fanden die Ermittler acht Schuldenlisten mit Namenskürzeln. Daraus ergab sich, dass der Angeklagte Schulden im vierstelligen Bereich bei seinem Lieferanten hatte.

Drohung wirkte

Der Angeklagte saß 17 Stunden lang aufgrund einer vorsorglichen Festnahme in einer Gefängniszelle. Daran hatte er wohl keine gute Erinnerung. Denn als der ermittelnde Kripobeamte ihm bei der Vernehmung Untersuchungshaft androhte, packte er aus und gab ein Geständnis ab.

Ein Unbekannter ist er vor Gericht nicht. Bereits dreimal wurde er wegen Drogendelikten verurteilt, jetzt zum ersten Mal zu einer Freiheitsstrafe. Ein Jahr und neun Monate auf Bewährung plus 2500 Euro Geldauflage forderte der Staatsanwalt. Der Verteidiger hielt eine einjährige Bewährungsstrafe plus 1000 Euro Geldauflage für ausreichend.

Richter Martin Kober sagte in der Urteilsbegründung, dass der Verurteilte nur mit viel Glück nicht in der Untersuchungshaft gelandet sei. Für künftige Straftaten gebe es keinen Spielraum mehr. "Wenn Sie auch nur mit einem halben Gramm ,Gras' auf der Straße erwischt werden, wird die Bewährung widerrufen", warnte er den 22-Jährigen, der das Urteil ebenso annahm wie der Staatsanwalt.